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Wetten, dass...? | Drucken |  E-Mail
Walter Wiese   
01.03.2005
Alle reden vom „Wettskandal“: Die Tagesschau hat inzwischen ein festes Logo zu diesem allabendlichen Thema. Fußballfans reagieren mit Sarkasmus und die DFB-Spitze mit Aufgeregtsein: „Das ist ein Kriminalfall!“

Sieht der DFB-Funktionär und Jurist Zwanziger hier nur einen (einzigen) Kriminalfall oder meint er, hier geht es (generell) kriminell zu? Dass den Herren (und Damen?) des DFB dieser „Wettskandal“ nicht in den Kram passt, ist nachvollziehbar. Die in 16 Monaten in der BRD stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft setzt alles Fußballerische in und aus Deutschland ins Weltrampenlicht. Außerdem sitzt der Chauvinismus zu tief im Herzen und man glaubte solche Machenschaften allenfalls in Italien oder Tschechien „zu Hause“.
Aber so fern ist das alles gar nicht: Es gibt das hartnäckige Gerücht, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer mittels finanzieller „Handsalben“ die WM nach Deutschland geholt haben soll. Die Länderspiele im Spätherbst letzten Jahres sollen nur der fußballerische Ausdruck dafür gewesen sein. Oder ist der fußballerische Nichtangriffspakt von Gijon in Spanien bei der WM 1986 zwischen der BRD und Österreich bereits vergessen, der sanktionslos zu Lasten Algeriens praktiziert wurde?
Wieso wird vom „Wettskandal“ gesprochen? Hier ist doch offensichtlich versucht worden, durch Bestechung von aktiven Akteuren Einfluss auf die Spielergebnisse auszuüben. Aber das ist nur Mittel zum Zweck: Ziel ist das große Geld, das hier „lockt“! Dabei tritt der Geldgierige an die Spieler und an – wie hier – (den) Schiedsrichter heran. Tricksereien mit Nachschieben eines richtig getippten Scheins mag im analogen Zeitalter möglich gewesen sein, im elektronischen jedoch nicht – zumindest scheint das für die beschuldigte Mafia zu gelten. Das Ganze hat leicht kabarettistische Züge, wenn jetzt angeblich eine Spur des „Skandals“ nach Bregenz zu einem Verein mit Namen „Casino“ führt!

Viel Geld!

Nun sind die beschuldigten Spieler zwar jung, aber nicht die Ärmsten, so dass ihnen für ihre Mithilfe etwas mehr Taschengeld für eine kleine Nebentätigkeit geboten werden muss: Dem Torwart Koch wurde – nach seinen Angaben – 20 000 Euro geboten. Da er nicht aufgestellt wurde, kam er nicht in Versuchung und konnte – nach seinen Angaben – absagen. Der bekennende Schiri soll 50 000 Euro erhalten haben. Den beschuldigten Drahtziehern hat die ermittelnde Staatsanwaltschaft ca. 2,5 Mio. Euro gepfändet bzw. beschlagnahmt.
Bei den Sportwetten geht es um andere Summen, denn die Sportwetten boomen in Deutschland. Marktführer Oddset setzte 2004 ca. 480 Mio. Euro um. Fachleute schätzen den Gesamtmarkt auf 700 bis 1 000 Mio. Euro. 80% davon beziehen sich auf Fußball. Da ist Kohle zu machen, so dass immer mehr Wettanbieter auf den Markt drängen. Auch den Bundesländern kommt der Boom zu Gute, da sie als Hoheitsträger dieses Genre Geld in ihren Haushalt einfließen lassen.
Wer jetzt glaubt, diese Spielerei der Deutschen könnte erheblich zurückgehen, verkennt deren Anlass: Die materielle Situation hat sich nicht verändert, so dass ein Glückslos oder Glücksschein weiterhin gefragt ist. Das wird die Herrschaften, die für dieses Glücksgefühl verantwortlich sind, beruhigen!
An den Glücksspielen nehmen nicht nur passionierte und süchtig gewordene Menschen teil, sondern auch solche, die das Glücksspiel als – unsichere – Grundlage für die Erlangung materieller bzw. finanzieller Kompensation sehen, um der zeitgemäßen Unsicherheit möglichst zu entgehen. Die große Betroffenheit des Fußballs macht deutlich, dass diese Sportart trotz alledem in Deutschland noch äußerst populär ist und demnach viele „Fachleute“ existieren, die glauben, die glücksspielerische Unsicherheit durch ihr Wissen („Ahnung“) reduzieren zu können.
Aufgeflogene Manipulationen wie der „Wettskandal“ werden irritieren, aber nicht von der Teilnahme daran abhalten. Hinzu kommt, dass so was wie Manipulation zu sehr gesellschaftlicher Alltag ist, wie z.B. die Politikerskandale zeigen.
Es geht hier um – relativ – viel Geld, bei den „Handgesalbten“, den Bestechern und bei den Wettanbietern. Dieser „Skandal“ wird im Sprachrohr der deutschen Bourgeoisie als, wie es scheint, normal angesehen: „Wo investiert wird, wird geschmiert“. Mit diesem Satz zitiert die FAZ die Erfahrung eines Juristen der Anti-Korruptionsabteilung(!) der Frankfurter Staatsanwaltschaft.
Also letztlich doch ein ganz normaler Fall, Herr Zwanziger? Sie haben aber mit der Bezeichnung „Kriminalfall“ insofern Recht, als hier Leute bei ihren unlauteren Machenschaften erwischt wurden.
Wetten, dass der nächste „Skandal“ hier bereits läuft?

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