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Frauen kämpfen für ihre Rechte | Drucken |  E-Mail
Isabel Schneider   
01.03.2005
„Als Frau sollst du immer attraktiv und schön sein, als Frau sollst du immer an andere denken, nur nicht an dich selbst.“ ist einer der vielen Verse und Lieder der neuen Frauenbewegung, einprägsam, treffsicher und im Gegensatz zu manch feministischer Theorie leicht verständlich und deshalb auch politisch wirksam.

„Im Frühling 1972 schlenderte ich müde und erschöpft von einer anstrengenden Beziehung und von einer noch kraftraubenderen Abtreibung unter den Bedingungen der Illegalität durch die Innenstadt. Eine Gruppe von Frauen verteilte dort Flugblätter gegen den §218. Ich ließ mir einen Stoß Flugblättern geben und verteilte sie. So begann eine neue Beziehung, ein neues Leben.“

Selbsterfahrungsgruppen

Wir trafen uns in einer von vielen Selbsterfahrungsgruppen der neuen Frauenbewegung, lernten die andern Frauen und uns selbst kennen, hörten einander zu und erkannten, dass unsere Erfahrungen zwar sehr unterschiedlich, aber doch in unterschiedlicher Weise etwas mit unserer Lage als Frauen zu tun hatte. Es wurde über Abtreibung unter den Bedingungen der Illegalität berichtet und diskutiert, über die verschiedenen und widersprüchlichen Erfahrungen in unsern Herkunftsfamilien, über Beziehungsprobleme und Trennung. Die Anitbabypille wurde zunächst freudig begrüßt. Sie ermöglichte es den Zeitpunkt einer Schwangerschaft selbst zu bestimmen. Sie erwies sich jedoch als zweischneidig, da sie auch die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen erhöhte. Manch eine Frau sorgte sich um den Verlust von Potenz und Libido durch ständige Zufuhr von künstliche Hormonen. Wir ersannen alternative Verhütungsmethoden. Auf diese Weise erblickten dann auch ganz planlos einige Kinder das Licht der Welt.
Wir fassten unsere Erfahrungen zusammen und tippten sie auf Wachsmatritzen. Der KBW stellte uns trotz heftigen Richtungsstreits seine Umdruckmaschine zur Verfügung.
Wir trafen uns am Frauenstand in der Stadt, etwas besorgt, wie denn das Volk die verschrienen Emanzen aufnehmen würde. Aber es ging gut. Besonders Frauen erzählten uns ihre Geschichte und ermutigten uns weiterzumachen und so wandelte sich dann die Selbsterfahrung in eine gesellschaftliche Erfahrung.

Kampf gegen den §218 und das Patriarchat

Frauengruppen organisierten für ungewollt schwangere Frauen Busfahrten nach Holland. In den Niederlanden gab es ein liberaleres Abtreibungsrecht. Als 1975 die Polizei diese Fahrten behinderte, kam es zu Demonstrationen. Sofort ging es um mehr als nur um den §218.
Die Demonstran-tinnen überklebten in Frankfurt unter dem Jubel der Teilnehmerinnen die Straßenschilder, auf denen die führenden Vertreter der patriarchalen Kultur sich verewigt hatten. So hatten wir dann einen Tag lang eine Rosa Luxemburg Straße, eine Clara Zetkin Straße, eine Sackgasse des Patriarchats und einen „Frauen erhebt Euch Turm“. Es entstanden Frauenbuchläden, Frauenarchive, Frauenzentren, Frauencafés, Frauenhäuser, Beratungsstellen für vergewaltigte Frauen oder sexuell missbrauchte Frauen, Selbstverteidigungskurse, Frauenforschung und Frauenliteratur, eine feministische Subkultur.
Bundesweit wurden Kongresse organisiert: „Frauen in Technik und Naturwissenschaften“, „Frauen und Schule“, „Ausländische und deutsche Frauen gemeinsam“. Die lesbischen Frauen organisierten sich im Rahmen der Frauenbewegung. Sie sahen ihre Unterdrückung als Teil der Frauenunterdrückung und Ausdruck der Missachtung der Sexualität von Frauen. Die Losungen und Lieder wendeten sich gegen die durch das Patriarchat hervorgerufenen Entsolidarisierung unter Frauen und gegen ihre Vereinzelung. Um einige zu nennen:
„Wir sind Frauen, wir sind viele“, „Frauen, hört ihr Frauen schrein, lasst die andre nicht allein“, „Frauen gemeinsam sind stark“, „Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine“,
„Eine Ehe ist kein Ersatz, für einen sichren Arbeitsplatz“.

Frauen in den Gewerkschaften

In den gewerkschaftlichen Frauenausschüssen forderten wir Arbeitszeitverkürzung für Männer und Frauen statt Teilzeitarbeit für Frauen, Nachtarbeitsverbot für Männer und Frauen statt der Aufhebung des Nachtarbeitsverbots für Frauen, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Kindergartenplätze, Ganztagsschulen und die ersatzlose Streichung des §218, letzteres gegen den Widerstand einiger Frauen aus der SPD, die für eine Fristenlösung eintraten. Die Veranstaltungen der Frauenbewegung waren so zahlreich und in der Regel gut besucht, dass die Themen nur beispielhaft erwähnt werden können: „Frauen in der Geschichte“, „Gewalt gegen Frauen“, „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“, „Frauensprache - Männersprache“ und vieles mehr.

Erfolge der Frauenbewegung

Alle Parteien, die Gewerkschaften und der Gesetzgeber mussten auf die Frauenbewegung reagieren. Es kam zu günstigeren Regelungen, was den Mutterschutz betraf, Quotierung von Redelisten, Quotierung von Wahllisten, Personalratslisten, Frauenförderpläne und Frauenbeauftragte, hinsichtlich des Bildungsniveaus holten die Frauen die Männer in Riesenschritten ein. Keine Bewegung der Nachkriegsgeschichte hat die Gesellschaft so sehr verändert wie die Frauenbewegung. Alle gesetzliche Regelungen waren jedoch nur so gut, wie es Frauen gab, die ihre Einhaltung durchsetzten. Die Frauenbewegung wurde in die Gesellschaft integriert und damit wurde ihr die Spitze genommen, ohne dass die Frauenunterdrückung beseitigt wäre.

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