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Leo Trotzki:
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Buchbesprechung: Anregung zur Diskussion | Drucken |  E-Mail
Walter, Hagen   
01.05.2005
Der Genosse Manuel Kellner, langjähriges Mitglied der IV. Internationale und exponierter Vertreter der internationalen sozialistischen linken (isl), hat im letzten Jahr ein Buch unter dem Titel „Trotzkismus – Einführung in seine Grundlagen – Fragen nach seiner Zukunft“ veröffentlicht.

 
Der gut gegliederte Text, der in einer für eine Einführung angemessenen Sprache geschrieben ist, wird neben dem Buch unseres französischen Genossen Daniel Bensaid „Was ist Trotzkismus?“ (Neuer ISP-Verlag, 2004) die Diskussion über Trotzki und trotzkistische Positionen im deutschen Sprachraum hoffentlich anregen.
Trotzki und trotzkistische Grundpositionen
Der erste Abschnitt des Buches porträtiert Trotzki als politische Persönlichkeit. Dieser biographische Exkurs kann als Einstieg in die größeren Biographien von Isaac Deutscher und Pierre Broué genutzt werden und selbstverständlich in Trotzkis Autobiographie „Mein Leben“. Die o.g. Bücher sind in einem Literaturverzeichnis gut dokumentiert.
Es folgt eine komprimierte Darstellung trotzkistischer Grundsätze wie sozialistischer (Räte-) Demokratie, Stalinismuskritik, Übergangsforderungen, Internationalismus und Aufbau der Internationale, Einheitsfront und nicht zuletzt permanente Revolution. Auch hier kann auf die ausgewählte Literaturliste zurückgegriffen werden [...].

Die Nachkriegszeitund der Epochenbruch 1989/90

Die folgenden beiden Teile von Manuels Buch schildern die historisch-politischen Entwicklungen von 1945-1989/90 und Analysen und Aktivitäten der IV. Internationale in dieser Periode. Die Spaltungen, Vereinigungen und Wiedervereinigungsversuche, die zahlreichen Debatten und Kontroversen in und um die IV. Internationale und andere trotzkistische Strömungen sprengen fast den Rahmen einer Einleitung. Sie müssen aber geschildert werden, um dem facettenreichen Spektrum des Trotzkismus (=revolutionärer Marxismus) gerecht zu werden. Dem stellt sich mutig der Autor und wir können gewiss sein, dass einzelne Punkte und Ereignisse, vielleicht sogar seine Gesamtdarstellung von vielen nicht geteilt werden, obwohl er um große Sachlichkeit bemüht ist.
Manche dieser Debatten haben bis heute einen exemplarisch-lehrreichen Charakter. Die politischen Nebenkriegsschauplätze und die Fehde um einzelne aus dem Kontext gerissene Trotzkizitate überlassen wir gerne den „Talmudisten der Revolution“ (Ernest Mandel) [...]

Ernest Mandel

Besonders begrüßenswert ist der Exkurs über Ernest Mandel (1923-1995), der als Wirtschaftswissenschaftler internationales Ansehen genoss und über fünf Jahrzehnte das bekannteste Führungsmitglied der IV. Internationale war. Zehn Jahre nach seinem Tod ist es von grundlegender Bedeutung, sich mit seinem Leben und seinem komplexen Beitrag zum zeitgenössischen Marxismus auseinanderzusetzen.
Die Lektüre seiner „Marxistischen Wirtschaftstheorie“, des „Spätkapitalismus“ und seiner letzten großen bürokratiekritischen Arbeit „Macht und Geld“ sind Pflichtlektüre für alle, die ein grundlegendes Verständnis des revolutionären Marxismus erwerben wollen. Wir dürfen auf die in Arbeit befindliche Biographie über Ernest Mandel von Jan-Willem Stutje gespannt sein, die Manuel (S. 172) erwähnt.
Die Zukunft des aktuellen Marxismus
[...] Gewisse Bauchschmerzen bereitet die für unabdingbar erklärte Neuformierung der Linken, die uns seit den siebziger Jahren begleitet. Manuel kann sich nicht vorstellen, dass mensch durch die Gewinnung Einzelner zu handlungsfähigen Parteien kommt. Nach Lage der Dinge strömen aber in absehbarer Zeit keine größeren Gruppen, Tendenzen und Organisationsabspaltungen in die Reihen der RevolutionärInnen. Gerade Einzelne, die in Zeiten der neoliberalen Hochkultur gewonnen werden, können in Zukunft das Rückgrat politisch entwicklungsfähiger Organisationen bilden. Insbesondere Jugendliche und Frauen, häufig Stiefkinder in der Linken, müssen hier gewonnen werden!
Unser vorerst rein propagandistisches Ziel einer sozialistischen ArbeiterInnenpartei und unsere langjährige Perspektive des Aufbaus revolutionärer Massenparteien basiert u.a. hier und heute auf mühseliger Kleinarbeit wie z. B. individuelle Rekrutierung. Die Gewinnung junger Menschen, die bereit sind gegen den kapitalistischen Mainstream zu schwimmen, ermöglicht als wesentliche Bedingung überhaupt erst eine grundlegende Erneuerung der Linken.
Zur Neuformierung der Linken zählt der Autor die Initiative der isl, aufgrund der sich die FreundInnen der Europäischen Antikapitalistischen Linken (EAL) gründeten, um sich auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln. Eine Parallele zu anderen Ländern ist aber eine reine Illusion, denn eine gesellschaftliche Kraft wie unsere Schwesternorganisation LCR in Frankreich, die SWP in England, die SSP in Schottland, der portugiesische Linksblock oder die PCR Italien existiert in Deutschland nicht. Die Größe der Organisationen, die sich hierzulande zur EAL bekennen, und ihre Praxis ist mehr als überschaubar. [...] Der langfristige und vielschichtige Prozess des Aufbaus einer politisch eingreiffähigen Linken, eingebunden in die Dialektik von Kontinuität und Bruch, Schritt für Schritt, kann nicht künstlich verkürzt und durch die Zusammenarbeit kleiner Gruppen substituiert werden.
Voll zustimmen können wir Manuels Aussage, dass „die Verwerfung der Grundannahmen und Grundüberzeugungen der ,Trotzkismus` [...] gleichbedeutend ist mit der Verwerfung entscheidender Bestandteile der ursprünglichen marxistischen, revolutionär-sozialistischen oder kommunistischen Programmatik“.
Bei aller Kritik legen wir unseren LeserInnen die Lektüre dieses informativ-interessanten Buches nahe.

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