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TrotzkistInnen im Widerstand | Drucken |  E-Mail
B.B.   
01.05.2005
Die Linke Opposition der KPD (LO) entstand 1930 aus dem linken Flügel der KPD. Sie versuchte eine Einheitsfront von KPD, SPD und ADGB gegen den Faschismus anzuregen und kämpfte als Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) mit unorthodoxen Mitteln gegen das nationalsozialistische Regime.

 
In der zugespitzten Klassenkampfsituation 1931-33 konnte von den Kleinorganisationen als einzige die Linke Opposition wachsen. Da zählte sie zwar nur 700-800 Mitglieder, verkaufte aber über 85.000 Broschüren (!) Trotzkis für die Einheitsfront von KPD und SPD gegen den Faschismus. Über Fraktionsarbeit in der KPD gelang es ihr exemplarisch, die Einheitsfront in Oranienburg, Erkenschwick, Dinslaken und Bruchsal herzustellen.

Aufwind im Widerstand

Nach der katastrophalen Niederlage der ArbeiterInnenbewegung sank die Zahl der LO-Mitglieder auf 300 ab. Mit Hilfe ihrer ab März 1933 im Exil gedruckten Wochenzeitung Unser Wort konnten die TrotzkistInnen ganze Gruppen für die IKD gewinnen wie z.B. den KPD-Unterbezirk Dessau mit 200 Mitgliedern oder 120 Mitglieder des sozialdemokratischen Reichsbanners in einer anderen Stadt. So wuchs die IKD bis Frühjahr 1934 auf 1.000 Mitglieder. In der Illegalität arbeitete sie eng mit der SAP zusammen. Zum 1. Mai 1935 veröffentlichten beide in Berlin einen gemeinsamen Maiaufruf. Nach dem Scheitern der Vereinigung in einer neuen Internationale, traten einige Gruppen der SAP zur IKD über. Von der Gesamtzahl der 20.000 Aktiven im ArbeiterInnenwiderstand Mitte der 30er Jahre gehörte die Hälfte zu linken Kleinorganisationen wie SAP, KPO, LO, u.a.1. Erschüttern konnten sie die Machtverhältnisse nie.

Welche Widerstandstaktik?

Ab 1934 debattierten die TrotzkistInnen heftig, wie und wo eine Widerstandstätigkeit zu leisten sei. Da die ArbeiterInnenklasse durch den Faschismus atomisiert war, bot sich neben der Tätigkeit in Betrieben die Arbeit in nichtproletarischen Kreisen an, um über die reine Propaganda im kleinsten Zirkel hinaus zu kommen. Die Schicht der Intellektuellen war von der Niederlage wesentlich weniger betroffen als die ArbeiterInnenklasse. Das Kleinbürgertum hatte sogar die soziale Massenbasis des Faschismus gebildet. Evangelische und katholische Kirchen waren legal und wehrten sich gegen den nationalsozialistischen Totalitätsanspruch, was ohne Segen der Kirchenhierarchien vereinzelt zu Streiks, Massendemonstrationen und Straßenschlachten führte. Jüdische BürgerInnen wurden zunehmend entrechtet, verfügten aber bis Ende der 30er Jahre noch über legale jüdische Vereine und Treffpunkte.
Die Mitglieder der IKD gehörten mit zu den ersten, die hier ein neues, halblegales Aktionsfeld für den Kampf um demokratische Forderungen suchten. Sie traten in kirchliche und bürgerlich-jüdische Vereine ein und entfalteten dort eine Widerstandstätigkeit.

Illegale Organisation

Zwar gelang es der Gestapo Ende 1935, die IKD-Bezirke Rhein-Ruhr und Hamburg zu zerschlagen. Aber zunächst bestand die IKD mit noch 150 Kadern als eine der wenigen zentral funktionierenden Organisationen weiter. Mensch war in 3-5er Zellen organisiert, traf sich wöchentlich u.a., um internationale Fragen zu diskutieren. Über die Hauptroute der Dresdener BergsteigerInnen, die wichtigste Nebenroute Amsterdam – Ruhrgebiet und kleine Schleichwege wurde regelmäßig illegales Material ins Deutsche Reich geschmuggelt. Die Kuriere transportierten sogar unter Lebensgefahr die Schriften der KPD, SPD, SAP und KPO – damit sich die Mitglieder in Deutschland mit eigenen Augen ein Bild von den Differenzen anhand der Originaltexte verschaffen konnten! Eine auf Dünndruck hergestellte oder fotographisch verkleinerte Zeitung bzw. Broschüre durfte nur einen Tag in der Hand eines Mitglieds zum Lesen verbleiben, um das Exemplar am nächsten Tag wieder abzuholen, weiterzugeben oder zu verbrennen.
Oberstes rein ausführendes Organ der IKD-Auslandsleitung war in Deutschland die „Exekutive“ in Berlin, die die verschiedenen Bezirke mit Material versah, für den Diskussionsfluss sorgte und Berichte ins Ausland lieferte. Ihre Leitung bestand aus jungen Genossen wie dem Reichskurier Hans Berger, der von Februar 1933 bis zu seiner Verhaftung Ende 1935 im Untergrund tätig und 1937 bei seiner Verurteilung erst einundzwanzig Jahre alt war. Berger wurde zu einer hohen Haftstrafe verurteilt, Anfang der 40er Jahre in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert und dort ermordet.

Die Zerstörungen des Krieges

Bis 1938 waren die meisten Gruppen der IKD in Deutschland zerschlagen worden. Vom Ruhrgebiet hielten vor allem Genossinnen den Kontakt ins Ausland aufrecht. Verfolgte Mitglieder wurden über eine Fluchtroute nach Holland geschafft und dann mit Hilfe falscher Pässe über Belgien bis Frankreich gebracht. In den Gefängnissen, Zuchthäusern und KZs wie Buchenwald und den Moorlagern organisierten sich die TrotzkistInnen in Zellen, wo sie regelmäßig das politische Geschehen diskutierten und neue Mitglieder gewannen. Erst mit dem Krieg zerbrachen fast alle Verbindungen. Viele Genossen wurden zum Militär eingezogen und kamen auf Himmelfahrtskommandos ums Leben. Nach der Zerschlagung der Inlandsorganisation hatten führende IKD-Mitglieder im Exil die These entwickelt, dass die „wichtigsten“ Kader vor dem Nationalsozialismus in die USA gerettet werden müssten – nämlich sie selbst. Nur wenige Mitglieder um Georg Jungclas begannen 1945 mit dem Neuaufbau der deutschen Sektion der IV. Internationalen.

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