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Bernd Brosius:
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ISBN 978-3-89900-122-8
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Zur Erinnerung an Georg Jungclas 1902-1975 | Drucken |  E-Mail
B.B.   
01.07.2005
Vor dreißig Jahren starb Georg Jungclas. Wie niemand anderes verkörperte "Schorsch" die Kontinuität des Linkskommunismus in Deutschland.
Georg Jungclas verließ im Frühjahr ??1933 seine fünfköpfige Familie, um ??auf Beschluss der Hamburger Gruppe der Linken Opposition der KPD (der damaligen TrotzkistInnen) im dänischen Kopenhagen eine Grenzstelle aufzubauen. In seinem Hamburger Zuhause erfolgten drei Hausdurchsuchungen und die vorübergehende Geiselnahme seines Vaters durch die Nazis.
Mit damals dreißig Jahren gehörte Georg Jungclas bereits zu den "älteren" Leitungskadern der Linken Opposition mit langer KPD-Mitgliedschaft wie Anton Grylewicz, Oskar Seipold, Oskar Hippe und Alfred Schöler. Schorsch hatte großen Anteil am Aufbau der Hamburger LO-Gruppe, die 1931 nur fünf Mitglieder zählte, aber bis Anfang 1933 auf über fünfzig Mitglieder anwuchs.
Jungclas fiel auch Trotzki auf, weil es der Gruppe im Hamburger Hafen gelang, das russischsprachige Bulletin der Linken Opposition unter Matrosen der sowjetischen Handelsmarine zu verbreiten. Mit Rudolf Klement gewann Georg einen vielseitigen und begabten Sekretär für Trotzki, korrespondierte aber auch selbst fleißig mit dem Organisator der russischen Revolution.
Widerstandsarbeit
Mit anderen deutschen EmigrantInnen der Kopenhagener Exilgruppe der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) wie Alfred Schöler unterstützte Schorsch die Widerstandsarbeit in Hamburg und Berlin. In Kopenhagen traf er sich mit ihren Kurieren und FunktionärInnen; von hier wurde die Zeitung Unser Wort und anderes Informationsmaterial nach Deutschland geschmuggelt. Das änderte sich mit der weitgehenden Zerschlagung der Hamburger Gruppe im November 1935 und der Berliner Gruppe im Herbst 1936. Parallel zur Unterstützungsarbeit für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus gingen die deutschen TrotzkistInnen in Kopenhagen unter schwierigsten persönlichen und materiellen Bedingungen an den erfolgreichen Aufbau der dänischen Sektion der Vierten Internationale. Während die Leitung der IKD um Johre-Fischer, zu der die Kopenhagener IKD immer in Opposition stand, versuchte, der drohenden Nazibesetzung Europas zu entkommen, blieb Schorsch unter der deutschen Besatzung in Kopenhagen im Widerstand. Allein die Verschmelzung zu einer internationalistischen Gruppe aus Dänen und Deutschen ermöglichte die Widerstandstätigkeit. Georg wurde aber gegen Ende des Krieges verhaftet und in Deutschland zu Zuchthaus verurteilt.
Revolutionäre Kontinuität
Nach dem Krieg setzte Georg Jungclas die revolutionäre politische Arbeit fort. Er verkörperte die Verbindung zur starken linkskommunistischen Tradition der deutschen ArbeiterInnenbewegung, von der sich Zehntausende durch Stalinismus, Niederlagen und Krieg resigniert abgewandt hatten. Schorsch hatte wesentlichen Anteil daran, die Kontinuität des revolutionären Marxismus von 1923 bis zu seinem Lebensende in Deutschland zu wahren. Die Tragik von Schorschs Wirken lag darin, dass es kurz vor Ende seines Lebens zu politischen, organisatorischen und persönlichen Brüchen in der dt. Sektion der Vierten Internationale kam, so dass die damalige Sektion im politischen Aufbruch 1968 und in den 70er Jahren keine prägende Rolle spielen konnte.

Georg Jungclas über den Faschismus
Aus einer unveröffentlichten Mate-??rialsammlung, die Georg Jungclas ??1933 über den Faschismus zusammenstellte:
"Die SA setzte sich vor der Machtergreifung zusammen aus Angestellten und Lumpenproletariat. Diese Schichten stehen unter der Führung ehemaliger Offiziere oder Freikorpsführer. Interessant ist, dass fast sämtliche ehemaligen Führer und Mannschaften der Freiwilligenverbände, die 1918 von der Ebertregierung bewaffnet und organisiert wurden, heute die festesten Kader der Nazi sind. Bei der Mehrzahl dieser SA-Leute hat der Sozialismus ihrer Partei die konkrete Form angenommen, dass sie glauben, dass nach der Machtergreifung für sie ein besseres Leben beginnt.
Das Hauptrekrutierungsfeld der SA ist der verelendete Mittelstand und das Lumpenproletariat. Die Wirtschaftskrise vernichtet tausende kleiner Existenzen. In der Vorkriegszeit war es möglich, diese Existenzen in der Industrie aufzusaugen und ihnen eine neue Lebensgrundlage in der Arbeiterschaft zu geben. Sie wurden denselben sozialen Bedingungen unterworfen (Proletarisierung, Entwicklung des Kollektivgedankens) wie die Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit. Dieser Prozess ist heute nicht mehr möglich. Die Mittelschichten verelenden, ohne dass sie durch ihren Eingang in die moderne Industrie die Ideologie der Arbeiterklasse annehmen. Sie führen zu einem nicht geringen Teil das Leben eines Paupers. Diese verelendeten Schichten suchen die Ursache ihres Unterganges einmal in der Arbeiterschaft (die angeblich zu hohen Löhne und Sozialleistungen, die Entwicklung der Arbeiterkonsum- und Produktionsgenossenschaften); zum anderen in der monopolisierten Wirtschaft (Kartelle, Trusts, Warenhäuser). Daraus erklärt sich der vollkommen antiproletarische, zum anderen aber auch die (scheinbar) antikapitalistische Einstellung. Dieses ist das Wesen der nationalsozialistischen Ideologie. Das Lumpenproletariat, ohne Bindung an Klassen und Stände, erhält heute seinen Zustrom aus den Abfallprodukten aller sozialen Schichten. Es ist seiner Natur nach geneigt, sich für reaktionäre Umtriebe zu verkaufen. Das Lumpenproletariat ist in den Großstädten der Hauptinhalt der Sturmabteilungen gewesen".

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