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Barbara Schulz   
28.12.2016
Frauenkurzmeldungen für den Monat Dezember 2016.

Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien haben die Frauen erneut einen Vorstoß unternommen, um ein Ende des Vormundschaftssystems zu erreichen. Sie haben versucht, eine Petition mit 14700 Unterschriften direkt am Königshof einzureichen. Das wurde allerdings abgelehnt und auf den Postweg verwiesen.

Frauen haben im Wirtschaftsleben Fuß gefasst. Ihre Erwerbsquote ist seit 2010 um 48 Prozent gestiegen und beträgt jetzt 16 Prozent. Auch in Saudi-Arabien wird es immer schwerer, vom eigenen Einkommen zu leben. So erschwert das Vormundschaftssystem auch das Wirtschaftsleben. In vielen Bereichen des Lebens, Reisen oder Erwerbsarbeit, braucht eine Frau einen Vormund, ja selbst bei einer Entlassung aus dem Gefängnis muss sie vom männlichen Vormund abgeholt werden. Auch eine im Erwerbsleben stehende Frau darf nicht selbst Auto fahren, sie braucht also noch eine Person, männlich, zuverlässig, die sie befördert. Die Frauen erkennen nicht nur das wirtschaftliche Problem, sie fühlen sich auch gedemütigt. Eine Journalistin, die verantwortlich für eine Zeitung ist, wie Somoyya Jabarti, spürt diesen Widerspruch besonders.

Vizekronprinz Mohammed bin Salman wird ohne Beteiligung der Frauen seine Reformagenda Vision 2030 nicht durchsetzen können, meint die Frauenrechtlerin Aziza al-Jussef. Und hofft auf Veränderung!

„Kinderehen“ - Geflüchtete


Unter den Geflüchteten, die in letzter Zeit hier ankamen, gibt es eine ganze Reihe von sogenannten Kinderehen. So hat das Oberlandsgericht Bamberg die Ehe einer 14-jährigen Syrerin mit ihrem 21-jährigen Cousin anerkannt und damit syrisches Recht anerkannt. Nun ist es für uns schwer vorstellbar, dass Kinder, d. h. eigentlich Mädchen, verheiratet werden. Ehemündigkeit besteht mit 18 Jahren, in Ausnahmen mit 16, wenn der Partner volljährig ist. Die Umstände einer Flucht aus Syrien etwa können es für ein Mädchen vorteilhaft machen, verheiratet zu sein. Es bekommt damit männlichen Schutz, denn ein gewisser Ehrenkodex erkennt männlichen „Besitz“ an. Ein alleinstehendes Mädchen ist schutzlos.

Wenn die religiöse wie weltliche Verheiratung Minderjähriger wie ge­plant bei uns verboten wird, sollte es zumindest Duldungen geben, immerhin leben gegenwärtig etwa 1500 verheiratete Minderjährige im Land. Warum sollte es nicht möglich sein, junge Verheiratete zu beschulen und zu bilden?

„Kinderehen“ - Türkei

Etwas anderes ist das im türkischen Parlament eingebrachte Gesetz, das vorsieht, dass Männern, die des Missbrauchs von Minderjährigen überführt sind, keine Strafe absitzen müssen, wenn sie das betroffene Kind, sprich Mädchen, heiraten. Diese Idee erscheint mir so männerzentriert, dass ich schon gar nicht mehr nach dem Willen der Missbrauchten fragen mag!

Aber die türkischen Frauen haben sich auf den verschiedensten Ebenen trotz Ausnahmezustand vehement gewehrt und auf der Straße gegen den Gesetzentwurf protestiert. Ihr Slogan lautet: Vergewaltigung kann nicht legalisiert werden! Der Gesetzentwurf wurde zurückgezogen. Erdogan forderte seine Partei AKP auf, sich breitere gesellschaftliche Unterstützung zu suchen. Die Frauen müssen also weiter wachsam sein!

„Kinderehen“ - Malawi

Das Problem der Kinder­ehen existiert auch in Afrika, etwa in Malawi. Dort hat sich Teresa Kachindamoto, genannt The Terminator, energisch gegen Kinderehen eingesetzt und ein Zeichen gesetzt. In Malawi wird jedes zweite Mädchen unter 18 Jahren verheiratet, manche schon mit 12 Jahren. Der Schulbesuch von Mädchen dauert kaum länger als 6 Jahre. Teresa ­Kachindamoto hat erreicht, dass sie als ernanntes traditionelles Oberhaupt im Distrikt Dezda 1500 Kinderehen auflösen konnte. Kinderehen hat sie verboten und sich weitgehend durchgesetzt. Sie argumentiert auch ökonomisch. Ein ausgebildetes Mädchen bringt in der Zukunft mehr Gewinn. So hilft sie gelegentlich beim Schulgeld aus.

Die Unicef-Botschafterin Emma Watson unterstützte sie durch ihren Besuch. Die Regierung des Landes hat jetzt das Heiratsalter mit 18 Jahren gesetzlich festgelegt. Teresa Kachindamoto strebt 21 Jahre an. Kachindamoto bedeutet in der Sprache der Ngoni: „Die mit dem Feuer spielt!“

Ich schreibe diesen Text am 25.11., dem internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.
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