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Barbara Schulz   
01.11.2016
Polen: Mehr als eine Kurzmeldung

Polen hat eines der rigidesten Abtreibungsgesetze in Europa. So gab es 2014 nach offiziellen Angaben 1812 legale Abtreibungen, die nichtstaatliche Föderation für Frauenrechte und Familienplanung geht allerdings von zusätzlich 150 000 illegalen Abbrüchen aus. Dennoch gab es im Sejm eine große Mehrheit für einen Gesetzentwurf des Bürgerkomitees „Stop Abortiji – Stoppt die Abtreibung“, der jeglichen Abbruch strafbar machen wollte. Die katholische Kirche hatte ordentlich Druck ausgeübt, und die regierende PiS – Partei für Recht und Gerechtigkeit – sah sich als Sieger.

Die Antwort der Frauen war der „Schwarze Montag“! Schwarz gekleidete Frauen, vor allem junge, aber auch Männer demonstrierten gegen die Zumutungen. Einige Transparente ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Etwa unter der Abbildung eines sich in einem Uterus ausbreitenden blutroten Rosenkranzes der Slogan: „Keep your rosaries off my ovaries“; übersetzt mit „Lasst meine Eierstöcke mit euren Rosenkränzen in Ruhe“. Der Slogan macht Sinn, wenn mensch bedenkt, dass es Solidaritätsbekundungen in London, Paris, Brüssel, Berlin, Bukarest usw. gab. Der Zorn der polnischen Frauen, die eh schon in ihrer Selbstbestimmung eingeengt sind, wird noch verständlicher, weil der Verfolgungswahn nicht nur Abbrüche mit Gefängnisstrafen belegen wollte, sondern die Zumutung so weit ging, bei Fehlgeburten in einer Befragung die Unschuld nachweisen zu müssen. Hier allerdings zeigte die Kirche Zurückhaltung und wollte in diesen Fällen keine Haftstrafen.

Wucht und Wut dieser Demonstrationen haben Wirkung gezeigt. Die eigentliche Abstimmung im Sejm ergab nun 352 Stimmen gegen und 58 für den Entwurf, den die PiS gerade noch so vehement vertreten hatte. Jaroslaw Kaczinski fürchtet eine Spaltung der Partei. Die Frauen waren von den Äußerungen der Hardliner so entsetzt, dass sie aufmuckten. Wenn den Frauen die Fähigkeit abgesprochen wird, ernsthaft über Fragen wie „Leben und Tod“ zu sprechen, oder der Warschauer Erzbischof meint, der Stress einer Vergewaltigung schütze die Frau vor einer Schwangerschaft, kann frau schon der Zorn packen. Die Frauen haben an Selbstbewusstsein gewonnen, ihre neue Parole soll sein: „Wir sind der Souverän!“

Sie werden allerdings noch manchen Angriff abwehren müssen.

Frankreich

Dass die Rückwärtsgewandten, die Erzkonservativen, auch in anderen Ländern zündeln, zeigt sich am Beispiel Frankreichs, das ein recht freies Abtreibungsrecht hat. Es gilt die Entscheidung der Frau, der Eingriff wird von der Sozialversicherung bezahlt. Aber auch hier wird von Pro-Life versucht, Barrieren zu bauen. So sollte per Gesetz etwa Apothekern erlaubt werden, aus Gewissensgründen die Abgabe der Pille danach zu verweigern. Das sieht wie eine Kleinigkeit aus, ist aber perfide, weil es nur einen engen Zeitraum für die Wirksamkeit gibt. In Frankreich wurden bei etwa 800 000 Geburten 230 000 Abtreibungen gezählt.

Frankreich kann oder will auch sein Anti-Pros­titutionsgesetz nicht richtig umsetzen. Seit einem halben Jahr gilt das „Gesetz zum Kampf gegen das System der Prostitution“. Ertappte Kunden sollen Strafe zahlen, wenn sie sexuelle Dienstleistungen kaufen (wollen). Schätzungsweise 30 000 Prostituierte soll es in Frankreich geben, 249 Freier wurden schon belangt. Allerdings liegen die Bußgelder zwischen 200 und 500 Euro, bis zu 1500 Euro können von „Ersttätern“ erhoben werden. Zudem gilt Diskretion. Das Sexgeschäft boomt derweil im Internet!

Deutschland

Es gibt auch subtilere Methoden, die Integrität von Frauen zu untergraben. So hat sich eine gerade gewählte junge Bezirksverordnete der CDU in Berlin Mitte gegen die „Zuwendung“ der Männer verwahrt. Jenna Behrends wurde vom Vorsitzenden Frank Henkel als „große süße Maus“ bezeichnet, (ihre kleine Tochter ist die „kleine süße Maus“). Jenna Behrends Erfolg lässt sich nur damit erklären, dass sie sich „hochschläft“ – Frage etwa: Fickst du die?

Zugegeben, wie kann eine junge Frau im Internet äußern, dass Politik zu wichtig ist, „um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen“? Lange hin und her. Am Ende kann dahinter nur eine politische Intrige stehen, um den Vorsitzenden Frank Henkel schneller loszuwerden, der will aber eh zurücktreten. Dabei ist das wohl nur der Alltagssexismus!

Und nun noch etwas Positives!

Der Vaclav-Havel-Preis geht an die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad (Foto), eine Jesidin, die den Milizen des IS-Staates entfliehen konnte, nachdem sie von IS-„Kämpfern“ entführt, vergewaltigt und misshandelt worden war. Nadia Murad ist auch „Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel“ bei den Vereinten Nationen. Ermutigung für eine Mutige!

An den deutschen Hochschulen sind Frauen bei den Erstsemestern mit 50,1 Prozent und bei den Studienabschlüssen mit 50,8 Prozent in der Mehrheit. Problematischer ist es bei den Promotionen: 45,5 Prozent, bei den Habilitationen sind es 27,8 Prozent. Selbst die Quote bei den Professuren stieg in den letzten zwei Jahrzehnten von 8 auf 22 Prozent!

Ähnlich ist der Anstieg bei den Führungspositionen an den Forschungseinrichtungen wie etwa der Max-Planck-Gesellschaft von 2,6 auf immerhin 16,7 Prozent. Die „Hälfte des Himmels“ ist das noch nicht.
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