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Vom Hashtag auf die Straße #BlackLivesMatter | Drucken |  E-Mail
Maximilian Sarra   
11.11.2016
Seit rund 50 Jahren ist die Trennung nach Hautfarbe in den USA nun schon illegal und mit Barack Obama hat das Land sogar einen schwarzen Präsidenten. Und doch ist der Kampf für Gleichbehandlung noch nicht vorbei.

Viele bekannte Gesichter aus der Bürgerrechtsbewegung der 1950er Jahre saßen oder sitzen für die Demokratische Partei in Parlamenten. Doch der Schein trügt. Was eine kleine Elite geschafft haben mag, betrifft noch längst nicht alle Schwarzen. Rund ein Viertel lebte 2015 unter der offiziellen Armutsrate – doppelt so viele wie bei den Weißen. Und laut der britischen Zeitung „The Guardian“ töteten Polizist*innen dieses Jahr bis Ende September 33 unbewaffnete Schwarze. Meistens passiert dann nichts, es gilt das Prinzip der Notwehr. Der Zorn über all das ist in der Schwarzen Gemeinschaft in den letzten Jahren gewachsen. Und mit ihm wuchs die Bewegung #BlackLivesMatter.

Deren Anfänge liegen im Juli 2013. Damals sprach eine Geschworenenjury aus Florida den Nachbarschaftswächter George Zimmerman frei. Der mehrfach Vorbestrafte war auf einem Patrouillengang in einen Streit mit dem Jugendlichen Trayvon Martin geraten und hatte den unbewaffneten Schwarzen dabei erschossen. Was genau passiert ist, konnte nie ganz geklärt werden. Der Angeklagte George Zimmermann hatte im Prozess immer sein Recht betont, sich selbstverteidigen zu können. In Florida ist das besonders ausgeprägt. Für viele Aktivist*innen allerdings war der Freispruch ein weiteres Beispiel für eine ungleiche Justiz, in der Schwarze klar benachteiligt werden.

So dachte auch Alicia Garza. Die heute 35-Jährige aus der Nähe von San Francisco arbeitete für eine soziale Organisation, die sich für Niedrigverdiener*innen und deren Familien einsetzt. Auf Facebook schrieb sie eine „Liebesnachricht an die schwarzen Menschen“. Sie sei traurig, dass ein Teil der amerikanischen Gesellschaft den Tod des Schwarzen feiere. An die Schwarzen gerichtet fügte sie hinzu: „Und hört auf zu sagen, dass wir nicht überrascht sind.“

Sie sei jedenfalls darüber erstaunt, wie wenig schwarze Leben zählen würden. Und dass die Menschen akzeptierten, dass unbewaffnete Schwarze ohne Konsequenzen getötet werden können. Die Schwarzen sollten deshalb aktiv werden, sich organisieren und zurückschlagen. Ihre Nachricht endete mit den Worten: „Ich liebe euch. Ich liebe uns. Unsere Leben haben eine Bedeutung, schwarze Leben haben eine Bedeutung“. Black Lives Matter.

Vom Hashtag …

Eine Freundin fügte die Worte wenig später zum Hashtag „#BlackLivesMatter“ zusammen. In sozialen Medien wie Twitter ist es üblich, vor manche Begriffe ein Hashtag, übersetzt Doppelkreuz, zu stellen. Sucht man nach „#BlackLivesMatter“, bekommt man alle Nachrichten angezeigt, die ein Doppelkreuz vor dem Begriff enthalten.

Es verging noch ein Jahr, bis die Bewegung bekannter wurde. Das geschah, als ein Polizist in Ferguson einen schwarzen Kleinkriminellen erschoss. In der Kleinstadt kam es daraufhin zu Aufständen. Aktivist*innen organisierten sogenannte Freiheitsfahrten – „Freedom Rides“ – nach Ferguson. So etwas hatte es zuletzt zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung in den 1960ern gegeben. Aus allen Teilen der Staaten fuhren Aktivist*innen mit Bussen nach Missouri, um auf den Straßen von Ferguson gegen rassistische Polizeigewalt zu protestieren. Und sie wollten mehr, berichtete später Alicia Garza dem Magazin „New Yorker“: „Sie haben uns zu einer Struktur mit Ortsgruppen gedrängt. Sie wollten die Zusammenarbeit fortsetzen und mit Aktivist*innen aus dem ganzen Land verknüpft sein.“

Inzwischen gibt es rund 35 solcher Ortsgruppen von Long Beach über Memphis bis nach Washington D.C. Jede ist unterschiedlich organisiert und kann ihre Aktionsformen frei wählen. Dazu gehören Protestmärsche genauso wie sogenannte „Die-ins“, bei denen sich Aktivist*innen auf Kommando wie tot auf den Boden legen. Jede Ortsgruppe muss sich zu 13 Leitsätzen verpflichten, die sich auf der modernen Internetpräsenz finden. „Wir bekräftigen, dass alle schwarzen Leben eine Bedeutung haben“ kann man da genauso lesen wie ein Bekenntnis zu den „Transbrüdern und -schwestern“. Denn die Bewegung hat ihre inhaltlichen Schwerpunkte inzwischen erweitert. In ihren Leitsätzen bekennen sich die Aktivist*innen auch zu den Rechten der Lohnabhängigen. Und sie engagieren sich gegen Diskriminierung etwa bei Menschen mit unterschiedlichem sozialen und biologischen Geschlecht. Zwei der drei Gründerinnen bezeichnen sich als Queer und eine von ihnen, Alicia Garza, ist mit einem Transmann verheiratet. Alicia Garza will #BlackLivesMatter aber nicht als LGBT-Bewegung verstanden wissen, die nur als Schwarzenbewegung getarnt ist. Dem „New Yorker“ erzählte sie: „Die Wahrheit ist, dass wir das tun, was die Arbeiter*innen-Bewegung immer getan hat – Menschen zu organisieren, die unten stehen.“

… zur vielfältigen Bewegung

Wie bei Occupy lehnen die Aktivist*innen von #BlackLivesMatter Hierarchien ab und auch eine zentralisierte Führung gibt es nicht. Die Bewegung ist vielfältig. Viele wollen von der etablierten Politik nichts wissen und sagten deshalb schon ein Treffen mit Barack Obama ab. Aktivist*innen störten auch zweimal Veranstaltungen des linksliberalen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Alicia Garza sagte dem „New Yorker“ danach, ohne die Protestaktionen hätte Sanders nicht sein Programm für Rassengleichheit veröffentlicht.

Sanders ist inzwischen nicht mehr im Rennen. Und nach Obama wird im Weißen Haus wieder ein*e Weiße*r sitzen. Der Kampf für eine Welt ohne Diskriminierung der Schwarzen ist noch nicht zu Ende. Das ist die Botschaft von #BlackLivesMatter: Dies sei kein Moment, sondern ein „Movement“ – eine Bewegung. „Wir müssen das Hashtag aus den sozialen Medien in die Straßen nehmen.“ Die Forderung, wonach schwarze Leben eine Bedeutung haben sollen, ist ein Schlachtruf für ALLE schwarzen Leben, die nach Befreiung streben!“
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