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Jugendcamp der Vierten: Leider viel zu schnell vorbei | Drucken |  E-Mail
Maximilian Sarra   
28.09.2016
Es war draußen schon dunkel geworden, als wir am 24. Juli endlich im Camp angekommen waren. Wir hatten da schon mehr als einen halben Tag im Auto verbracht, seit wir morgens von Frankfurt aus losgefahren waren. Den grauen Asphalt der Autobahn vor uns. Nur kurz vor dem Ziel war die Fahrbahn zu einer holprigen Straße geworden, die uns von der 2000-Einwohner-Gemeinde Cànoves bis zum Camp gebracht hatte.

Zwei Genoss*innen aus der Schweiz empfingen uns mit ihren Taschenlampen und zeigten uns, wo wir unsere Zelte aufstellen sollten. Sie hatten gerade Wachdienst am Eingang. Das Camp war nämlich auch in seiner 33. Ausgabe selbstorganisiert. Jeder von uns bekam eine Aufgabe zugeteilt. Manche standen für mehrere Stunden an der Campbar und schenkten Limonade oder Calimochos an durs­tige Genoss*innen aus. Ich dagegen war in der Schicht, die die Sanitäranlagen reinigen durfte. Das war wohl das einzige Mal in dieser Woche, dass ich froh darüber war, wie schnell die Zeit im Camp verging.

Rund 400 Aktivist*innen waren dieses Jahr mit dabei. Darunter waren Genoss*innen aus Dänemark, aus der Schweiz und aus Frankreich, die sogar mit eigenen Reisebussen gekommen waren. Andere waren mit der Bahn oder dem Flugzeug angereist, wie die Genoss*innen aus Mexiko, aus den USA und aus Großbritannien.

Organisation im Spanischen Staat

Die Planung für das Camp hatten dieses Mal Aktivist*innen von „Anticapitalistas“ übernommen. Die Genoss*innen der spanischen Sektion der Vierten Internationale arbeiten in „Podemos“ mit und sind dort auch in Führungspositionen vertreten, mehr oder weniger erfolgreich – je nachdem, wen man in der Vierten fragt.

Das Camp lag übrigens im katalanischen Vorküstengebirge. Das ist eine hügelige Landschaft, die immer wieder von kleinen Tälern durchschnitten wird. Die meisten Vorträge und Diskussionsveranstaltungen fanden auf der Kuppe eines Hügels statt. Dort hatten die Gastgeber*innen von „Anticapitalistas“ einen überdachten Versammlungsplatz eingerichtet. Von dem aus schlängelte sich ein schma­ler Pfad in ein kleines Tal hinunter. Dort hatten wir unsere Zelte dicht an dicht aneinandergereiht.

Der Weckdienst morgens war einzigartig. Den hatte ein Esel übernommen, der von einem benachbarten Feld auf uns hinabschaute. Seine laute Stimme schallte durch das ganze Tal. Manche, so wie ich, machte das trotzdem nicht wach. Die lange Nacht in der Campdisco hatte ihre Spuren hinterlassen. Uns weckten gegen halb zehn erbarmungslos die Sonnenstrahlen und sorgten im Zeltinneren schnell für ein wüstenähnliches Klima. Das zwang auch mich mehrmals dazu, schweißgebadet und fluchtartig meine Schlafstätte zu verlassen. Mit bis zu 30 Grad war es draußen nur leider fast genauso heiß.

Aufstehen war aber sowieso besser: Denn jeder Tag hatte ein dichtes Programm mit wechselndem Motto. Am ersten Tag ging es um die Krise des Kapitalismus und deren Auswirkungen auf die Jugend. Die nächsten Tage hatten die Flüchtlingsfrage oder den Ökosozialismus zum Thema.

Freie Zeit

Neben Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen hatten wir zum Glück auch genug Zeit, um uns mit anderen zu unterhalten. Dabei habe ich viel über die Situation in Ländern wie Mexiko oder Portugal gelernt. Besonders interessant fand ich das Treffen mit Aktivist*innen aus der Westsahara. Der Staat hat nicht gerade die vorbildlichsten Nachbarn. Die Machthaber aus Marokko haben das Land kurz nach der spanischen Kolonialherrschaft überfallen und halten seither bis zu 2/3 der Fläche besetzt.

Die Genoss*innen aus der Westsahara waren mit einem eigenen viereckigen 30-Personen-Versammlungszelt zum Camp gekommen. Die hochgeklappten Zeltwände sorgten für eine gute Durchlüftung, das Dach Schutz vor den heißen Strahlen der Mittagssonne. Und drinnen servierten sie in kleinen Glastassen Tee, der eine kleine Schaumkrone hatte, ähnlich wie beim Bier. In dem westafrikanischen Land hält der Schaum den Wüstensand aus dem Getränk fern.

In den Gesprächen mit Aktivist*innen aus den verschiedenen Ländern wurde schnell klar: Viele Kämpfe ähneln sich, ob sie nun in den USA geführt werden oder in Portugal. Die Kämpfe für die Rechte der Frau, die Rechte der LGBTIQ-Gemeinschaften oder für eine ökologische Wirtschaftsordnung sind international. Und um nachhaltig zu sein, müssen wir die bisherigen Machtstrukturen nicht einfach nur reformieren, sondern beseitigen.

Die Zeit ging – wie ich finde – viel zu schnell rum. Und so kam auch schon der letzte Tag, an dem wir zwei Resolutionen verabschiedeten. Wir erklärten uns darin solidarisch mit den Migrant*innen und auch mit der syrischen Bevölkerung. Daneben verurteilten wir die rassistische EU-Flüchtlingspolitik und forderten ein Ende der Polizeigewalt gegen Migrant*innen.

Nachdem wir die Resolutionen verabschiedet hatten, die Internationale gesungen und der rotleuchtende Bengalo abgebrannt war, ging es schon wieder ins Auto zurück in Richtung Deutschland. Ich war traurig, dass die Woche so schnell vorübergegangen war. Durchs Autofenster sah ich die nächtliche Landschaft der Region Montseny ein letztes Mal an uns vorbeiziehen. Ihren Namen hat sie aus dem Lateinischen: „Monte Signus“, was übersetzt „Signalberg“ bedeutet. Das markante Profil des Bergmassivs kann man nämlich von vielen Orten Kataloniens sehen. Wir strengen uns an, dass das bald auch für unseren sozialistischen Kampf gilt. Energie haben wir dafür auf dem Camp jedenfalls schon mal getankt. Die Herrschenden sollten uns nicht unterschätzen.
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