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Ende Gelände: Ziviler Ungehorsam gegen Braunkohle | Drucken |  E-Mail
Edith Bartelmus-Scholich   
01.06.2016
Tausende AktivistInnen legen Tagebau Welzow Süd und Kraftwerk Schwarze Pumpe lahm. Einzelne Aktive sind noch in Haft.

Rund 3500 Menschen haben vom 13. bis zum 15. Mai mit Massenaktionen Zeichen gegen den weiteren Braunkohleabbau in der Lausitz gesetzt. Sie haben dabei keine Menschen gefährdet und keine Kohleinfrastruktur zerstört und entsprachen damit dem Aktionskonsens von Ende Gelände.

Der sofortige Ausstieg aus dem fossilen Brennstoff ist notwendig, um die fortschreitende Erderwärmung und den damit einhergehenden Klimawandel noch begrenzen zu können. Die rot-rote Landesregierung in Brandenburg will jedoch nicht auf die Braunkohleförderung und -verstromung verzichten und die privatwirtschaftliche Betreibergesellschaft rechnet sich nach wie vor Milliardengewinne durch den Abbau aus. Zudem fürchtet die Bevölkerung im Lausitzer Revier bei einem Ausstieg aus der Braunkohle um die verbliebenen Arbeitsplätze, denn der bislang versuchte Strukturwandel hat die Region wirtschaftlich geschwächt. Daher ist der Widerstand gegen die Braunkohleförderung vor Ort nur gering.

Mit einem Klimacamp und Massenaktionen gegen Braunkohleabbau und –verstromung ist es Ende Gelände gelungen, das Thema auf die nationale und internationale Bühne zu heben. Zunächst wurde der Tagebau Welzow Süd gestürmt und anschließend wurden insgesamt fünf Blockaden an unterschiedlichen Stellen des Schienennetzes rund um das Kraftwerk Schwarze Pumpe durchgeführt. Dabei überwanden die Aktiven in Gruppen von mehreren Hundert Menschen jeweils große Entfernungen zu Fuß und verharrten anschließend bis zu zwei Nächten auf den Gleisen oder den Baggern. Infolge der Blockaden standen Bagger und Verladestationen für die Braunkohle bis zu 48 Stunden still. Daraufhin musste der Block A des Kraftwerks vollständig abgeschaltet und die Leistung des Blocks B auf 40 % gedrosselt werden. 16 000 Tonnen CO2 gelangten an diesem Wochenende nicht in die Atmosphäre. Im Zuge der Aktionen drangen ca. 1500 Aktive auch zum Kraftwerk Schwarze Pumpe vor und besetzten dieses.

Zur Unterstützung der Aktionen fand in Welzow eine Demonstration an den Rand des Tagebaus Welzow Süd statt. Über 1 000 Menschen folgten dem Aufruf zahlreicher Organisationen.

Am 15. Mai zogen sich die Aktivist­Innen nach und nach aus dem Kraftwerk und dem Tagebau zurück. Diejenigen, die sich an die Gleise gekettet hatten, wurden von der Polizei geräumt. Währenddessen wurden etwa 120 Menschen in Gewahrsam genommen worden, vier von ihnen befinden sich noch in Haft.

Ende Gelände wertet die Massenaktionen als großen Erfolg und will sich nicht kriminalisieren lassen. „Angesichts der massiven Bedrohung durch den Klimawandel ist unser Widerstand nicht nur legitim, sondern unverzichtbar“, heißt es in der Bilanz der Aktionen.
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