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Die Idee Israel | Drucken |  E-Mail
Walter Wiese   
12.05.2016
Die „Idee Israel“ heißt so viel wie „Wie will Israel gesehen werden“, im In- und Ausland? Ilan Pappe, der Autor dieses Buches setzt bereits auf dem Buchdeckel diese Idee mit den Mythen des Zionismus in einen Zusammenhang.

Die Herrschenden und ihre Geschäftsstelle, die Regierung – oder besser: die herrschende bürgerliche Klasse, zugleich herrschende geistige Macht – sehen sich zuständig und genötigt, etwas für ihre und des Staates Israel Existenzberechtigung zu tun. Dabei greifen sie auf den Zionismus zurück, die Ideologie der jüdischen Siedler-Bewegung und spätere Staatsdoktrin Israels.

Kolonisierungsbeginn


Vor etwa 1900 Jahren sind die Juden aus ihrem Heimatland, dem heutigen Palästina, von den Römern vertrieben worden. Sie flohen in die Diaspora, d. h. in verschiedene Länder auf verschiedenen Kontinenten und bildeten dort eine religiöse und ethnische Minderheit.

Herzl, der Ideologe des Zionismus, spricht in seinem Werk „Der Judenstaat“ von Palästina als „unsere unvergessliche historische Heimat“ und leitet durch Rückgriff auf den Mythos des israelischen Volkes mit seinen Helden und seinem Gott eine vermeintliche Berechtigung ab. Dabei bedient er die westlichen kolonialistischen Ansprüche der damaligen Zeit entsprechend.

Ging es bei der jüdisch-zionistischen Siedlerbewegung zunächst um einen vermeintlichen Anspruch auf das Land (damals gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch zum Osmanischen Reich gehörend und nach dessen Zusammenbruch britisches Mandatsgebiet), so galt es nach der Staatsgründung Israels 1948, sich als westliches Land und „einzige Demokratie im Nahen Osten“ darzustellen, inmitten feindlicher, weniger entwickelter und weniger „zivilisierter“ arabischer Staaten. Die Enteignung der indigenen Bevölkerung wurde gerechtfertigt sowie jede Form des Kampfes gegen sie, weil diese die Juden „ihres Geburtsrechts berauben wollten“. Der bis heute anhaltende siedlerkolonialistische Konflikt kennzeichnet die Situation in Palästina/Israel, was aber bedeutet, dass das verheißene Land entgegen der zionistischen Propaganda nicht unbewohnt war. Das wussten bereits die Zionisten der ersten Stunde auch. Aber das waren für sie nur praktische, keine moralischen Probleme.

Zudem sieht Israel sich als das Land aller Juden, das die Holocaust-Überlebenden aufgenommen hat.

Kritik des Zionismus

Die Wahrnehmung des Widerspruchs zwischen dem Selbstanspruch des Staates Israel und der Realität bewirkte kritische Fragen und führte zu vom herrschenden Narrativ abweichenden Antworten, denen sich einige Journalisten, Künstler und Wissenschaftler nach dem 1967er Krieg stellten: „Neubewertung der Vergangenheit, um die Gegenwart zu verstehen“.

Die relativ spät von diesem Suchen erfassten akademischen Wissenschaftler­Innen erkannten ihre eigene Rolle in der Geschichtsschreibung im Auftrag des Staates, die sie jetzt beunruhigte. Die Öffnung jahrelang unzugänglicher Archive, v.a. des Militärs, und ihre Bewertung ließen viele Historiker Position zugunsten ‘der Kolonisierten, Besetzten und Unterdrückten’ einnehmen.

Ihre Arbeit galt jetzt der Suche nach einer Alternative zum Zionismus. Das hieß zugleich, „die allgemein akzeptierte zionistische Interpretation der dem Staat Israel zugrunde liegenden Idee“ anzugreifen.

Kritisiert wurde der Zionismus in seiner Ablehnung alles Arabischen: sowohl der PalästinenserInnen, die auf „jüdischem Land“ lebten, die Kultur der jüdischen AraberInnen (Mizrachim), insbesondere aus den arabischen Nachbarländern, die zur Anpassung an die europäischen Kultur der osteuropäischen Juden (Aschkenasen) über ein Modernisierungsprogramm (von der Tradition zur Modernität), orientiert an den Ansprüchen einer westlichen Kultur, gezwungen wurden. Die Gleichheit aller Bürger Israels stand (und steht auch noch heute) nur auf dem Papier: Die israelischen Araber werden diskriminiert. Die Vertreibung der Palästinenser konnte nicht mehr als „freiwillige“ Flucht bezeichnet werden. Stattdessen wurde die ethnische Säuberung Palästinas deutlich. Die Mär vom Kampf David (Israel) gegen Goliath (die arabischen Armeen im Krieg 1948) wich der Realität: Die israelische Armee hatte schon früh ihre zahlenmäßige und technische Überlegenheit erkannt.

Rückschlag

Eine solche Darstellung störte die Herrschenden. Sie mobilisierten erfolgreich mit ihrer ganzen Macht incl. Denunziation gegen deren Urheber und Verbreiter. Sie bestanden darauf, dass Forschung, Lehre und Wertungen mit dem zionistischen Gründungsmythos zusammenpassen müssen, in Kongruenz mit der „Idee Israel“: der moderne, sich an Westeuropa orientierende bürgerliche Staat, die einzige Demokratie etc.

Mit großem Aufwand finanzieller und organisatorischer Art wurde jetzt intern und extern am „Brand Israel“ gearbeitet. Im Bereich des Waffengeschäfts bewirbt z. B. jetzt die „Marke Israel“: „In der Praxis getestet und bewährt“. Israels Generalkonsul in New York hat die Aufgabe, Verbindungen an der Basis zu pflegen und (US-) Amerikas Augen für Israels Kultur und Industrien zu öffnen.

Israel schuf sich ein modifiziertes zionistisches Bild und bereitete den „postzionistischen“ Kritikern große Probleme. Es musste zwar erkennen, dass sein Narrativ von intellektueller Seite nicht unangreifbar war. Auf der anderen Seite registriert Pappe die Niederlage der Postzionisten: „Am Ende erwies sich die Idee als mächtiger als ihre Herausforderer“.

Das Buch ist interessant für all diejenigen, die sich für den gesellschaftlichen Zustand Israels und seines Überbaus interessieren, auch wenn Pappe sich wesentlich auf den akademischen Bereich beschränkt. Er liefert das Bild von einem Israel im Inneren, das wir täglich von außen sehen. Zwischen beiden herrscht kein Widerspruch, sondern entsprechende Übereinstimmung.

Um israelische Politik besser zu verstehen (nicht zu akzeptieren), ist das Kennen der Staatsideologie Israels und ihre Bedeutung wichtig. Das Buch hält uns auf dem Laufenden. Und: Wir stellen fest, dass in Israel/Palästina ein Frieden noch nicht sichtbar ist.

TiPP
Ilan Pappe / Die Idee Israel – Mythen des Zionismus;
LAIKAtheorie 2015; 21 €

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