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NSU: Rätselhaftes Zeugensterben setzt sich fort | Drucken |  E-Mail
Heinz Jandl   
11.03.2016
Am 8. Februar 2016 wurde der 31-jährige Sascha W. aus Kraichtal in Baden-Württemberg tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Bekannt gemacht wurde dies durch den Journalisten Th. Moser, der sich intensiv um den letzten Mord der NSU-Mordserie kümmert. Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter passt nicht in das rassistische Opferschema der faschistischen Terrorgruppe.

Sascha W. starb in derselben Wohnung, in der er fast ein Jahr zuvor seine 20jährige Freundin Melisa sterbend vorgefunden hatte. Es ist bislang völlig unklar, ob und was Melisa M. und Sascha W. über den Mord an Kiesewetter wussten.

Melisa M. war am 2. März 2015 von den Abgeordneten des NSU-Ausschusses in Stuttgart befragt worden – und zwar in nicht-öffentlicher Sitzung, weil sie sich bedroht fühlte. Daher wurde sie sogar im Dienstwagen des Ausschussvorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) von ihrem Wohnort Kraichgau nach Stuttgart gefahren. Melisa M. war nach offizieller Aussage an einer Lungenembolie verstorben. Die Lungenembolie soll durch „mehrere Blutgerinnsel“ verur­sacht worden sein. Diese wiederum sollen sich als Folge einer leichten Prellung am Knie nach einem leichten Motorradunfall vier Tage vor Melisas Tod gebildet haben – obwohl sie sofort die Krankenhaus-Ambulanz und anschließend auch ihren Hausarzt konsultiert hatte, um genau das zu vermeiden.

Melisa war vor den Untersuchungsausschuss geladen, weil sie kurzzeitig die Freundin von Florian Heilig war. Der 21-jährige Nazi-Aussteiger Heilig hatte bereits vor dem Auffliegen des NSU behauptet, er wisse, wer die Polizistin Kiesewetter in Heilbronn erschossen habe. Es seien eben nicht die beiden Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gewesen.

Der 21-jährige Aussteiger Heilig wurde vom LKA einmal vernommen und hatte einen zweiten Vernehmungstermin. Acht Stunden vor seiner geplanten zweiten Vernehmung verbrannte der 21-Jährige am 16. September 2013 qualvoll in seinem Auto.

Die Behörden hatten schon wenige Stunden später behauptet, es handle sich um Suizid, ein Fremdverschulden sei auszuschließen. Als Motiv nannten sie zuerst Frust wegen schlechter Noten und dann später Liebeskummer. Seltsamerweise vernahmen sie jedoch nicht Melisa: die angebliche Ursache für diesen Liebeskummer.

Bis heute lehnt die Familie Heilig insgesamt vehement die Selbstmordthese der Behörden ab, was aber ebenfalls zu keiner Vernehmung veranlasste. Eine Spurensicherung am Tatort fand faktisch nicht statt. Als Ermittler zur Todesursache Heiligs wurde von der Stuttgarter Polizei zudem ein Beamter eingesetzt, der beim Ku Klux Clan organisiert war.  

Es bleibt die Frage, was diese drei nun toten jungen Menschen über den Mord an der Polizistin wussten und ob dieses Wissen zu ihrem Lebensende beitrug. Wäre vielleicht die offizielle Darstellung von der kleinen Minigruppe faschistischen Terrors in Deutschland ins Wanken geraten?

Die Staatsanwaltschaft erklärte, man gehe bei dem jüngtsen Todesfall von Sascha von einem Suizid aus, es gebe auch eine elektronisch verschickte Abschiedsnachricht. Sie machte jedoch keine weiteren Angaben zum Todesfall „weder über den Inhalt der Abschiedsnachricht noch über den Adressaten, weder über die Art des Suizids noch über weitere Ergebnisse aus der Obduktion“, schreibt Moser. „Auch nicht darüber, wer den Toten gefunden hat.“ So bleibt wohl auch die Frage im Dunkeln, woher die Staatsanwaltschaft denn wusste, dass Sascha W. eine elektronische Abschiedsnachricht persönlich verschickt hatte.

Ein weiterer Zeuge besaß Hintergrundwissen zum Mord an der Polizistin: „Corelli“, der 39-jährige Thomas Richter war bis 2012 V-Mann des Bundesamtes für Verfassungsschutz und lebte in einem Zeugenschutzprogramm. Er war unter anderem Gründungsmitglied des Ku-Klux-Klans in Baden-Württemberg. Obwohl in einem Zeugenschutzprogramm mit neuer Identität wurde der 39-jährige Thomas Richter alias „Corelli“ im April 2014 tot in seiner Wohnung aufgefunden. Als offizielle Todesursache wurde ein Zuckerschock angegeben, ausgelöst durch eine bisher nicht entdeckte Diabetes-Erkrankung.

Auch der ungeklärte Tod des 18-jährigen Arthur Christ gehört wahrscheinlich zum NSU-Komplex. Seine verbrannte Leiche wurde im Januar 2009 neben seinem Auto auf einem Waldparkplatz nördlich von Heilbronn gefunden. Laut Moser taucht sein Name in den Ermittlungsakten der „Sonderkommission Parkplatz“ zum Mord an der Polizistin Kiesewetter auf. Er soll Ähnlichkeit mit einem der Fahndungs-Phantombilder haben.

Gesichert ist jedenfalls, dass nach dem Auffliegen des NSU reihenweise Akten in den Behörden vernichtet wurden. Weitere wichtige existierende Akten werden nach wie vor geheim gehalten und sind den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen nicht zugänglich.

 Es mehren sich Zweifel daran, ob sich Mundlos und Böhnhardt tatsächlich, wie die offizielle Version lautet, selbst umgebracht haben. Auch die Behauptuung, dass nur die drei auf eigene Faust gehandelt hätten, wird immer unwahrscheinlicher.

Dass nun aktuell wieder ein mysteriöser Todesfall rund um die Ermittlungen zum Mord an Kiesewetter zu vermelden ist, vergrößert das Misstrauen in die Staatsorgane.
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