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Frauen in der rechtsextremen Szene | Drucken |  E-Mail
Elena Schneider   
28.03.2016
Frauen machten bisher nur einen relativ kleinen Teil der rechtsextremen Szene aus. Auch in der NPD stellen sie nur ein Fünftel der Mitglieder und einen sehr kleinen Teil der FunktionärInnen.

In der Männerwelt des Rechtsextremismus galten sie lange Zeit als Risiko, weil die Beziehung zu Frauen, die nicht in eine rechtsextreme Partei oder eine entsprechende Gruppe eingebunden waren, häufig der Grund für junge Mitläufer war, sich wieder aus der Szene zu lösen. Um dem entgegenzuwirken, wurden sie stärker in Strukturen integriert, während ihre eigentliche Rolle hauptsächlich als Helferin und Mutter definiert war – um die völkischen Ziele der Bewegung zu erreichen. Von den Parteimitgliedern sind lediglich bis zu 20 Prozent weiblich.

Doch inzwischen wächst ihre Zahl kontinuierlich und das Frauenbild hat sich etwas geändert: Mit dem 2006 gegründeten Ring Nationaler Frauen (RNF) besitzt die NPD eine eigene Frauenorganisation. In der Gründungserklärung heißt es: „Wir wollen die Frauen ermutigen, durch Übernahme von Mandaten das Medienklischee des 'dumpfen Nazis' weiter aufzuweichen.“ Eine erfolgreiche Strategie, da es Frauen in ihrer Umgebung gelingt, beim Einkaufen, bei der Kinderbetreuung etc. gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen und ihre Ideologie zu verbreiten Wenn rechtsextremistische Frauen gegen Hartz IV demonstrieren, sich in Elterninitiativen engagieren oder Hausaufgabenhilfe anbieten, können sie sich vor allem in ländlichen Regionen erfolgreich als zivilgesellschaftliche Aktivistinnen in Szene setzen. Dort spielt der persönliche Kontakt und das Zusammengehörigkeitsgefühl eine große Rolle.

Der RNF pflegt eine Website, nimmt zu tagesaktuellen Themen Stellung, will Frauen in Parlamente bringen und versucht, sie dafür fit zu machen. Zwar wird die Mutterrolle weiter hochgehalten, daneben gehen diese Frauen aber auch in einen Bereich, der bisher männlich besetzt ist, und sagen: „Wir wollen mitgestalten“. Auf dieser Homepage verkündete der RNF, man werde das „Geschehen an der Parteispitze“ mitgestalten: „traditionsbewusst und volkstreu“.

Trotzdem stehen Geschlechtertheorien oder -ideologien für die meisten Rechtsextremistinnen nicht im Vordergrund ihrer politischen Orientierung. Vielmehr sind für die meisten „Volksgemeinschaft“, „Rasse“ und „Nation“ die wichtigsten Bezugsgrößen. Die Frauen im GdF (Gemeinschaft deutscher Frauen, eine parteiunabhängige, aber NPD-nahe Frauenorganisation mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern, 2001 von ehemaligen Mitgliedern des „Skingirl Freundeskreis Deutschland“ gegründet) verfolgen eine andere Strategie: Neben der Mutterschaft spielt die Weitergabe der „germanischen Kultur“ eine wichtige Rolle.

Die GdF gibt eine Zeitschrift namens „Zwergenpost“ heraus, in der „arteigene“ Bräuche gepflegt werden, sie richtet Sonnenwendfeiern aus und propagiert altgermanische Monats- und Kindernamen. Sie halten regelmäßig Veranstaltungen und Diskussionen zum Bereich Familie, Brauchtum, Gesundheit, Natur und Kultur ab. Diese Ideologie ermög­licht es ihnen, sich einen exklusiven Platz, eine originäre Rolle zuzuweisen – nämlich Nachwuchs zu gebären und zu erziehen und dadurch unersetzlich zu sein für den „Fortbestand des deutschen Volkes“. Rechtsextreme Frauen können sich sozusagen als „Hüterinnen der deutschen Volksgemeinschaft“ fühlen.

Neues rechtes Frauenbild

Emanzipierte und selbstbewusste Frauen haben es in der Vergangenheit bei NPD & Co. nicht lange ausgehalten. Das liegt einerseits daran, dass die Szene seit jeher sehr männlich geprägt ist – deshalb fühlen sich auch eher Männer davon angezogen. Andererseits gibt es inhaltliche Gründe: In der extrem rechten Ideologie geht es viel um Stärke, Macht, Herrschaft und Dominanzstreben – alles Punkte, die den traditionellen Männerbildern entsprechen. Und weil viele Jungen und Männer auch heute noch eher traditionell sozialisiert werden, sind sie – bewusst oder unbewusst – wohl empfänglicher für solche Ideologieangebote als Frauen.

Anderseits gibt es auch die Autonomen Nationalisten, die ein modernisiertes Frauenbild pflegen – zum Beispiel durch ihre Selbstdarstellung. Ihre Werbemittel zeigen junge und coole Frauen. Das aber ist nur Fassade, denn das tatsächliche Geschlechterverhalten ist ein anderes: Dieser politische Aktivismus wird zwar als eine vorläufige Lebensphase akzeptiert, aber nach ein paar Jahren bekommen die jungen Frauen zu hören, dass es jetzt mal langsam Zeit werde, Kinder zu bekommen und eine gute Mutter zu sein. Eine der Aufgaben besteht darin, für eine reibungslose Organisation zu sorgen.

Im Vorstand der NPD jedoch spielen Frauen immer noch eine kleine Rolle. Lediglich in der Kommunalpolitik gewinnen sie mehr Einfluss. Es hat sich gezeigt, dass vor allem in den neuen Bundesländern mehr Mandate von Frauen besetzt sind. Auswertungen von Wahlergebnissen zeigen, dass sie bei Wahlen oft erfolgreicher als Männer sind, daher werden sie inzwischen bewusst als Blickfang eingesetzt.

Frauen werden vorgeschickt

Eben weil Frauen unauffälliger auftreten, können sie eher Räume für Versammlungen und Konzerte mieten, Konten und Postfachadressen eröffnen, rechte Waren bei eBay verkaufen oder Aufmärsche anmelden. Sie unterstützen inhaftierte Mitstreiter, laufen bei Demonstrationen und Aufmärschen mit oder engagieren sich beim „Braunen Kreuz“, dem „nationalen Sanitätsdienst“ der rechten Szene. Auch die Bespitzelung der linken Szene gehört dazu, denn den meisten sieht man ihre Gesinnung nicht an.

Die Anziehungskraft für die rechte Szene hängt auch von der jeweiligen Subkultur ab: Ist sie attraktiv für junge Mädchen und Frauen, steigt die Bereitschaft sich zu engagieren. Dabei spielt die Möglichkeit, sich modisch zu kleiden, eine große Rolle. Das heutige Nazi-Outfit als Lockmittel spielt dabei eine wichtige Rolle. Inzwischen hat jeder Neonazi-Versandhandel Produkte für Frauen und Kinder im Sortiment: T-Shirts mit dem Aufdruck „Stolze Wotans Tochter“, Unterwäsche mit der Code-Zahl „88“ sowie Kinder-Shirts mit der Aufschrift: „kleiner Germane“.

Die zentrale Frage ist: Mit welchen Mitteln kann man dieser Entwicklung entgegentreten?

Solange nicht auch das Thema Gleichberechtigung zur politischen zentralen Frage wird, bleibt es schwer, die Unterwanderungsstrategien von Nazis zu erkennen und zu unterbinden. Außerdem gäbe es eine ganze Reihe praktischer Maßnahmen, die es weiblichen Nazis erschweren würden, in öffentliche Räume vorzudringen; sie reichen von einer nach Geschlecht differenzierten Statistik rechter Gewalt bis zu unterstützenden Maßnahmen für Kindertagesstätten und soziale Einrichtungen, die in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremen bisher weitgehend allein gelassen werden.
 
Auch innerhalb der demokratischen Zivilgesellschaft muss sich noch einiges bewegen. Erst wenn gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe von weiblich sozialisierten Personen als solche selbstverständlich ist, werden rechtsextreme Identitätsangebote für Mädchen und Frauen wirklich uninteressant.
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