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Fremdenfeindlichkeit und Rassismus | Drucken |  E-Mail
H.-U. Hill   
01.03.2016
In der Naturwissenschaftlichen Rundschau Nr. 68 (12), 2015, setzt sich der Autor Franz Wuketits angesichts der großen Flüchtlingszahlen mit den biologischen Grundlagen und Bezügen von Fremdenfeindlichkeit (Xenophobie) auseinander. Hier eine Zusammenfassung.

Auch in der modernen biologischen Anthropologie sei die Lehre von der Xenophobie als natürliches angeborenes Verhaltensmerkmal verbreitet und hochgehalten. Damit könne Rassismus als natürliches Verhalten begründet werden. Beim Menschen löse nämlich alles Fremde und Unbekannte Skepsis und Angst aus, weil das Sicherheitsempfinden gestört werde. Revierverteidigung sei eine angeborene Verhaltensdisposition. Die Verteidigung des eigenen Territoriums diene der Sicherung von Ressourcen und damit letztlich dem genetischen Überleben. „Territorialität“ als Beanspruchung von Jagdgründen sei schon bei den Vorfahren des Menschen ausgeprägt gewesen.

Im weiteren Verlauf habe der Mensch „Platzgewohnheiten“ von zunächst Kleingruppen entwickelt, d. h., Gruppen von etwa 20 bis 50 Individuen bildeten Zweckgemeinschaften, um sich bei der Nahrungssuche und Revierverteidigung zu helfen. So entstand das „Wir-Gefühl“ als Basis des späteren „Ethnozentrismus“, bei dem die eigene Gruppe bezüglich ihrer Eigenschaften und Kultur gegen konkurrierende Gruppen abgegrenzt wird. Der Ethnozentrismus wird als „anthropologische Universalie“, also als eine biologische Grundeigenschaft des Menschen gesehen, mit dem auch Kriege gerechtfertigt werden. Kooperation und gegenseitige Hilfe gelten nur noch für die eigene Gruppe, aber nicht für die Begegnung mit fremden Gruppen oder Individuen. Rücksichtslosigkeit wird dann zu einer „geschützten Strategie“.

Es gibt eine blutige Eroberungsgeschichte. Blutige Stammeskriege habe es schon immer gegeben und seien für alle Völker nachgewiesen. Gewalt sei eine anthropologische Konstante, weil sie auf einer wegen Angst vor Fremden beruhenden Feindseligkeit beruhe. Religiöse oder politische Ideologien verstärken entscheidend die kollektive Gewaltanwendung. Missstände werden auf Fremde projiziert, für die eigene unbefriedigende Situation wird die Schuld der Fremden verantwortlich gemacht. Im 3. Reich waren es die Juden. Xenophobie, zur Fremdenfeindlichkeit gesteigert, kann Genozid und Völkermord auslösen.

Da Xenophobie sich seit 2015 angesichts der Flüchtlingskrise in vielen Ländern wieder ausbreitet, rücken das Ideal einer weltweiten Solidargemeinschaft und „sozialromantische Vorstellungen“ in weite Ferne. Da Kulturen mit ihren jeweiligen Eigenarten historisch gewachsen sind, könne eine „wechselseitige Zwangsassimilierung“, sprich Integration der Flüchtlinge, nicht funktionieren, sie widerspreche der anthropologischen Erwartung und einem „uralten stammesgeschichtlichen Schutzmechanismus“. Durch Bildung könnten die Auswüchse des Fremdenhasses gelegentlich verhindert werden, ohne Garantie, dass das gelänge.

Kommentar: Bewusst oder unbewusst rechtfertigt der Autor Wuketits mit wissenschaftlichem Anspruch (!) die Auswüchse des Rassismus seit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise in Deutschland. Er reiht sich damit ein in den aktuellen Trend, fremdenfeindliche Tendenzen nicht nur zu rechtfertigen, sondern auch zu fördern. Der Mensch wird in die Rolle eines revierverteidigenden Tiers zurückgestuft, gegen dessen xenophobes Verhalten man wegen angeblicher anthropologischer Gesetzmäßigkeit nichts ausrichten könne. Sein abschließender Appell, durch „verbale Kommunikation“ die kulturellen Unterschiede, hier zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, zu „thematisieren“ und dadurch Gewalt zu verhindern, wirken angesichts des gesamten Inhalts der Darstellung von Xenophobie wie ein hilfloses Alibi von jemand, der seinen Status als friedlicher Mitbürger behalten will.

(Wuketits, F. M.: Stichwort Xenophobie. Natur­wissenschaftliche Rundschau 68 (12), 2015, 701-702).
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