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„9 Monate Streik bei Neupack“ | Drucken |  E-Mail
R. J.   
11.02.2015
Zunächst werden die Bedingungen bei Neupack dargestellt und was Gegenstand der Auseinandersetzungen war:

Die Familie Krüger, Eigentümerin von Neupack, wollte alleine und nach dem „Nasenprinzip“ bestimmen, wer für welche Arbeit welche Entlohnung bekommt. Die Unzufriedenheit der Beschäftigten mit dieser Situation führte, nachdem Verhandlungen gescheitert waren, zu dem Entschluss, ihre Forderung nach einem Haustarifvertrag durch Streik durchzusetzen.

Der Beginn des Streiks wird beschrieben. Dieser wurde von Anfang an durch die Gewerkschaft IG BCE unterstützt und organisiert. Der entstandene Solidaritätskreis wurde von den Hauptamtlichen der Gewerkschaft als Konkurrenz gesehen und nicht als Verstärkung, da das Interesse der IGBCE doch eher bei einer „ordnungsgemäßen“ Sozialpartnerschaft lag.

Der Betriebsratsvorsitzende Murat Günes bekam im Verlauf des Streiks etliche fristlose Kündigungen und eine Anzeige wegen Körperverletzung. Alles wurde später von Gerichten abgewiesen.
Die Streikbrecher wurden legalisiert und die Streikposten reduziert. Weiterhin setzte die IG BCE auf Sozialpartnerschaft. Am 24. Januar 2013 versuchte die Gewerkschaft eine so genannte Deeskalation, indem Streikende wieder zurück in den Betrieb geschickt wurden, mit der Begründung, das Unternehmen nicht ruinieren zu wollen. Von da an wurde mit einem „Flexistreik“ unter Führung der IG BCE versucht, weiter den Druck auf die Eigentümer zu erhöhen. Dieser wurde jedoch von vielen Arbeiter­Innen als „Flexi-Verarsche“ bezeichnet, da die IG BCE Streiktermine zum Teil vorher dem Unternehmen mitteilte.

Das Fazit des Solikreises fällt negativ aus: „Der Klassenkampf der Krügers hat die Sozialpartnerschaft der IG-BCE-Führung klar geschlagen“. Dabei sagte Günes noch, als die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen mussten: „Wir haben die letzten 85 Tage gezeigt, dass die wahre Macht nicht bei den Kapitalisten, sondern bei den Arbeitern liegt.“

Die Arbeiter­Innen bei Neupack waren so mutig, für die Anwendung des Tarifvertrags in den Streik zu ziehen. Die Schwierigkeiten und Probleme, die ein solch langer Arbeitskampf mit sich bringt, sind in dieser Dokumentation gut beschrieben, aber auch die Probleme der IG BCE, klassenkämpferisch zu agieren. Das Buch beschreibt chronologisch und gut nachvollziehbar den gesamten Verlauf dieses außergewöhnlichen Arbeitskampfes, und die Autor­Innen, die als Mitglieder des Solikreises selbst eine aktive Rolle darin übernommen hatten, bewerten ihn aus ihrer Sicht. Dieses Anliegen verfolgte auch Harald Humburg mit seinem Artikel, der in Avanti 213 bis 216 (September bis Dezember 2013) erschien. Es ist interessant, die unterschiedlichen Sichtweisen miteinander zu vergleichen.

TiPP
9 Monate Streik bei Neupack
Die Buchmacherei, Berlin, 2014
184 Seiten, 10 Euro
www.neupack-film.de
http://solikreis.blogsport.de

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