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Ernest Mandel:
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238 Seiten, 10,00 €
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Kapitalismus statt Gesundheit? | Drucken |  E-Mail
H.N.   
02.02.2015
Nach der Begrüßung durch den Veranstalter RSB Rhein-Neckar folgte eine kurze Vorstellungsrunde der Teilnehmer­Innen. Schon zu Beginn des Treffens zeigte sich hier sowohl die große Bedeutung, die dem Thema beizumessen ist, als auch die starke persönliche Betroffenheit aus Erfahrungen mit arbeitsbedingten Erkrankungen.

Widersprüche des Gesundheitswesens


In einer grundlegenden Einführung zu „Kapitalismus, Arbeit und Gesundheit“ skizzierte ein Genosse aus dem Gesundheitswesen wesentliche Widersprüche zwischen Ausbeutung und Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Er kritisierte auch fundiert die Mängel des kapitalistischen Gesundheitssystems.

Dort gebe es vorwiegend Verhaltensprävention, keine Verhältnisprävention. Da Verhalten etwas sei, was jemand (zumindest vordergründig betrachtet) steuern kann, sei der Schritt von da zur persönlichen Schuldzuweisung an Kranke nicht weit.

In allen Auseinandersetzungen mit dem Kapital könnten wir Gesundheit gemäß dem Motto thematisieren: „Kapitalismus schadet Ihrer Gesundheit und kann tödlich sein“. Wer arm ist, sterbe in der Regel früher. An uns, so das Fazit, liege es, Kämpfe für bessere Arbeits- und Gesundheitsbedingungen so zu führen, dass sie eine gesellschaftskritische Dynamik entwickeln können.

Skandal bei den Berufskrankheiten


Nach einer Kaffeepause folgten Ausführungen zu „Das Elend mit den Berufskrankheiten“. Ein aktueller Überblick über die Entwicklung von Berufskrankheiten (BK) und deren Anerkennung zeigte mehrere Probleme auf. Erstens ist die Liste der Berufskrankheiten sehr begrenzt. Zum Beispiel fehlen die zahlenmäßig explodierenden psychischen Erkrankungen durch Arbeitsbedingungen wie Stress vollständig. Zweitens wird die BK-Liste mit derzeit 73 Berufskrankheiten nur sehr zögerlich und völlig unzureichend ergänzt. Drittens sind die bürokratischen Hürden der Anerkennung von Berufskrankheiten durch die zuständigen Berufsgenossenschaften (BG) extrem hoch. Und viertens wird nur ein skandalös kleiner Bruchteil von BK-Anzeigen durch die BG anerkannt.

Als gewerkschaftspolitische Forderungen ergeben sich folglich die schnelle und konsequente Erweiterung der BK-Liste (vor allem um arbeitsbedingte psychische Erkrankungen), ferner die grundlegende Vereinfachung des Anerkennungsverfahrens und schließlich die flächendeckende Umsetzung einer kompromisslosen Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz.

Stress und Burnout

Mit der brisanten Frage der psychischen Erkrankungen durch die Arbeitswelt befasste sich das dritte Referat. Den fundierten Ausführungen zufolge ist zwischen positivem und negativem Stress zu unterscheiden. Letzterer verursacht erhöhte Risiken nicht nur für die Psyche, sondern führt oft zu schweren körperlichen Leiden – zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mitentscheidend in diesem Zusammenhang ist, wie viel Unterstützung ein Mensch bei der Arbeit erhält. Die Arbeitsprozesse müssten dem Menschen angepasst werden.

Die Deutungshoheit bei der Frage der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz zu erlangen, bezeichnete unser Referent als eine große Herausforderung. Das politische Eintreten gegen Entfremdung und für soziale Teilhabe sowie Anerkennung der arbeitenden Menschen sei unverzichtbar. Auch deshalb müsse Erwerbslosigkeit als zentraler Faktor für Ungleichheit und psychische Erkrankungen konsequent bekämpft werden.

Ganzheitlicher Gesundheitsschutz

Nach einer weiteren Kaffeepause folgte als vierter Schwerpunkt die Fragestellung „Ganzheitliche Gefährdungsanalyse und -beurteilung (GFA/GFB) – ein sinnvoller Weg?“

In den kenntnisreichen Ausführungen eines betrieblich aktiven Genossen konnten nicht nur das  Arbeitsschutzgesetz von 1996 skizziert werden, sondern auch praktische Erfahrungen mit einer GFA/GFB vermittelt werden.

Durch einen kontinuierlichen Kreislaufprozess, auf den ein aktiver Betriebsrat maßgeblichen Einfluss nehmen kann, werden Maßnahmen zur Beseitigung oder wenigstens Minimierung physischer und psychischer Gefährdungen festgelegt, dokumentiert und ihre Umsetzung überprüft.

Die abschließende Zusammenfassung der Tagung griff nicht nur Kernthesen der drei Referate auf, sondern leitete daraus die Notwendigkeit ab, sich in Zukunft näher mit „Methoden der Ausbeutung“ zu befassen.

In der gemeinsamen, sehr positiv ausfallenden Bewertung des Seminars wurde dieser Gedanke ­begrüßt und eine Folgeveranstaltung für das Frühjahr 2015 verabredet.
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