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Solidarität mit Baba Jan | Drucken |  E-Mail
Looniz   
14.11.2014
Im März 2010 erläuterte Baba Jan im Presse Club von Lahore die Folgen des Bergrutschs über dem Ort Attabad. Eine Flutwelle hatte 19 Menschen getötet und die Flut bedrohte aufgrund des Rückstaus weitere Ortschaften. Häuser, Straßen, Schulen und Ackerland waren schon weggerissen. Hilfe war dringend nötig, aber nichts geschah. So wurde ein Ort nach dem anderen zerstört. Zehntausende waren betroffen, 460 Familien verloren Hab und Gut. Hilfs­organisationen organisierten Notunterkünfte. Die Regierung beschränkte sich darauf, Soforthilfen über (umgerechnet) je 1500 Euro für die am stärksten betroffenen Familien anzukündigen..

Am 11. August 2011 hatten ca. 200 Familien immer noch keine Hilfe bekommen und entschlossen sich deshalb, zu protestieren. Sie blockierten die Straße in Aliabad, Hunza, auf der der Gouverneur von Gilgat-Baltistan normalerweise fuhr. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, konnte die Menge aber nicht vertreiben. Sie begann daraufhin, scharf zu schießen. Afza Baig, ein junger Student, wurde erschossen. Sein Vater, Sherullah, ging nach vorne und rief: „Ihr habt meinen Sohn erschossen.“ Die Polizei war daraufhin so schockiert, dass sie sich in ein nahe liegendes Geschäft zurückzog und die Läden schloss. Die Menge versammelte sich vor dem Gebäude und die Polizei eröffnete erneut das Feuer. Als sie dann wegfahren wollte, stellte Sherullah sich ihr in den Weg, aber der anwesende Regierungsbeamte gab den Schießbefehl und Sherullah wurde aus nächster Nähe erschossen. Er war unbewaffnet.

Das ganze Tal erhob sich in Protest gegen den zweifachen Mord. Die meisten Regierungsgebäude in Aliabad gingen in Flammen auf, Polizisten wurden verprügelt, aber keiner wurde ernsthaft verletzt.

Beim Ausbruch dieser Unruhen war Baba Jan nicht dabei, er hielt sich zu dieser Zeit in der Nähe der Rakaposhi-Berge auf. Er wurde von den Menschen gerufen, um bei der Organisierung der Proteste zu helfen. Zunächst ging er in’s Krankenhaus, um die Verletzten und die Toten aufzusuchen. In der Nacht dann überzeugte er die Menschen davon, dass friedlicher Protest organisiert werden sollte. Sie forderten die Bestrafung der Verantwortlichen und der Regierungsvertreter versprach dies.

Rache der Regierung


Baba Jan und weitere hundert junge Männer erlebten aber das genaue Gegenteil. Die Polizei setzte auf Rache dafür, dass sie bei der Straßenblockade zeitweise zum Rückzug gezwungen worden war. Sie beschuldigte Baba Jan, das Niederbrennen von Regierungsgebäuden organisiert zu haben.

Zwei Jahre lang war Baba Jan im Gefängnis. Erst als Ergebnis einer internationalen Kampagne, die von Persönlichkeiten wie Noam Chomski, Tariq Ali und vielen anderen unterstützt wurde, konnte er auf Kaution freikommen. In diesen zwei Jahren wurde er gefoltert, genauso wie Iftikhar Hussain, der wegen derselben Angelegenheit inzwischen seit 4 Jahren einsitzt und der ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. In der Zwischenzeit wurde der Regierungsbeamte, der den Schießbefehl gegeben hatte, befördert.

Baba Jans bedingungsloses Engagement für die Sache der Unterdrückten und Ausgebeuteten hat ihm in dieser Region den Ruf „Che Guevara von Gilgat-Baltistan“ eingebracht. Er selbst legt großen Wert darauf, dass die Proteste gewaltlos bleiben.

Mehr als in jeder anderen Region (mit der Ausnahme von Belutschistan) hängt Gilgat-Baltistan von der Gnade und Willkür des Militärs ab. Das oberste Gericht ist nicht zuständig und die Regionalversammlung hat keine Macht.

Politische Justiz


Baba Jan und die anderen wurden auf Grundlage des Antiterrorismusgesetzes verurteilt. Nicht nur ist Baba Jan als Bürgerrechtsaktivist der Region bekannt, er war auch Vizepräsident der Awami Workers Party, einem Zusammenschluss von drei linken Organisationen. Eine davon ist die mit der IV. Internationale verbundene Labour Party Pakistan, zu deren bekanntesten Aktivisten er gehört.

Pakistan ist im Würgegriff einer militärischen Oligarchie, die jegliche Bürgerrechts- oder Gewerkschaftsbewegung als Angriff auf ihre Herrschaft begreift. Baba Jan hätte das Exil wählen können (er war zum Zeitpunkt der Verurteilung auf Kaution frei). Aber er stellte sich dem Prozess, um politisch gegen die Terrorgesetze und die damit begründeten Urteile vorgehen zu können. Seinen Kampf führt er heute vom Gefängnis aus.

Breite internationale Solidarität mit den „Zwölf von Hunza“ ist dringend angesagt.
Letzte Meldungen
Baba Jan und Iftikhar Husain wurden am 29. Oktober nochmal zu lebenslänglicher Haft verurteilt, weil sie … im Gefängnis andere Mitgefangene zu friedlichen Protesten gegen die unmenschlichen Haftbedingungen angeregt hatten. Sie forderten nichts anderes als die Einhaltung der Haftbestimmungen. Baba Jan wird in seiner Region auch „Unser Bhaghat Singh“ genannt. Bhaghat Singh war ein Kämpfer gegen die britische Kolonialherrschaft. Er führte eine Bewegung für humanitäre Haftbedingungen.


Proteste gegen das schändliche Urteil gegen Baba Jan und die anderen 11 Aktivisten sollten gerichtet werden an:

Botschaft der Islamischen
Republik Pakistan
Schaperstraße 29,
10719 Berlin
Phone: +49 (0) 30 212 44 0
Fax: +49 (0) 30 212 44 210
Email:
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