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Widerstand gegen die Umweltzerstörung organisieren - zum Beispiel beim Klimacamp | Drucken |  E-Mail
Edith Bartelmus-Scholich   
12.10.2014
Besetzung eines Geisterdorfs, Blockade eines Braunkohlebaggers, spannende Diskussionen über eine Energiewende ohne Kapitalismus: Zwei Wochen zog das Klimacamp im Rheinland 200 AktivistInnen aus ganz Europa an.

In einem Geisterdorf bei Erkelenz befand sich das Zentrum des Klimacamps 2014. Hier wurde gemeinsam klimafreundlich gegessen, getrunken und diskutiert. Knapp zwei Wochen campierten die Aktivisten: Improvisierte Küche, selbstgezimmerte Kompost-Klos, Solarduschen.  Etwa 200 AktivistInnen protestierten so mit dem Klimacamp gegen die Braunkohle. Aus der Region stammten dabei nur wenige.

Die meist jungen Aktiven hoffen, dass das Camp RWE wehtut. In den Aktionen und Diskussionen ging es um die Vertreibung von Menschen, den Klimaschaden, den verseuchten See vor der Haustür und den RWE-Werkschutz in den weißen Jeeps, der Kritiker einzuschüchtern soll. Um zehn Uhr morgens startete das Camp-Programm mit Veranstaltungen zu Energiethemen, Kohleausstieg, Postwachstum, Klimagerechtigkeit, Anarchismus, Kompost und der Dialektik von Reform und Revolution. Auch Unterschriften wurden gesammelt: gegen die in Nordrhein-Westfalen mitregierenden Grünen, die auf eine Besetzung ihrer Landesgeschäftsstelle im vergangenen Jahr mit Strafanzeigen gegen Klimacamper reagiert haben.

Kritik am Wachstums-Kurs

Zum Camp angereist waren auch kleine Delegationen von jungen und lokalen Grünen sowie der Linkspartei. Doch die meisten CamperInnen setzen eher auf außerparlamentarische Aktionen, was Forderungen an die Politik nicht ausschließt. Gemeinsame ideologische Grundlage der Aktiven ist der Postwachstum-Diskurs.

Gefunden hat sich die Bewegung größtenteils nach dem Klimagipfel in Kopenhagen 2009, wo ein systemkritischen Ansatz entwickelt wurde. Der Slogan „System Change Not Climate Change“, Systemwandel statt Klimawandel, etablierte sich. Hinzu kam eine grundsätzliche Kritik am Gipfelhopping. In und nach Kopenhagen entstanden neue Vernetzungen und das Ziel, „dezentral vor Ort die fossile Infrastruktur anzugreifen und konkrete Kohlendioxid-Quellen abzuschalten“. So wie hier im Rheinischen Revier.
Auch die ersten Klimacamps wurden in jenen Tagen geplant, das erste fand nicht zufällig im Sommer 2010 statt – ein Jahr nach Kopenhagen.

Praktischer Widerstand


Das Debatten-Niveau während des Camps war konstruktiv und diskursiv, Patentrezepte präsentiert in der Bewegung niemand. Vielleicht wird es im nächsten Jahr auch ein Postwachstums-Camp geben. Nach der Debatte gab es dann auch praktischen Widerstand: TeilnehmerInnen des Klimacamps stoppten für mehrere Stunden einen gigantischen Braunkohle-Bagger im Tagebau Garzweiler II durch eine gewaltfreie Blockade nebst Samba-Gruppe und Feldküche.
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