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Alstom: Vor der Zerschlagung! | Drucken |  E-Mail
Heinrich Neuhaus   
01.07.2014
Am 21. Juni 2014 meldete die Konzernleitung von Alstom Vollzug. In der Bieterschlacht um den französischen Multi hatten Siemens und sein Partner Mitsubishi Heavy Industries das Nachsehen. Der US-Gigant General Electric (GE) kommt hingegen zum Zug.

Damit ist die Vorgabe von Alstoms Hauptaktionär Bouygues – mit einer nicht unwesentlichen Änderung – umgesetzt worden. Der französische Staat will in den nächsten zwei Jahren 20 % der Aktien der Rest-Alstom erwerben.
Mega-Deal
Patrick Kron, Vorstandsvorsitzender von Alstom und Verantwortlicher für das Schwächeln des Konzerns, rühmte sich bei der Bekanntgabe des Handels mit GE, dass er „seinen“ ursprünglichen Plan durchgesetzt hätte. Alle wären Gewinner – Alstom, GE und der französische Staat.
In einer eilig erstellten Information für Investoren und Analysten skizzierte Alstom am 23. Juni 2014 die Ergebnisse dieses Mega-Deals:
  • GE erwirbt für 12,35 Milliarden Euro die konventionelle Energiesparte von Alstom, die für rund 70 % des Gesamtumsatzes des französischen Konzerns verantwortlich war.
  • Es werden drei neue Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) zwischen Alstom und GE gebildet, deren Grundlage bisherige Alstom-Geschäftsfelder sind.
  • Diese sogenanten 50:50-Joint Ventures haben zur Folge:
    • Die Stromübertragung und -verteilung von Alstom (Grid) wird mit GE Digital Energy zusammengelegt.
    • Bei den Erneuerbaren Energien (Wasserkraft, Offshore Windanlagen, Tidenkraftwerke) wird Alstom das Recht zugestanden, dieses Gemeinschaftsunternehmen komplett zu übernehmen.
    • Der weltweite Dampfturbinenbereich für Atomkraftwerke und das konventionelle innerfranzösische Dampfturbinengeschäft sowie die entsprechenden Servicedienste werden zusammengefasst.
    • Dies ist insbesondere im Interesse des französischen Staates. Er will so den Zugriff auf die „friedliche“ und damit natürlich auch die militärische Nutzung der Atomkraft sichern.
  • Alstom will etwa 2,5 Milliarden Euro aus dem Erlös der Energiesparte in diese Gemeinschaftsunternehmen investieren.
Konzern-Gigant
GE wird die von Alstom erworbene konventionelle Energiesparte einem brutalen Gewinnmaximierungsplan unterwerfen. Die davon betroffenen Belegschaften, ihre Interessenvertretungen und ihre Gewerkschaften – in Deutschland ist das die IG Metall (IGM) – werden sich sehr warm anziehen müssen. GE hat nämlich absolut kein Verständnis für „Profit-Hemmnisse“ wie aktive Betriebsräte oder eine wirksame Tarifbindung.

Doch werfen wir zunächst einen Blick zurück. General Electric wurde 1892 in den USA gegründet. GE ist einer der größten und profitabelsten Mischkonzerne der Welt.

Es ist das einzige Unternehmen, das seit der Einführung des 1896 neu eingeführten Dow Jones-Index dort bis heute gelistet wird.

Der US-Multi ist unter anderem in den Bereichen Energie, Finanzierung, Gesundheit, Haushaltsgeräte, Luftfahrttechnik und Transport aktiv. GE war in den Jahren von 2001 bis 2005 laut Financial Times Global 500 das teuerste börsennotierte Unternehmen der Welt.

Rund 300.000 Beschäftigte, davon etwa 80.000 in Europa, erzeugen in über 100 Ländern laut Capital vom 22.05.2014 einen Jahresumsatz von rund 147,5 Milliarden US-Dollar (2013) und einen ausgewiesen Nettogewinn von rund 24,6 Milliarden Dollar.

In Deutschland ist GE an mehr als 70 Standorten mit rund 7.500 Beschäftigten vertreten. Energie, „Grüne“ Technologien, Medizintechnik, Forschung und Entwicklung sowie Finanzdienstleistungen sind hierzulande die hauptsächlichen Geschäftsfelder.

Die US-Konzernikone vollzieht einen ständigen Wandel ihrer Strukturen. Hunderte Fusionen und Unternehmensübernahmen wurden allein in den letzten Jahren gezählt.
„Neutronen-Jack“
Maßgeblich geprägt wurde General Electric in seiner jetzigen Form von John Francis „Jack“ Welch jr., der 20 Jahre lang als Vorstandsvorsitzender amtierte. Welch ließ sich 1999 vom Wirtschaftsmagazin Fortune zum „Manager des Jahrhunderts“ küren.

Unter seiner Führung wuchs der Konzernumsatz von 27 Milliarden US-Dollar (1981) auf 130 Milliarden (2001). Während der Jahresgewinn sich versiebenfachte, verringerte sich gleichzeitig die Zahl der Beschäftigten von 400.000 auf 300.000. Diese Politik brachte Welch auch den Beinamen „Neutronen-Jack“ ein.
Zahlen-Diktatur
Welch galt als radikaler Vertreter des „Shareholder Values“, das heißt der Orientierung ausschließlich an den Interessen der (Haupt-)Aktionäre. Er erfand die „Diktatur der Zahlen“ als Prinzip der Unternehmens-Führung.
Seine Strategie war simpel: Festlegen, Verkaufen oder Schließen („Fix it, sell it or close it“).

Unternehmensteile mit zu geringer Marge werden geschlossen oder verkauft, wenn sie nach zwei Jahren nicht die vorgegeben Zahlen erreichen. Andererseits werden profitablere oder mehr Gewinn versprechende Geschäfte zugekauft.

Für die GE-Beschäftigten stellte Welch die „20-70-10“-Regel auf. Ihr zufolge werden die „besten“ 20 % – die „Stars“ – mit Boni belohnt. Die 70 % in der Mitte werden bestmöglich gefordert und gefördert. Die „schwächsten“ 10 % – die „Lemons“ (Zitronen) – werden hingegen entlassen.
Pensions-Bonbons
Keineswegs für die GE-Beschäftigten, aber für Welch persönlich zahlte sich diese Politik aus. Sein Privatvermögen wurde 2006 auf rund 720 Millionen US-Dollar geschätzt.

Welch hatte sich vor seinem Abtritt neun Millionen US-Dollar als Jahrespension garantieren lassen. Auf einige andere kleine Bonbons verzichtete er angeblich, nachdem Kritik laut geworden war (freie Nutzung eines GE-Fliegers, ein Luxus-Appartement in New York, kostenloses Speisen in einem Edelrestaurant...).

Im Frühjahr 2009 bezeichnet Welch übrigens unter dem Eindruck der „Finanzkrise“ das Shareholder-Value-Konzept als „dumme Idee“. Dennoch verfolgt sein Nachfolger Jeffrey Immelt im wesentlichen Welchs ursprüngliche Strategie weiter.
Profit-„Hemmnisse“
Durch die Zerschlagung von Alstom werden gewissermaßen nebenbei auch die Interessenvertretungen der Beschäftigten auf europäischer und nationaler Ebene ausgeschaltet.
Zudem hat das deutsche Alstom-Management auf Geheiß der Pariser Konzernzentrale die hierzulande bis 2016 geltenden Standortsicherungs- und Beschäftigungsgarantien für Ende 2014 gekündigt. Bereits vorher hatte die Konzernleitung zahlreiche „Restrukturierungspläne“ ausarbeiten lassen, die im Power-Bereich von Alstom massiven Arbeitsplatzabbau bis hin zu Betriebsschließungen zum Ziel haben.

Dagegen regt sich weiterhin vielfältiger Widerstand.

Zum Beispiel am 2. Juni 2014, als rund 600 KollegInnen aus Bexbach (Saarland) und aus vielen anderen Alstom-Standorten gegen den geplanten Stellenabbau in der örtlichen Fabrik für Turbinenschaufeln demonstrierten.

Oder am 16. Juni 2014 in Mannheim, wo sich die Belegschaft zu einer Betriebsrats-Info unter dem „Fünf vor Zwölf“ versammelte und lautstark gegen den drohenden Arbeitsplatzabbau protestierte.

Im ersten Halbjahr 2015 soll der Übergang der konventionellen Energiesparte von Alstom zu GE wirksam werden. Spätesten dann wird der Slogan „Résistance – Widerstand“ seine volle Kraft entfalten müssen.

TIPP

Hier findet Ihr das Flugblatt des Betriebsrats von Alstom Mannheim als PDF zum Download.


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