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Ja, sie bekamen den „Arsch huh“ und strömten zu „Birlikte“ | Drucken |  E-Mail
H. Hilse   
12.07.2014
Es war ein großer Erfolg: Die „Arsch-huh" – Das Bündnis der Kölner Musikszene hatte gemeinsam mit dem „Birlikte-Zusammenstehen“ Bündnis zum 10. Jahrestag des NSU Nagelbombenanschlags in der Keupstraße mobilisiert.

Und tausende machten sich auf und gingen zum Solidaritätsfest, statt an den Baggersee oder das Rheinufer. Trotz 36 Grad Celsiustemperatur und schwüler Gewitterluft strömten mehrere zehntausend zum großen antirassistischen Solidaritätsfest nach Köln-Mülheim.

Kommentar von Wolfgang Niedecken von BaP: „Euch tausend Dank! Ihr könntet jetzt auch am Baggersee grillen.“

Das Fest fand nur wenige 100 Meter vom Anschlagsort entfernt statt. Dort hatte man die Fotos von damals mit dem zertrümmerten Geschäft riesig vergrößert und davor das Fahrrad aus Pappe mit dem Fahradkorb nachgestellt, das die Bombe enthielt. 22 Menschen waren damals verletzt worden,4 von ihnen schwer.

Die Kundgebung war auch für viele ein Wiedersehen, hatte man doch erst vor 3 Wochen gemeinsam den Wahlkampf der rechtsradikalen Pro´s zum Erliegen gebracht und über 30 Auftritte dieser Rassistenbande zunichte gemacht. Immer fanden sich in den Stadtteilen Menschen zusammen und bekamen wirklich den „Arsch huh“ und machten die "Zäng ussenander" (den Mund auf) Das hatte mitgeholfen, deren Stimmenzahl bei der Kommunalwahl mehr als zu halbieren.

Und nun traf man sich zum großen Konzert und alle waren da: Zeltinger, die fantastischen Vier, Bap, Kebekus, und, und … alle traten zum „Selbstkostenpreis“ auf und der Erlös von ca. 250 000 Euro kommt den Opfern zugute.

Der WDR übertrug live in seinem 3. Programm und ein Kamerateam war auf einem ausgefahrenen Kranarm oben am Himmel zu sehen. Bereits ab dem Vormittag pilgerten sie zu tausenden zu den großen Knotenpunkten der Straßenbahnen in der City, um auf die andere Rheinseite zu kommen. Die Kölner Verkehrs Betriebe bemühten sich mit Sonderfahrzeugen dem Andrang zu bewältigen. Es hatte gegen Mittag eine Kundgebung stattgefunden, die einen Auftrieb von Politpromis mit sich brachte. Pastor Gauck setzte sich in Szene und der Bundesjustizminister HeikoMaas (SPD) äusserte sich auf einer Podiumsdiskussion beschämt: "Ich schäme mich dafür, dass der deutsche Staat es nicht geschafft hat über so viele Jahre, dass unbescholtene Bürger besser geschützt wurden", sagte er. Kein Wort der Kritik an dem Verhalten seines Parteifreundes und damaligem Innenminister Otto Schily, der bereits einen Tag nach dem Anschlag wusste, dass das „kein fremdenfeindlich motivierter Anschlag“ war. Damit hatte er den Behörden eine falsche Ermittlungsrichtung vorgegeben. Wer weiss, wie deutsche Beamtenseelen ticken, weiss auch, dass nach solch einem „Wink von oben“ kein „kleiner Beamter“ mit seinem Dienstherren in Konflikt geraten möchte. Nein, die SPD-Kumpanei lässt solch eine kritische Würdigung nicht zu. Kein Statement kam von der Politprominenz zur Rechtsblindheit bei den Ermittlern und den Geheimdiensten.

Wie gut, dass auf dem ab 16 uhr gestarteten Konzert dann doch immer wieder Klartexte gesprochen wurden. Wo bleiben denn die antirassistischen Gesten der Politik, so wurde gefragt. Warum kauft Frau Merkel nicht auch mal in der Keupstraße ein? Mitglieder der antirassistischen Initiativen berichteten über ihre Arbeit in den Veedeln (Stadtteilen). Die Arbeit des Bündnisses „Kein Veedel für Rassismus“ wurde mehrfach lobend erwähnt. Tom Buhro, der neue WDR Intendant hielt eine engagierte Rede gegen die Bedrohung des Zusammenlebens durch den in Europa zunehmenden Rassismus und versprach, dass der WDR diese Entwicklung zu einem Themenschwerpunkt macht. Ein neues kritisches Buch über die Rolle der BRD-Geheimdienste wurde vorgestellt und ein IG-Metall Kollege von Ford forderte „Birlikte“, das Zusammenstehen auch bei den kommenden Kämpfen um die Arbeitsplätze ein.

Gegen 19 uhr wurde die Zahl von über fünfzigtausend durchgegeben. Aber der Platz füllte sich noch immer und in der Keupstraße drängelten die Menschen ebenfalls dicht an dicht zu tausenden. Und nicht mitgerechnet all jene, die vor den Fernsehern auf WDR3 die Lifesendung ansahen und auch nicht jene mitgerechnet, die bereits an den zwei Tagen zuvor zu den vielen Veranstaltungen geströmt waren.

 Die IG-Metall zeigte auf der Kundgebung als einer der Hauptsponsoren Präsenz: Auf den OrdnerTshirts waren die Symbole ebenso, wie auf ihren Metallermützen.Auch an den Drängelgittern der 5 Sektoren für die Zuschauermassen hatten jugendliche KundgebungsteilnehmerInnen ihre IG-Metallfahnen angebracht. Ausserdem hatte die IG-Metall neben dem Stand von „Arsch Huh“ einen großen Informationspavillion aufgebaut, der rege besucht wurde. Gruppen der SAV waren dagegen auf dem „Pilgerweg“ von der Straßenbahn zum Kundgebungsplatz  präsent.

Gegen 19.30 musste das bis 23.30 geplante Megakonzert wegen einer Unwetterwarnung vorzeitig beendet werden. Die Kölner Polizei reagierte schnell, sperrte kurzerhand eine Seite der Mülheimer Brücke für den Autoverkehr und liess die tausenden Fahrradfahrer und die eilenden Menschenkolonnen über die leeren Fahrbahnen. 20 Minuten später erlebte Köln ein ungewöhnlich heftiges Unwetter mit hereinbrechender starker Dunkelheit zuckenden Blitzen, stürzenden Bäumen und fallenden Blumentöpfen. Der Auftritt von Peter Maffei und Udo Lindenberg fiel dem heftigen Unwetter zum Opfer.

Das dreitägige Kunst- und Kulturfest „Birlikte“ war eine antirassistisches Megaereignis, das alle Aspekte des Rassismus mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Filmen, Theater und Musikaufführungen beleuchtete. Alleine 7 Workshops widmeten sich dem Trauerspiel der deutschen Justiz, dem NSU-Prozess. Bereits am Vortag waren zigtausende bei diesen Veranstaltungen rings um die Keupstraße unterwegs. Alleine das Programmheft umfasste 17 Seiten.

Dieser Massenhafte Widerstand gegen das Rassistengift muss sich in der deutschen Einwanderungsgesellschaft ausbreiten, wenn wir hier nicht die USA-Situation reproduzieren wollen. Besonders ist die „deutsche“ Arbeiterbewegung gefordert, die längst eine multinationale Klasse als Basis hat und multinationalen Konzernen gegenübersteht.
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