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Indonesien: Kreative KämpferInnen, Teil 3 | Drucken |  E-Mail
Avanti   
30.06.2014
Dies ist der dritte und letzte Teil des Interviews, dass Avanti mit unserer indonesischen Genossin Zely Ariane geführt hat, als sie Ende Februar 2014 zu Besuch in Deutschland war. Sie berichtete von den Arbeitskämpfen in Indonesien, der Rolle der Frauen darin sowie von den speziellen Arbeitsbedingungen und Widerstandsformen der Arbeiterinnen. Der erste Teil des Interviews wurde in Avanti 220 veröffentlicht, der zweite in Avanti 221.

Kannst Du uns von Deiner Bildungsarbeit mit Arbeiterinnen erzählen?

Ich bin Mitglied des Nationalen Komitees von Perempuan Mahardhika („Freie Frauen“) und des nationalen Kollektivs von Politik Rakyat („Politik des Volkes“)1.

Seit 2009 hat Perempuan Mahardhika eine feministische Schule für junge Frauen in der Universität aufgebaut. Wir schulen uns darin, Gender-Analyse und Klassenfrage im Kapitalismus im Zusammenhang mit der besonderen Unterdrückung von Frauen zu verbinden. Wir haben ein einfaches Modul erarbeitet, das die speziellen Probleme von Frauen im Alltagsleben umfasst, Gender, Sexualität und reproduktive Rechte, den systemischen Charakter von Frauenunterdrückung, eine Einführung in die Frauenbewegung, Frauen und Religion, wie Veränderungen möglich sind und warum Frauen sich organisieren sollten.

In den letzten zwei Jahren haben wir auch die feministische Schule für Arbeiterinnen entwickelt, mit einem ähnlichen Modul, das aber eine speziellere und einfachere Einführung in Frauenrechte am Arbeitsplatz enthält, das Problem der Doppelbelastung, die Arbeiterinnenbewegung, und wie die Frauenfrage am Arbeitsplatz eingebracht werden kann. Die Schule ist eher eine Schulung als eine richtige reguläre Schule aufgrund betrieblicher Probleme und mangelnder Ressourcen. Aber unser Traum ist immer gewesen, in Zukunft eine richtige Schule zu haben.

Mit diesen Schulungen ist es uns teilweise gelungen, die weiblichen Leitungsmitglieder von FLBP darin auszubilden, die speziellen Forderungen und Kämpfe von Frauen in ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten und Kämpfe einzubeziehen.

Welche aktuellen Projekte und Kampagnen gibt es?

In Bezug auf den Kampf für die Frauenbefreiung hat sich Politik Rakyat („Politik des Volkes“) im ersten Monat nach seiner Gründung im März 2013 die Priorität gesetzt, den Feminismus zu verteidigen und verschiedene Angriffe auf den Feminismus anzugehen durch die Stärkung seiner Politik der Frauenbefreiung. Die Angriffe von indonesischen Kapitalisten und rechten Bewegungen auf Frauenrechte nehmen zu. Wir beziehen uns auf das, was wir bereits haben und was in der Situation, in der wir uns befinden, leichter aufzubauen ist.

Wir haben erheblichen Einfluss unter Arbeiterinnen und Frauenorganisationen. Unsere Arbeit ist darauf gerichtet, das Bewusstsein der Arbeiterinnen als Frauen und als Lohnabhängige zu entwickeln und sie in ihrem Kampf gegen sexuelle Gewalt zu unterstützen. Das schlägt sich zurzeit in einer Kampagne und der Organisation einer Konferenz gegen sexuelle Gewalt nieder. Wirkliche Einbindung der Frauen an der Basis ist unser Leitprinzip beim Aufbau der Bewegung. Der Kampf gegen sexuelle Gewalt ist eine Priorität, aber wir entwickeln auch die Bewegung für Frauenrechte in ihrer Gesamtheit. Wichtige Organisationen sind dabei Perempuan Mahardhika (Freie Frauen), die Gewerkschaft „Unternehmensübergreifende ArbeiterInnenvereinigung“, das Community Radio „Marsinah3 FM“ und die „Freiwilligen gegen Sexuelle Gewalt“ (Relawan KawanKu).

Für den kommenden 1.Mai hat das Aktionsbündnis Volkspolitik für Marsinah (abgekürzt zu „Obor Marsinah“, was auf Deutsch dann „Marsinahs Fackel“ bedeutet) alle progressiven Organisationen aufgerufen, den an diesem Tage aus Jakarta aufbrechenden Konvoi „Marsinahs Fackel“ quer durch Java bis nach Porong (unweit von Surabaya; Ankunft am 9. Mai) mit Kundgebungen an zahlreichen Zwischenstationen zu unterstützen. Zwei lokale Unterstützungskomitees wurden bereits in Zentraljava aufgebaut und wir versuchen, noch weitere zu initiieren. Es geht uns darum, die ArbeiterInnenkämpfe auf Java (der Insel, auf der die indonesische Hauptstadt liegt und fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt; Anm. d. Übers.) miteinander zu vernetzen, den Schwung der ArbeiterInnenbewegung (nach dem Streik von 2013; Anm. d. Übers.) weiter in Gang zu halten und für bessere Lebensbedingungen und demokratische Rechte zu mobilisieren.

Die Fabrik in Porong/Sidoarjo (bei Surabaya), wo Marsinah arbeitete, ist von dem Schlammvulkan verschluckt worden, der aus der fehlgeschlagenen Gasbohrung von PT Lapindo Brantas entstand. Dieses Unternehmen gehörte zur Bakrie-Gruppe, einem Konzern im Besitz von Aboerizal Bakrie, einem der reichsten Männer Indonesiens, Vorsitzender der Golkar4-Partei und einer der Kandidaten in den anstehenden Präsidentschaftswahlen.

Die Karawane soll in Porong enden als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Schlammvulkans, zum Einklagen der Verantwortlichkeit der Lapindo-Bosse und zum Gedenken an Marsinah als Heldin der ArbeiterInnenklasse, deren Mörder immer noch ungestraft sind. Gleichzeitig ist der Zug „Marsinahs Fackel“ eine Kampagne gegen Militarismus, sexuelle Gewalt, Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzungen und für ArbeiterInnenrechte.

Was können wir hier tun, um Euren Kampf zu unterstützen?

Das Wichtigste ist, dass wir uns gegenseitig auf dem Laufenden halten über unsere Kämpfe. Dann fangen wir mit der Solidarität nicht bei Null an, wenn es etwas Dringendes gibt.

Aber genau in diesem Augenblick gibt es auch zwei wichtige Initiativen, bei denen Unterstützung hilfreich wäre.

Das eine ist das Community Radio „Marsinah FM“ in Cakung, einem Industriegebiet in Nord-Jakarta. Die „Unternehmensübergreifende ArbeiterInnenvereinigung“ (FBLP) konnte „Marsinah FM“ 2012 starten mit dem Preisgeld aus einem Kreativitätswettbewerb. Aber das Geld reicht nicht für die laufenden Kosten, die Geräte und die notwendigen Schulungsmaßnahmen. „Marsinah FM“ arbeitet außerdem gerade daran, Internet Radio Streaming einzurichten, auch dafür braucht es Mittel.

Das zweite Anliegen ist der Zug „Marsinahs Fackel“, der möglichst breite Berichterstattung aber auch Unterstützung durch Spenden braucht.5

Schließlich ist auch die „Unternehmensübergreifende ArbeiterInnenvereinigung“ (FBLP) in einer schwierigen finanziellen Lage, die Mitgliederbeiträge reichen nicht für die Finanzierung von Fulltimer-Gehalt und Aktivitäten. Es werden ständig andere Geldquellen gesucht, so z.B. durch den Verkauf selbst erzeugter Waren oder Backerzeugnisse, aber es reicht oft trotzdem nicht.

Die Fragen stellte W.A.
Übersetzung: T.R.


Wenn Ihr unterstützen wollt, bitte kontaktiert:
  • die „Marsinahs Fackel“-Koordination unter
  • das Community Radio „Marsinah FM“ unter .

1 Politik Rakyat ist eine linke indonesischen Organisation mit Beobachterstatus bei der IV. Internationale.
2 Unternehmensübergreifende ArbeiterInnenvereinigung, indonesischer Gewerkschaftsverband.
3 Marsinah war eine Arbeiteraktivistin in Ost-Java, die 1993 vergewaltigt und ermordet aufgefunden wurde, nachdem sie die örtliche Militärgarnison aufgesucht hatte, um eine Erklärung dafür zu verlangen, warum KollegInnen, die für eine Lohnerhöhung gestreikt hatten, verhaftet worden waren.
4 „Golkar“ ist die Abkürzung von „Golongan Karya“, was etwa mit „Stände“ übersetzt werden kann. Dies war die zivile Stütze der Suharto-Diktatur bis 1998.
5 Der Zug „Marsinahs Fackel“ wurde inzwischen erfolgreich durchgeführt. Die InitiatorInnen freuen sich weiterhin über Unterstützung.

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