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Résistance: Unsere Chance! | Drucken |  E-Mail
Heinrich Neuhaus   
30.06.2014
Bereits vor Ostern 2014 flammte im Mannheimer ALSTOM-Werk ein Konflikt um die Fremdvergabe von Arbeit aus der Produktion auf (siehe Avanti Nr. 221). Mit Informationsveranstaltungen und Torwachen durchkreuzten die beteiligten KollegInnen an mehreren Tagen die Pläne des Managements. Dieses wollte, ohne den Betriebsrat zu informieren, den Abtransport von Turbinenbauteilen durchführen lassen.

Mittlerweile hat sich diese Auseinandersetzung für die Mannheimer Belegschaft als erfolgreich bestandene Feuertaufe entpuppt – in einem Kampf, bei dem es um Sein oder Nichtsein geht.

Betroffen von den Zerschlagungsplänen der Konzernleitung sind aber nicht „nur“ das Mannheimer Werk, seine rund 2.000 Beschäftigten und die Kraftwerkssparte insgesamt, sondern letztlich alle Standorte und Arbeitsplätze im Konzern. Allein in Deutschland arbeiten 9.000 Menschen für ALSTOM.
Käfertal
Das Mannheimer-Käfertaler Werk ist vor allem im konventionellen Kraftwerksbau tätig. Es werden dort große Gas- und Dampfturbinen hergestellt. Langjährige Erfahrungen und Fähigkeiten gibt es in den Bereichen Planung, Engineering, Konstruktion, Produktion, Vertrieb und Service.

Der über 110 Jahre alte Betrieb wird seit etwa 30 Jahren von ständigen „Restrukturierungen“ gebeutelt. Dies hatte zur Folge, dass zum Beispiel die Konstruktion und Fertigung von großen Transformatoren- und Generatoren geschlossen wurden, die Fertigungstiefe im Bereich der mechanischen Bearbeitung massiv reduziert und Arbeit in indirekten Tätigkeiten stark abgebaut wurde. Die verbliebenen Bereiche sind zudem ständigen Rationalisierungsprozessen mit meist negativen Folgen für Menschen und Produkte unterworfen.
Abbauprozesse
Trotz des anhaltenden Widerstands von Betriebsrat, IG Metall-Vertrauenskörper und Belegschaft ist die Zahl der Arbeits- und Ausbildungsplätze stark verringert worden. Allerdings nicht nur durch bloße Arbeitsplatzvernichtung, sondern vor allem auch durch konzernbedingte Ausgliederungen, Verlagerungen und Verkäufe. Waren Anfang der 90er Jahre noch rund 7.000 Beschäftigte am Standort (einschließlich der heutigen ABB- und Bombardier-Niederlassungen), so sind es heute noch rund 2.000 bei ALSTOM in Mannheim.

Die Konzernleitung von ALSTOM versucht derzeit zweierlei. Zum einen will sie die KollegInnen (und zunehmend auch den Betriebsrat) einschüchtern. Zum anderen möchte sie der Belegschaft weismachen, dass GE die bessere Alternative für die (Noch-)Beschäftigten sei.
Arbeitsplatzsicherung
Aber Betriebsrat und Belegschaft wollen nicht die Wahl zwischen „Pest oder Cholera“ treffen. In einer Erklärung des Konzernbetriebsrats und der IG Metall vom 2. Mai 2014 wird denn auch folgerichtig keine „Bevorzugung für einen der bisher genannten, möglichen Käufer von ALSTOM“ zum Ausdruck gebracht. Vielmehr werden langfristige Garantien für alle Beschäftigten und Standorte weltweit eingefordert – übrigens auch für die KollegInnen bei GE oder Siemens.

Egal ob GE oder Siemens – beide Konzerne werden versuchen, radikal Geschäftsfeldüberschneidungen zu kappen und den Kurs auf noch größere Profite zu beschleunigen. Wer da die Zeche zahlen soll, ist schon ausgemacht.
Widerstand
Alle ALSTOM-Belegschaften sind von den Zerschlagungsplänen betroffen. Insbesondere in Deutschland aber auch in Spanien ist die Bereitschaft zur Gegenwehr bisher am meisten entwickelt. Der internationale Aktionstag bei ALSTOM am 29. April 2014 war ebenso ein Erfolg wie die Mannheimer ALSTOM-Demo am 12. Mai. Am 23. Mai beteiligten sich KollegInnen von ALSTOM Mannheim am Protest der IG Metall gegen die Abbaupläne bei Siemens. Weitere – auch standortübergreifende – Aktivitäten sind bei ALSTOM in Vorbereitung.
Schutzschirm
Der Mannheimer Betriebsrat fordert gemeinsam mit dem Konzernbetriebsrat die Rücknahme aller bisherigen „Restrukturierungspläne“ bei ALSTOM. Er verlangt ferner keine Kündigung der geltenden Standort- und Beschäftigungssicherungsvereinbarungen sowie politische Unterstützung für einen Schutzschirm, der alle Standorte sowie alle Arbeits- und Ausbildungsplätze absichert – nicht nur in Deutschland, sondern auch international.
Zudem fordert er eine langfristige Perspektive für die gesellschaftlich und wirtschaftlich bedeutsamen Fähigkeiten und Kenntnisse in der Energieerzeugung – nicht zuletzt im Bereich der erneuerbaren Energien.
Solidarität
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen spielen natürlich auch der Euro-Betriebsrat, die Unterstützung durch die IG Metall und die Solidarität aus anderen Bereichen eine wichtige Rolle. Zur Zeit gibt es deshalb auch Bestrebungen auf der örtlichen und regionalen Ebene, Auseinandersetzungen gegen Arbeitsplatzabbau wie bei ALSTOM oder ICL–BK Giulini zusammenzuführen.

Entscheidend aber ist die Widerstandskraft, die im Mannheimer Werk und den anderen ALSTOM-Betrieben entwickelt werden kann. Daran wird sich auch das Mannheimer Motto „Résistance: Unsere Chance!“ messen lassen müssen. Die Erfahrung gerade bei ALSTOM sagt: Nur wer kämpft, kann gewinnen.

Tipps:
Link zum Flugblatt des RSB Mannheim vom 12. Mai 2014: hier
Aktuelle Infos zur Auseinandersetzung um ALSTOM bei www.resistance-online.eu


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