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Krieg dem Krieg | Drucken |  E-Mail
Ingrid Kohlhas   
01.03.2014
Der folgende Artikel gliedert sich in 2 Teile:
Teil I: Der erste Weltkrieg und die sozialen Folgen für die arbeitende Bevölkerung besonders die Frauen.
Teil II: Die proletarische Frauenbewegung und ihr Widerstand gegen den imperialistischen Krieg erscheint in Avanti 220, April 2014.

Der Erste Weltkrieg
Der Beginn des Ersten Weltkriegs jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal.

Im Sommer 1914 hatten zahlreiche Menschen in St. Peterburg, Wien, Berlin, Paris, London den Ausbruch des Krieges jubelnd begrüßt. Die Kriegsparteien mobilisierten eine bis dahin unbekannte Zahl von Soldaten und verwendeten modernste Waffentechnik. Zu Beginn des Krieges waren etwa 10 Millionen Soldaten im Einsatz, später 74 Millionen Soldaten. Eine gigantische Kriegsmaschinerie, Artillerie, Maschinengewehre, Schlachtschiffe, Unterseeboote, erste Panzer, Bombenflugzeuge und ab 1915 Giftgas führten zu einer Vernichtung von Menschen und Material, die alle bisherigen Vorstellungen überstieg. Die Krieg führenden Parteien aktivierten jedes Mitglied ihrer Gesellschaft, wodurch die Trennung von Militär und Zivilbevölkerung ins Wanken geriet. Im Verlaufe des Krieges wurde fast die gesamte männliche und weibliche Bevölkerung in den Krieg einbezogen. In der Rüstungsindustrie und an den zivilen Arbeitsplätzen ersetzten Frauen die Männer, die zum Militärdienst einberufen wurden. Die zivile Produktion wurde immer mehr zugunsten der Rüstungsindustrie zurückgefahren. Der deutschen Bourgeoisie ging es um eine Vormachtstellung in Europa als Ausgangpunkt für die Erringung einer Weltmachtposition.
Das Ende des Krieges
Der Krieg endete mit 8 Millionen getöteten Soldaten, 20 Millionen verwundeten Soldaten und 7 Millionen Gefangenen, 1,1 Millionen anerkannten Kriegsinvaliden und ungezählten zivilen Opfern.
Die Oktoberrevolution 1917 in Russland, Aufstände, Demonstrationen und Streiks in Deutschland, die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten in fast allen deutschen Städten, besonders in den industriellen Zentren, bereiteten dem Krieg sein endgültiges Aus. Die aristokratischen Dynastien in den deutschen Ländern wurden gestürzt.

Am 9. November 1918 erreicht die Aufstandsbewegung Berlin, wo sich innerhalb weniger Stunden die Ereignisse überstürzen. Der Reichskanzler Max von Baden erklärt den Thronverzicht des Kaisers ohne dessen Einverständnis und gibt sein Amt an den Vorsitzenden der Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) Friedrich Ebert ab. In der sich zuspitzenden Lage ruft  Philipp Scheidemann (MSPD) die Republik aus. Kurz darauf verkündet Karl Liebknecht (Spartakusbund) vor dem Berliner Schloss die Sozialistische Republik Deutschland und fordert: „Alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten!“

Die reformistische MSPD trägt im Bündnis mit den alten Eliten den Sieg in den folgenden Kämpfen davon. Die revolutionäre marxistische Opposition in der SPD und die internationalistische sozialistische Linke, die von Anfang an die Kriegsgefahr erkannt hatte, die sich keine Illusionen über die Brutalität des kapitalistischen Wirtschaftssystem machte und die die meisten Opfer im Kampf gegen den Krieg gebracht hatte, erlitt eine bittere Niederlage.

Trotzdem musste die Bourgeoisie einige Zugeständnisse an die ArbeiterInnenklasse machen: Achtstundentag bei vollem Lohnausgleich, Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts ohne Unterschied des Geschlechts, Gewerkschaften werden als Partner für den Abschluss kollektiver Tarifverträge anerkannt, Betriebsräte in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten zugelassen, alles in allem ein sozialpartnerschaftliches Programm der Bourgeoisie, um die drohende Sozialisierung ihrer Betriebe abzuwenden.
„Der Krieg ist nichts als die Erweiterung und Ausdehnung des Massenmordes, dessen sich der Kapitalismus auch im so genannten Frieden zu jeder Stunde am Proletariat schuldig macht. Gegen dieses Verbrechen wehren wir uns als Frauen und Mütter. Wir denken nicht bloß an die zerschmetterten und zerfetzten Leiber unserer Angehörigen, wir denken nicht weniger an den Massenmord der Seelen, der eine unausbleibliche Folge des Krieges ist.“

Aus einer Rede Clara Zetkins auf dem außerordentlichen Kongress der Sozialistischen Internationale im November 1912 in Basel.

Ursachen des Krieges
Die Entfaltung der Produktivkräfte in der bürgerlichen Gesellschaft, die Entwicklung von Naturwissenschaften und Technik hatten ein Niveau erreicht, das längst die Grenzen des Privateigentums und des Nationalstaats sprengte. Dies soll am Beispiel zweier bekannter Naturwissenschaftlerinnen illustriert werden. Marie Curie, Französin polnischer Herkunft, hatte die Radioaktivität und die radioaktiven Elemente erforscht. Lise Meitner, Österreicherin mit jüdischen Wurzeln, entdeckte zusammen mit Otto Hahn und Fritz Strassmann 1939 im Kaiser Wilhelm Institut in Berlin die Kernspaltung und berechnete, welche gigantische Energiemenge dabei freigesetzt werden könnte. Beide Frauen meldeten sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zum Kriegseinsatz. Sie halfen die neu entwickelten Röntgengeräte bei der Behandlung verwundeter Soldaten einzusetzen, Marie Curie auf französischer Seite, Lise Meitner auf deutscher Seite. Die beiden Physikerinnen sollen wegen der Kürze des Artikels beispielhaft stehen für die Mehrheit der bürgerlichen Frauen, die sich von nationalistischem Gedankengut blenden ließen und sich aktiv am Krieg beteiligten.
„Burgfrieden“ von SPD und _Gewerkschaften
Die beiden größten Organisationen der ArbeiterInnenklasse in Europa, SPD (1913: über 2 Millionen Mitglieder, davon 174.754 Frauen) und die freien Gewerkschaften in Deutschland (1913 2.530.000 Mitglieder, davon 223.676 Frauen), sowie andere europäische Arbeiterparteien schlossen ein nationalistisches Bündnis mit ihren jeweiligen herrschenden Klassen und dem Militarismus, in Deutschland als Burgfrieden bezeichnet. So bewilligte die SPD- Reichstagsfraktion die Kriegskredite, Gewerkschaften verzichteten auf Arbeitskämpfe und gaben erkämpfte Errungenschaften wie den Zehnstundentag preis. Ein „Frieden“, der vor allem auch auf Kosten der proletarischen Frauen geschlossen wurde. 
Arbeitsbedingungen im Ersten Weltkrieg
Arbeitslosigkeit in den ersten Kriegsjahren, nahezu Aufhebung aller Schutzbestimmungen für Arbeiterinnen und Arbeiter, Arbeitsbedingungen wie in der Frühphase des Industriekapitalismus, Hunger, Not, Krankheit, miserable Wohnverhältnisse und eine enorm hohe Frauenerwerbsquote in den Jahren 1917/18 kennzeichneten die Lage der Mehrzahl der Frauen im Ersten Weltkrieg. 1913 waren in Deutschland 10,8 Millionen Frauen erwerbstätig, 1918 waren es 16 Millionen (75 % der Frauen im erwerbsfähigen Alter). Der Anteil der Frauen an den Erwerbstätigen wuchs in diesem Zeitraum von 35 % auf 55 %. Die Frauenarbeit nahm zum Beispiel in der Metallindustrie, im städtischen Verkehrswesen, bei der Eisenbahn, bei der Post zu. Ab 1916 wurden zunehmend Arbeitskräfte aus der zivilen Produktion wie der Textilindustrie und Bauwirtschaft in die Rüstungsindustrie verlagert (Hindenburgprogramm). Das „Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst“, verabschiedet am 2. Dezember 1916, erlaubte es, alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum „vaterländischen Dienst“ zu verpflichten. Die proletarischen Frauen arbeiteten aufgrund von ökonomischem Zwang. Dieser Zwang funktionierte nicht bei den Frauen der „besitzenden Stände“. Die Appelle für freiwilligen Dienst in der Rüstungsindustrie und in der Landwirtschaft zeigten unter ihnen nur magere Ergebnisse.

Verschiedene andere Formen der Zwangsarbeit wurden entwickelt. Der gesamte Schutz für Arbeiterinnen wurde aufgehoben: die Beschränkung der täglichen Arbeitszeit auf 10 Stunden, die einstündige Mittagspause, das Verbot der Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit, das Verbot der Beschäftigung von Frauen unter Tage.

Überlange Arbeitszeiten, Doppelschichten, monatelang Nachtschichten ruinierten die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Zahl der Krankmeldungen nahm seit 1917 zu. Besonders häufig waren Gewerbekrankheiten wie Vergiftungen, Nervenerkrankungen, Bleichsucht, Blutarmut, Lungentuberkulose und allgemeine Erschöpfung. Seit dem Kohlrübenwinter 1916/17 häuften sich die Fälle von Hungertyphus. Schätzungen zur Folge verhungerten in Deutschland zwischen 1914 und 1918 500.000 bis eine Million Menschen.

Nach der Einführung der Brotkarten (1915) blühte der Schwarzhandel. Spekulanten wurden reich durch künstliche Verknappung. Die Preise stiegen während des Krieges schneller als die Löhne. Die Differenz von Frauen- und Männerlöhnen wurde zwar geringer, die Löhne der Arbeiterinnen betrugen aber 1918 nur 48 % der durchschnittlichen Arbeiterlöhne. In Berlin, Aachen, Köln, Leipzig, Münster, Nürnberg, Hamburg kommt es zu Hungerrevolten und Plünderungen, die zum Teil mit der Beteiligung von Frauen und Kindern hervor- ragend organisiert sind.

Ab 1917 forderten die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter, die rebellierenden Frauen,  nicht nur Brot, sondern auch Frieden, die Freilassung politischer Gefangener und Demokratie.


Verwendete Literatur:

Renate Wurms: „Krieg dem Kriege“ – „Dienst am Vaterland“: Frauenbewegung im ersten Weltkrieg
aus Florence Hervé (Hrsg.), Köln, 1983
Karin Bauer: Clara Zetkin und die proletarische Frauenbewegung, Berlin, 1978
Kursbuch Geschichte, 2000, Cornelsen Verlag, Berlin
Der große Plötz, Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte, Freiburg, 1998

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