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Bernd Brosius:
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Gefährliche Umweltchemikalien | Drucken |  E-Mail
H.-U. / D. B.   
02.03.2014
Die Veranstaltung von GEW, ASTA, Sozialforum und Selbsthilfegruppe zu "Umweltchemikalien in Schulen und öffentlichen Gebäuden" (am 16.1.2014 in Wiesbaden) war wegen der guten Referate vor allem von Prof. Erich Schöndorf, aber auch Wolfgang Krug, ehemaliger Schulleiter aus Baunatal, recht gelungen.

Eindrucksvoller als Prof. Schöndorf kann man die Problematik chronischer Krankheiten im Zusammenhang mit Schadstoffbelastungen (hier das Holzschutzmittel Pentachlorphenol) einem Laien-Publikum kaum klarmachen, nicht nur wegen der kabarettistischen und realsatirischen Einlagen aus dem Justizbetrieb.

Wer wusste denn schon, dass Beamte des LKA, weil sie „gute deutsche Beamte sind", das Schicksal von nahezu 5.000 holzschutzmittel-geschädigten Personen akribisch für die Beweisaufnahme vor Gericht recherchiert und aufgeklärt hatten, und dass diese Beamten bei der Akten-Beschlagnahme beinahe mit dem Werkschutz der Firma Desowag in ein Feuergefecht geraten waren, – das fand nicht statt, weil „der Revolver unten im Auto geblieben war".

Das hörte sich fast so an, als ob ein (ehemaliger) Staatsanwalt nichts gegen den Einsatz von Waffen zugunsten der Belange von schadstoffgeschädigten Kranken gehabt hätte – eine Geschichte, die zeigt, wie ein hoher Staatsdiener zum radikalen Verfechter der Interessen von Umweltkranken wurde. Schöndorf gewann damals den Prozess gegen die Holzschutzmittelindustrie (die schon Jahrzehnte vorher von der Schädlichkeit von PCP wusste), aber in der nächsten Instanz wurde alles abgebogen.

Dass es sich nicht um „eingebildete Kranke" handelt, machte Schöndorf deutlich mit der Bemerkung, es sei Hunderte Mal die gleiche Krankheitsgeschichte gewesen, obwohl die Leute so verschieden waren: „alt, jung, katholisch, evangelisch, ungläubig, Männlein und Weiblein, Arbeiter und Beamte, Unternehmer, Arbeitslose, Ökos und Fleischesser, aber alles (bis auf einen) keine Alkoholtrinker oder starke Raucher."

Dass die Chemieindustrie diese giftigen Holzschutzmittel trotz Wissen über die Giftigkeit für Innenräume intensiv beworben hat, weil sonst die Holztäfelungen in den Eigenheimen sich angeblich mit der Zeit durch Schimmel oder Bakterien „zersetzen" würden, ist völliger Unsinn und ein kalkuliertes Verbrechen an den VerbraucherInnen. Denn normalerweise regnet es innen nicht, außer in Duschkabinen.

Der Gesamtschaden wurde mit mehr als 300 Milliarden DM beziffert, aber durch den Vergleich nach dem BGH-Verfahren kamen nur 8 Millionen DM als Strafe heraus, mit denen in Gießen an der Uni ein Lehrstuhl für Innenraum-Belastungen gegründet wurde (Prof. Mersch-Sundermann), der dann aber mit Prof. Eikmann, ebenfalls Gießen, zusammenarbeitete, der Gutachten gegen Betroffene verfasste und deren Krankheiten als psychiatrisch deklarierte. Das ging nach hinten los.

Vollkommen desillusioniert von dem Justizbetrieb und den Machenschaften auf oberster Ebene schmiss Schöndorf diesen Job und lehrt heute an der Frankfurter Fachhochschule Umweltrecht.

Wolfgang Krug als ehemaliger Schulleiter einer hochbelasteten Grundschule in Baunatal ist heute schwer krank, beide Nieren zerstört, daher dialysepflichtig, und auch sonst hat er schwere allergische und neurologische Symptome, trat eindrucksvoll als Zeuge auf für die schweren gesundheitlichen Folgen einer hohen Innenraum-Mischbelastung durch Chemikalien und radioaktiven Müll, der offenbar im Betongemisch des Schulbaus „entsorgt" worden war. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern durch Messungen belegt. Da die Beton-Firma bald nach Aufklärung des Skandals pleite ging, konnte kein Prozess geführt werden. So wurde alles vertuscht. An der besagten Grundschule sind aufgrund der Schadstoffbelastung (PCB, Asbest und radioaktiv verseuchtes Baumaterial) 10 von 16 Lehrern an Krebs erkrankt. Krug wurde mit 39 Jahren frühpensioniert.

Es ist schade, dass mensch nach solchen Darstellungen und Enthüllungen immer nur mit Wut im Bauch die Veranstaltung beenden muss, ohne dass Konsequenzen folgen.

Hier ein Link zu den bisherigen Büchern von Erich Schöndorf, wobei „Von Menschen und Ratten“ die Fakten des Holzschutzmittelprozesses genau darstellt.

http://shortlinks.de/ppvt
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