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Die globale Betreuungskette | Drucken |  E-Mail
Sophie Wegener-Stahlschmidt   
11.08.2013
Philippinische Pflegekräfte nach Deutschland?

Altenpflege in Deutschland
Zurzeit gibt es 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland, in Zukunft dürfte die Zahl aller Voraussicht nach noch größer werden. Diesen pflegebedürftigen Menschen stehen laut Bundesagentur für Arbeit 573.000 examinierte Pflegerinnen und Pfleger gegenüber. 2011 befanden sich  im privaten Sektor 21.400 junge Menschen im ersten Ausbildungsjahr zur Altenpflegefachkraft.

Hinzu kamen 5.100 AltenpflegeschülerInnen, die mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit eine Ausbildung begonnen haben. Die Anzahl dieser geförderten Ausbildungsplätze sinkt allerdings aufgrund einer Reduzierung der aktiven Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung. 10.000 offenen Stellen in der Altenpflege stehen 3.600 Arbeitssuchende mit geeigneter Qualifikation gegenüber.

Statt nun den Beruf der AltenpflegerIn sowohl finanziell als auch durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen  und auch in Hinblick auf die Qualität der Ausbildung aufzuwerten, geht die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auf dem internationalen Arbeitsmarkt auf die Suche nach billigen Arbeitskräften. Im März 2013 unterzeichnete die Bundesagentur für Arbeit ein Abkommen mit der philippinischen Arbeitsverwaltung, welches philippinische Pflegekräfte nach Deutschland locken soll.
Und in Philippinien?
Rund 10 Millionen PhilippinerInnen arbeiten im Ausland. Dies sind 11 % der Bevölkerung. Zwei Drittel davon sind Frauen, die als Haushaltshilfen, Altenpflegerinnen oder Krankenschwestern eingestellt werden. Das Geld, welches sie nach Hause schicken, 20 Milliarden Dollar im Jahre 2011, wird tatsächlich für gute Schulen und eine bessere Gesundheitsversorgung ausgegeben. Aber die Kinder dieser Arbeiterinnen und Arbeiter wachsen mindestens ohne ein Elternteil auf. Manchmal sehen sie dieses Elternteil jahrelang nicht und die Entfremdung wird für die Eltern erst spürbar, wenn der Besuch bei der Familie zu einer enttäuschenden, schmerzhaften Erfahrung wird.

Die Kinder werden als Migrationswaisen bezeichnet. Die Abwesenheit der Mütter führt nicht dazu, dass die Männer sich um die Kinder kümmern. Sie können in der traditionellen Gesellschaft oft nicht damit umgehen, dass die Frau das Geld verdient. Eine Verwandte muss einspringen oder eine Frau wird eingestellt, die wiederum ihre eigene Familie verlässt. Die US-amerikanische Soziologin Arlie Russell Hochschild bezeichnet dies als „global care chain“, globale Betreuungskette. Die Bezahlung der Frauen nimmt in dieser Betreuungskette immer weiter ab, während immer mehr Kinder ohne Mutter aufwachsen.

Die philippinischen Pflegerinnen haben eine vierjährige, zum Teil akademische Ausbildung. Dieses gut ausgebildete medizinische Personal wird dem philippinischen Gesundheitswesen entzogen.
Ausbeutung in der globalen Betreuungskette
Die globale Betreuungskette ist eine Ausbeutungskette, bestehend aus den traditionell zu niedrigen Frauenlöhnen in den reichen Ländern wie Deutschland, den Profiten, die im Zuge der Privatisierung der sozialen Einrichtungen in diesen Ländern gemacht werden, dem Abzug von gut ausgebildeten Arbeitskräften aus den armen Ländern, der Einsparung von Ausbildungskosten in den reichen Ländern und vielem mehr.

Artikel zum Thema:
Susanne Lenz,Philippinen:
Zuhause sind die Handy-Mütter,FR vom 25.03.2013
http://shortlinks.de/h10b

Stefan Sauer:
Hoffen auf Asien,FR vom 25.03.2013

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