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Brot und Rosen - „Gerechtigkeit für GebäudepflegerInnen“ | Drucken |  E-Mail
Petra Stanius   
14.07.2013
Ein Arbeitskampf in Los Angeles im Jahr 1990 wurde weltweit zum Symbol für den erfolgreichen Widerstand von Reinigungskräften: Auf den 15. Juni 1990 geht der Justice for Janitors Day, der Tag der Gerechtigkeit für GebäudepflegerInnen, zurück, der heute ein globaler Aktionstag ist.

Der 15. Juni steht seitdem für den mutigen und selbstbewussten Kampf von GebäudereinigerInnen für höhere Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Und nicht zuletzt steht dieses Datum auch für die Forderung nach gesellschaftlicher Anerkennung.

Justice for Janitors, Gerechtigkeit für GebäudepflegerInnen, war die Parole, unter der Reinigungskräfte und HausmeisterInnen in Los Angeles im Jahr 1990 drei Wochen lang das Kommerzviertel Century City bestreikten. Die Löhne und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, bei denen es sich häufig um Migrantinnen handelte, waren denkbar schlecht. Demütigungen waren an der Tagesordnung, und der Lohn reichte auch bei einer vollen Stelle zum Leben nicht aus.

Am 15. Juni 1990 wurde eine Demonstration von Reinigungskräften, die gegen die Arbeitsbedingungen bei einer Vertragsfirma demonstrierten, von der Polizei brutal angegriffen. Es gab zahlreiche Verletzte. Der Angriff der Polizei auf die Streikenden stieß auf große Empörung und fand ein starkes Echo in den Medien.

Der Arbeitskampf endete für die ArbeiterInnen mit einem deutlichen Erfolg: Nicht nur musste die Polizei wegen ihrer Übergriffe auf die Streikenden nach einem Gerichtsverfahren 3,5 Millionen US-Dollar an deren Gewerkschaft SEIU (Service Employees International Union) bezahlen. Die GebäudereinigerInnen erreichten durch ihren Streik eine 25-prozentige Lohnerhöhung sowie die Einführung von betrieblichen Krankenversicherungsleistungen. Der amerikanische „Arbeitgeber“ ISS musste gewerkschaftliche Organisierung in seinen Betrieben zulassen.

In Deutschland wird dieser Tag seit dem Jahr 2006 begangen. Von der Gewerkschaft IG BAU wurde er als „Tag der Gebäudereinigung“ eingeführt.
Frauen und MigrantInnen „bevorzugt“
Auch in der BRD sind hauptsächlich Frauen und viele MigrantInnen als Reinigungskräfte beschäftigt. Im Zuge von Outsourcing und Privatisierung haben sich die Arbeitsbedingungen von Gebäudereiniger- Innen im Laufe der Jahre deutlich verschlechtert.

Wie generell bei Beschäftigen im Niedriglohnbereich ist die gewerkschaftliche Organisierung von Reingungskräften schwierig aufgrund von überwiegend prekären Arbeitsverhältnissen wie Zeitverträgen, Leiharbeit und Teilzeitarbeit. Es werden überwiegend Frauen als „Hinzuverdienerinnen“ eingestellt.

Seit 1934 ist Gebäudereinigung als Handwerk anerkannt. Es gibt jedoch einen deutlichen Unterschied hinsichtlich Status und Löhnen zwischen einer abnehmenden Anzahl von ausgebildeten, überwiegend männlichen Fachkräften einerseits und der Mehrheit von ungelernten weiblichen Arbeitskräften andererseits. Bei den letzteren werden die nötigen Kenntnisse durch Erfahrung in Haus- und Familienarbeit vorausgesetzt, aber nicht mit entsprechenden Löhnen bezahlt.

Sprachprobleme sowie ein unsicherer Aufenthaltsstatus von MigrantInnen erschweren diesen zusätzlich die Wahrnehmung ihrer Rechte. Oft werden Tarifverträge nicht eingehalten.
Eine Berufsgruppe – drei Gewerkschaften
Aus der Vereinzelung herauszukommen und sich zu organisieren ist für Reinigungskräfte also existenziell wichtig, gleichzeitig aber extrem schwierig. Denn bei ihnen kommt eine Besonderheit hinzu: die Zuständigkeit von mehreren Gewerkschaften für ihre Berufsgruppe:

Waren ursprünglich die meisten ReinigerInnen als Beschäftigte im öffentlichen Dienst (Reinigung von öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Krankenhäusern, Verwaltungen etc.) bei ver.di organisiert, so hat sich das Schwergewicht nun hin zur IG BAU verlagert. Diese ist für die Reinigungskräfte zuständig, die für private Dienstleister arbeiten. Haus- angestellte wiederum sind in der Gewerkschaft NGG organisiert. Dies erschwert einen gemeinsamen Kampf der Reinigungskräfte für ihre Rechte deutlich.

Gerade hat die IG BAU, die mit einer Forderung von 10,00 Euro Mindestlohn in die Tarifverhandlungen gegangen ist, nach mehrmonatigen Verhandlungen mit den „Arbeitgebern“ eine Einigung erzielt.

Das Ergebnis ist genau so bescheiden, wie wir es bereits beispielsweise vom Öffentlichen Dienst und von der IG Metall her kennen:

Eine lange Laufzeit (24 Monate), zwei Leermonate (November und Dezember 2013) und deutliche Abstriche bei den ohnehin schon zurückhaltenden Forderungen. In zwei Stufen steigt danach der Stundenlohn in der untersten Tarifgruppe 1 – der gleichzeitig der Mindest- lohn in der Innenreinigung ist – im Westen von derzeit 9,00 Euro auf 9,31 Euro zum 1. Januar 2014 und auf 9,55 Euro zum 1. Januar 2015. Im Osten steigt er, ebenfalls in zwei Stufen, von derzeit 7,56 Euro erst auf 7,96 Euro und letztlich auf 8,21 Euro.

Es existiert eine Vereinbarung zwischen der IG BAU und den „Arbeitgebern“, dass die Löhne in Ost und West spätestens bis zum Januar 2019 vollständig angeglichen sein sollen. Bei dem kaum kleiner gewordenen Lohngefälle nach dieser Tarifrunde besteht die Gefahr, dass die Angleichung auf Kosten der Beschäftigten geschehen wird.

Wenn sich die Gewerkschaften den Arbeitskampf vom 15. Juni 1990 in Los Angeles tatsächlich zum Vorbild nähmen, wären ganz andere Abschlüsse möglich.

1912: Streik von Textilarbeiterinnen in Lawrence, USA
1912 streikten 14.000 Textilarbeiterinnen in Lawrence, USA. Mit diesem Streik kämpften die Frauen besonders entschieden für ihre Interessen. „Bread and Roses“, „Brot und Rosen“, stand auf einem ihrer Transparente.

„Bread and Roses“ wurde zum Motto der amerikanischen und der internationalen Frauenbewegung.

Der Film von Ken Loach zum Kampf der ReinigerInnen in Los Angeles von 1990, der ebenfalls diesen Titel trägt, wurde zum medialen Symbol des Tags der Gebäudereinigung.


Brot und Rosen

Wenn wir zusammen gehen
Geht mit uns ein schöner Tag
Durch all die dunklen Küchen
Und wo grau ein Werkshof lag
Beginnt plötzlich die SonneUnsre arme Welt zu kosen
Und jeder hört uns singen
BROT UND ROSEN
 
Wenn wir zusammen gehen
Kämpfen wir auch für den Mann
Weil unbemuttert kein Mensch
Auf die Erde kommen kann
Und wenn ein Leben mehr ist
Als nur Arbeit, Schweiß und Bauch
Wollen wir mehr – gebt uns Brot
Doch gebt die Rosen auch

Wenn wir zusammen gehen
Gehen unsre Toten mit
Ihr unerhörter Schrei nach Brot
Schreit auch durch unser Lied
Sie hatten für die Schönheit,
Liebe, Kunst erschöpft nie Ruh
Drum kämpfen wir ums Brot
Und woll’n die Rosen dazu.

Wenn wir zusammen gehen
Kommt mit uns ein bessrer Tag
Die Frauen, die sich wehren
Wehren aller Menschen Plag
Zuende sei, dass kleine Leute
Schuften für die Großen
Her mit dem ganzen Leben:
BROT UND ROSEN
Her mit dem ganzen Leben

      BROT UND ROSEN
    
 
Aus dem Amerikanischen übertragen von Peter Maiwald.


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