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Rassismus und Antisemitismus: Waffen im Kampf gegen die ArbeiterInnenbewegung | Drucken |  E-Mail
Isabel Schneider   
28.05.2013

Antisemitismus und Völkermord
In den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft wurden drei Millionen Menschen aus Polen, der Sowjetunion besonders Kriegsgefangene und ZwangsarbeiterInnen, 100 Tausend behinderte Menschen, 100-500 Tausend Sinti und Roma, 20 Tausend deutsche Kommunisten und Sozialdemokraten, 7.000 Homosexuelle, 1.200 Zeugen Jehovas und andere politische Gegner und Menschen ermordet.

Sechs Millionen Jüdinnen und Juden fielen dem nationalsozialistischen Terror in Europa und Nordafrika zum Opfer, 5,2 Millionen von ihnen aus Ost- und Südeuropa und der Sowjetunion, 210 Tausend aus dem westlichen Ausland und Italien, 65 Tausend aus Österreich und 165 Tausend aus Deutschland.

1933 lebten 500 Tausend Juden in Deutschland (Ein Prozent der Bevölkerung). Sie wohnten überwiegend in den großen Städten und in Berlin. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung gelang es nach 1933, aus Deutschland ins Ausland zu emigrieren oder zu fliehen.

Einer der Faktoren, der den Völkermord möglich machte, war ein in Europa weit verbreiteter, tief verwurzelter Judenhass, der sich von einem christlich und religiös begründeten Antijudaismus in den bürgerlichen rassistisch und pseudowissenschaftlich begründeten Antisemitismus wandelte. Dieser Antisemitismus überlebte die nationalsozialistische Herrschaft, obwohl die Verbrechen des Faschismus für alle sichtbar geworden waren und es nichts, aber auch gar nichts mehr schön zu reden gab.

Die Überlebenden des Holocaust war unermessliches Leid zugefügt worden. Sie hatten zum Teil alle ihre Familienangehörigen verloren; sie, ihre Kinder und Enkelkinder waren traumatisiert. Umso dankbarer sind wir, dass so viele der Überlebenden sich nicht resigniert zurückgezogen haben, sondern den Kampf für die Aufklärung der Verbrechen, die Bestrafung der Täter, den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus und für Freiheit und Toleranz weitergeführt haben.

Bis heute ist es in Deutschland verbreitet, Juden nicht als Teil der deutschen Gesellschaft zu sehen, dies trotz oder vielleicht wegen ihrer hervorragenden Beiträge in Wissenschaft, Kunst, Musik, Literatur, Politik und Wirtschaft.

Jüdinnen und Juden in der Arbeiterbewegung

Vielen ist bekannt, dass Karl Marx, Rosa Luxemburg, Leo Trotzki jüdischer Herkunft waren. Sehr viele Jüdinnen und Juden waren in der Arbeiterbewegung aktiv. Sie gehörten allen politischen Richtungen an. Beispielhaft werden drei von ihnen kurz vorgestellt.

Stephan Born

Zu den weniger bekannten Juden in der Arbeiterbewegung gehört Stephan Born (1824-1898), der eigentliche Organisator der Arbeiterbewegung in der Revolution von 1848 war. Aus Lissa (Großherzogtum Posen) stammend, begann er nach dem Besuch des Gymnasiums eine Lehre in einer Schriftsetzerei.

Er wurde Mitglied des „Bund der Gerechten“, der im Sommer 1847 zum „Bund der Kommunisten“ wurde. Er gründete eine Gewerkschaft der Buchdrucker. Am 11. April 1848 entstand unter seinem Vorsitz das „Zentralkomitee für Arbeiter“, das sich aus Vertretern von verschiedenen Berufsverbänden zusammensetzte.

Von Mai 1848 bis Juli 1848 war er Autor der „Neuen Rheinischen Zeitung“. Er verfasste zehn Artikel, in denen er sich mit der Zersplitterung der politischen Linken befasste. Am 23. August 1848 war er an der Gründung der „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung“ beteiligt, die erste gesamtdeutsche Arbeiterpartei. Im Mai 1949 kommandierte er in Dresden mit Umsicht und Geschick eine Barrikade gegen das sächsische und preußische Militär.

Paul Singer

Paul Singer wurde 1844 in Berlin geboren, wo er 1911 auch gestorben ist. Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns wurde er Mitbegründer der Damenmäntelfabrik „Gebrüder Singer“. 1884 gründete er das „Berliner Volksblatt“. Er bekämpfte den „Revisionismus“ in der SPD. Den größten Teil seines Vermögens stellte er der Arbeiterpartei zur Verfügung. Während der Sozialistengesetze wurde er in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt und 1884 in den Reichstag. In Berlin nahmen über eine Million Menschen am Trauerzug teil, als Paul Singer, liebevoll „Judenpäule“ genannt, am 5. Februar 1911 zu Grabe getragen wurde.

Ernst Heilmann

Ernst Heilmann (1881-1940) gehörte dem nationalistischen rechten Flügel der SPD an. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg kehrte er nach dem Verlust des rechten Auges 1916 nach Berlin zurück, ab 1928 war er Abgeordneter im Reichstag. Er wollte auch angesichts der faschistischen Gefahr nicht emigrieren, blieb in Berlin und nahm an der SPD-Reichskonferenz am 19. Juli 1933 teil. Kurz danach wurde er verhaftet und nach jahrelanger Folter im KZ Buchenwald im Alter von 59 Jahren ermordet.

Kapitulation von SPD und KPD

Auf dieser SPD-Reichskonferenz vom 19. Juli 1933 distanzierte sich die SPD von den Angriffen der Emigranten auf das neue Deutschland und beauftragte ein sechsköpfiges Direktorium mit der Führung der Partei. In diesem Direktorium waren keine Juden mehr vertreten. Drei Tage später wurde die SPD verboten.

1924 waren noch 6 von 62 KPD-Abgeordneten Juden, unter den 100 KPD-Abgeordneten der letzten Weimarer Legislaturperiode gab es keinen einzigen Juden mehr.

Literatur

Walter Grab, Der Deutsche Weg der Judenemanzipation, München 1991, Kapitel 5.

Jakob Moneta, Berichte von Zeitzeugen, Kopie im Besitz der Verfasserin.


 

 

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