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Frauen-Kurzmeldungen März 2013 | Drucken |  E-Mail
Barbara Schulz   
28.03.2013
BRD
Alte Herren

Es gibt nützliche Rituale! Um am Bremer „Schaffermahl“ teilzunehmen, das seit 1545 regelmäßig veranstaltet wird, müssen die Kaufleute, die sich zum Smaltalk und zum Spendensammeln für die Witwen der Kapitäne zum Rathaus begeben, über den Marktplatz gehen. Von der Bremer Gleichstellungsbeauftragten aufgefordert, bildeten etwa 400 Frauen ein Spalier, auf ihre schwarzen Jacketts pinnten sie: „Ich bin von gestern. Folgen Sie mir nach“ und setzten sich den Herren in den Weg. Ein Teil der Demonstrierenden begleitete das Geschehen mit schallendem Gelächter.

Die Mitglieder des Hauses der Seefahrt hatten vor drei Jahren erneut ausdrücklich die Ablehnung von Frauen bestätigt. Nach dem wiedergegebenen Inhalt der Reden der „Schaffer“ ist es allerdings auch kein Vergnügen, den Worten zu lauschen. Tradition und Vaterland! Dann doch lieber Mutterwitz und Muttersprache.
Ignoranten
Als die Kassler CDU zur Namengebung einer Straße Stellung nehmen musste, bekannte sie, dass sie keine Ahnung habe. „Wir kannten die Frau Seghers gar nicht!“ Als sie dann glaubte, sie zu kennen, sah sie Anna Seghers als „Antidemokratin“ und „Stalinistin“. Eine Benennung einer Straße nach ihr sei also „ein Schlag ins Gesicht aller Opfer dieser unmenschlichen Ideologie“. Gegenbehauptung: Anna Seghers Roman „Das siebte Kreuz“ ist ein Schlag ins Gesicht aller reaktionären Ignoranten. Aber manchem Vorvorgestrigen ist das natürlich zu viel: Schriftstellerin, Jüdin, Emigrantin, Kommunistin, da hilft nur noch die Anrufung des Gott-sei- bei-uns!

Dass Anna Seghers Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt Mainz ist und Namensgeberin von deren öffentlicher Bibliothek, dass WissenschaftlerInnen ihr Leben differenziert betrachten und ihre Haltung gegen den Faschismus würdigen, macht die Borniertheit einiger Christdemokraten nur noch deutlicher.
Besinnung
Selbst Bischöfe der Katholischen Kirche sind ob der Entscheidung, ein Vergewaltigungsopfer im katholischen Krankenhaus abzuweisen, erschrocken, als sie das Echo in der Öffentlichkeit wahrnahmen. Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner hält jetzt die Vergabe bestimmter Arten der „Pille danach“ an vergewaltigte Frauen für ethisch vertretbar. Es ist selbst ihm aufgefallen, dass es Grenzen des Zumutbaren gibt. Damit öffnet sich ein kleines Fensterchen im Gebäude der katholischen Sexualmoral, die die „künstliche Empfängnisverhütung“ ablehnt.

Der Fall des abgewiesenen Vergewaltigungsopfers hat die Diskussion um eine rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“ angefacht. Rezeptfreiheit gilt in 28 europäischen Ländern, während in der Bundesrepublik im Bedarfsfall erst ein Arzt aufgesucht werden muss, etwa eine Notfallpraxis, psychologisch nicht ganz unbedenklich. Natürlich diskutieren die Bedenkenträger, dass die Frauen – per se liederlich – dann die Empfängnisverhütung vernachlässigen werden und so fort. Außerdem müssen sie vor missbräuchlicher Nutzung geschützt werden, starke Hormongaben können Nebenwirkungen haben.

Es gibt einige Situationen im Leben, wo mensch sich vorstellt, wie sich Männer verhalten würden, wenn ihre „Liederlichkeit“ sie zum Austragen der Leibesfrucht und zur Aufzucht derselben zwingen würde. Nicht auszudenken!

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Internationales
One Billion Rising
Eigentlich wird er seit 15 Jahren begangen, der V-Day, Valentinstag, an dem die Vagina-Monologe von Eve Ensler gelesen werden. Valentinstag, bei uns eher ein Tag der FloristInnen und der Schokoladenfabrizierenden! Der V-Day steht aber für Vagina und Victory over Violence. Bisher hatten wir ihn noch nicht bemerkt, aber durch die besonders grauenhaften Vergewaltigungen und Verletzungen von Frauen, die unlängst bekannt wurden, wurde er weltweit begangen, Indien, Australien, Israel, Serbien, Kongo, Nigeria – das ist nur eine kleine Auswahl.

Auch in zahlreichen Städten der Bundesrepublik gab es Aktionen, Demonstrationen und Tänze, Tänze, bei denen die Erde beben sollte. In Hamburg hatte das ein wenig Eventcharakter. Das erste Tanztreffen auf dem Hansaplatz, ganz innerstädtisch, an einem Platz, der im Umbruch ist, zeigte eine bunte Mischung von Frauen, Musik und gewissermaßen ritualisiertem Tanz. Das Ganze fröhlich und ein bisschen improvisiert. Es gab eine Demonstration durch die Innenstadt und weitere Tanzeinlagen. Was fehlte, mir als Altfeministin jedenfalls, war ein Transparent, waren Slogans, es gab auch nur kleine Flugzettel, die aufklären sollten.

Positiv an einer solchen Aktion ist die Möglichkeit, sich ohne große Vorbereitung anzuschließen, aber es bleibt abzuwarten, ob es ein weiteres Zusammengehen geben wird. Vielleicht wird aus vielen kleinen Bewegungen eine große Bewegung. Die Ausdrucksform Tanz bietet die Möglichkeit der Einheit in der Vielfalt.
Erstarrung
Vertreter des Rates der Muslimgelehrte in Indonesien wenden sich gegen die Resolution der UN-Vollversammlung gegen die weibliche Beschneidung. Sie fordern von Krankenhäusern und Gesundheitszentren des Landes, Beschneidungen vorzunehmen. Da Beschneidung ein Teil der islamischen Lehre sei, müsse sie für Männer wie Frauen gelten. Beschneidung der Frauen sei eine religiöse Pflicht, um die sexuellen Gelüste der Frauen zu kontrollieren. Frauenorganisationen halten dagegen, da weder der Koran noch Hadithe die Beschneidung vorschreiben. Sie vertreten aber auch die Ansicht, dass die Fortpflanzungsfähigkeit der Frauen beeinträchtigt werde. Ein Argument, das eigentlich dem Denken entgegenkommt, Geschlechtsverkehr habe den Zweck, Nachkommen zu zeugen.
Malala
Das pakistanische Mädchen Malala (Avanti 203), im britischen Birmingham mit einer Titanplatte zum Schutz ihres Hirns versehen, hat seinen Mut nicht verloren.Malala war von Taliban aus dem Schulbus geholt und in den Kopf geschossen worden, weil sie für die Mädchenbildung gebloggt hatte. Sie wurde zur Behandlung nach Birmingham gebracht. In einem Interview erklärt Malala, die auf dem Weg der Besserung ist, dass sie sich weiter für die Rechte und Bildungschancen von Mädchen einsetzen will. Jetzt soll sie für denFriedensnobelpreis vorgeschlagen werden. Wenn das auch nicht mehr die allerbeste Gesellschaft ist, immerhin war auch Carl von Ossietzky Träger dieser Auszeichnung.
Brautraub?
Immer noch gibt es archaische Gebräuche, die in die Moderne übertragen nicht mehr angemessen sind. In Kirgistan soll der Brautraub, der üblicherweise eine Heirat erzwingen soll, wenn er angezeigt wird, mit sieben Jahren Haft bestraft werden; ist die Frau jünger als 17 Jahre, sogar mit zehn Jahren. Brautraub heißt, Verschleppung gegen den eigenen Willen, Vergewaltigung und Rückgabe an die Ursprungsfamilie. Die Ehrverletzung durch die Entjungferung führt dann zumeist dazu, dass die Familie der Entführten und Vergewaltigten der Eheschließung zustimmt, und ein Mullah gibt seinen Segen dazu.

Die Frau wird nicht lange nach ihrer Zustimmung gefragt und lebt dann mit dem Gewalttäter in dessen Familie. Die Kirgistanexpertin von Human Rights Watch, Mihra Rittmann, hält die Haftverschärfung für einen ersten Schritt, meint aber, dass Traditionen nicht zur Entschuldigung von Gewalttaten gegen Frauen dienen dürfen.
Auch in Marokko wird über höhere Strafen für Vergewaltiger von Minderjährigen nachgedacht, aber noch nicht wirklich diskutiert. Frauen fordern aber eine grundsätzliche Veränderung, die alle Frauen, aber auch Jungen vor sexuellen Übergriffen schützt.

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