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Pidder Lüng   
14.03.2013
Debatte um Arbeitszeitverkürzung wiederbelebt

Seit den neunziger Jahren gilt in Gewerkschaftskreisen die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung als erledigt. Die Niederlagen in den Kämpfen der Achtziger haben FunktionärInnen kalte Füße verursacht. Lieber stürzen sie sich auf vermeintlich leichter Durchzusetzendes.


Angesichts des Kräfteverhältnisses, das sich durch anhaltende Millionenarbeitslosigkeit und die Angst vor Hartz IV gewaltig verschoben hat, sind Zweifel an der „leichteren“ Durchsetzbarkeit anderer Forderungen angebracht. Doch nicht alle Gewerkschaftsmitglieder denken gleich, und Veränderungen der vorherrschenden Gewerkschaftsmeinung werden allmählich realistisch. Ein Beispiel.
Was geschehen ist
Eine Gruppe Frauen aus dem Fachbereich Bund - Länder - Gemeinden von ver.di Hamburg hatte im Jahr 2010 einen gemeinsamen Bildungsurlaub gemacht. Die Referentin war die marxistisch-feministische Soziologin Frigga Haug. Sie stellte dort ihre „4-in-1-Perspektive“ vor.

Dabei handelt es sich um eine modernisierte Variante dessen, was in Bebels „Die Frau und der Sozialismus“ im Kapitel „Die Frau in der Zukunft“ ausgeführt wird: „Eben noch praktische Arbeiterin in irgendeinem Gewerbe ist sie in einem anderen Teil des Tages Erzieherin, Lehrerin, Pflegerin, übt sie in einem dritten Teil irgendeine Kunst aus oder pflegt eine Wissenschaft und versieht in einem vierten Teil irgendeine verwaltende Funktion.“

Frigga Haug drückt es so aus, dass die Arbeitszeit in vier Teile zerfällt: Erwerbsarbeit, Reproduktionsarbeit (zur Wiederherstellung der Arbeitskraft), Arbeit zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und Gemeinwesenarbeit. Und da ein erwachsener Mensch im Durchschnitt acht Stunden Schlaf am Tag braucht, bleiben für Arbeit in diesem Sinne noch 16 Stunden übrig, bei Gleichverteilung der vier Anteile also 4 Stunden pro Tag für Erwerbsarbeit. Das wären bei einer 5-Tage-Woche 20 Stunden.

Für die Teilnehmerinnen an diesem Bildungsurlaub waren daran vor allem zwei Dinge besonders interessant. Zum Einen der Arbeitsbegriff, der weit über das hinausgeht, was sonst in Gewerkschaften üblich ist, zum Anderen die Perspektive einer drastischen Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit.
Wie es danach weiterging
Die Hamburger Teilnehmerinnen gründeten einen gewerkschaftlichen Arbeitskreis in dem genannten ver.di-Fachbereich. Das Ziel: Die totgesagte Debatte um die Arbeitszeit in den Gewerkschaften wieder zu beleben. Im Sommer 2011 machte dieser Arbeitskreis das Thema schon zu einem zentralen Punkt der ver.di-Stadtkonferenz mit ca. 100 Teilnehmenden.
Ein Konzept wurde entwickelt, wie mit dem Thema ein Betriebsguppenabend gestaltet werden könnte und im Fachbereich von ver.di verbreitet. Ein Bildungsurlaub „Zukunftswerkstatt Arbeitszeit“ wurde konzipiert und im Gewerkschaftshaus durchgeführt. Die ver.di-Stadtkonferenz dieses Jahres hatte eine Arbeitsgruppe zum Thema Arbeitszeit, die nicht nur recht gut besucht war, sondern zudem weitere Mitglieder für den Arbeitskreis gewann.
Warum gerade jetzt solche Erfolge?
Im öffentlichen Dienst, der sonst eigentlich in dem Ruf steht, dass die Beschäftigten sich dort nicht überarbeiten (Stichwort: „Büroschlaf“), geht es seit einigen Jahren rund. Die Arbeitsverdichtung hat ein derartiges Ausmaß angenommen, dass der Krankenstand sprunghaft angestiegen ist.
Zu allem Überfluss konfrontiert die Gegenseite in jeder Tarifverhandlung die Gewerkschaft mit der Forderung nach Arbeitszeitverlängerung, was nur mit knapper Not abgewehrt werden konnte. Bei den Beamten, wo Tarifverhandlungen nicht im Weg stehen, wurde sie hingegen schon durchgesetzt. In ihrer Not greifen manche zu einer individuellen Lösung und gehen auf Teilzeit. Das können sich allerdings nur die Besserverdienenden leisten, und die sind im öffentlichen Dienst dünn gesät. Angesichts dessen wird die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung populär.
Wie es weitergehen wird:
Ende November 2012 gab es eine gewerkschaftsübergreifende Veranstaltung im DGB-Haus, an der ca. 80 Kolleginnen und Kollegen aus ver.di,  IG Metall und IG BCE teilnahmen. Hauptredner war Horst Schmidthenner, der in der Zeit der Auseinandersetzung um die 35-Stunden-Woche im IG-Metall-Vorstand war.
Er stellte die Erfahrungen der damaligen Auseinandersetzung dar. Verschiedene Kurzbeiträge gingen um gesundheitliche Auswirkungen der Arbeitszeit, die Arbeitszeitverkürzung als Mittel gegen Arbeitslosigkeit, den utopischen Überschuss der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung und um die Frage, wie sie durchgesetzt werden könne.
Die Teilnehmenden waren sich einig darin, dass die Forderung nötig ist, dass sie einen Gegensatz zur kapitalistischen Krisenlösung darstellt und die Mobilisierung aller Kräfte zur Durchsetzung braucht. Mit anderen Worten: Es gilt nicht weniger, als um diese Forderung herum die globale Konfrontation mit dem Kapital zu organisieren.
Anfang des neuen Jahres wird ein gewerkschaftsübergreifender Arbeitskreis zu dieser Forderung die Auseinandersetzung weiter vorantreiben.
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