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Tarifvertrag als Antwort auf die demografische Entwicklung in den Betrieben? | Drucken |  E-Mail
Paul Brandt   
28.01.2013
ver.di-Fachbereich Ver- und Entsorgung

Die demografische Entwicklung, also die Altersgruppenverteilung in der Gesellschaft und deren Entwicklung, spiegelt sich auch in zahlreichen öffentlichen Betrieben wider. Das Durchschnittsalter der KollegInnen liegt inzwischen deutlich höher als noch vor 20 Jahren – die Folge einer Rationalisierungsstrategie und politisch diktierter Personalpolitik, die äußerst selten zur Einstellung neuer Beschäftigter führte.


Besonders in Bereichen der arbeitsintensiven Betriebe wie der Müllabfuhr oder der Straßenreinigung führte diese Entwicklung zu einer zusätzlichen Arbeitsbelastung der KollegInnen. In vielen kommunalen Entsorgungsbetrieben liegt der Altersdurchschnitt bei 50 Jahren, bei genauer Betrachtung höher. Dort, wo besonders schwere körperliche Arbeit zu verrichten ist, gibt es große Betriebshöfe der Müllabfuhr, in denen die Mehrheit der Kollegen ein Alter von über 50 Jahren ausweist.

Gleichzeitig sind die Leistungsanforderungen in der Müllabfuhr innerhalb der letzten 12 Jahre um 50^ % gestiegen: Zusammenlegung und Ausweitung von Entsorgungstouren, geringere Personalreserven, längere Entladungsfahrten und mehr haben zu einer Arbeitsverdichtung geführt, die an ihre Grenzen stößt.

Wenn mensch nun bedenkt, dass gerade in kommunalen Betrieben die Dauer der persönlichen Betriebszugehörigkeit um die 20 Jahre und mehr beträgt, wirft das ein Licht auf die Belastungen und Gesundheitsgefährdungen der Kollegen. Erhard Ott, Fachbereichsleiter Ver- und Entsorgung von ver.di dazu: „…machen wir uns nichts vor, selbst der Gesundheitsschutz, selbst innovative altersgerechte Arbeitsplätze werden nicht verhindern, dass ein Teil der Kolleginnen und Kollegen nicht bis zum regulären Renteneintritt arbeiten kann.“ (ver.di Report 4/2012).

Müllabfuhr und Straßenreinigung gelten nach arbeitsmedizinischen Kriterien als schwere körperliche Arbeiten. Das aber ist nur ein Segment in der Arbeitswelt. Stahlwerker, Hoch- und Tiefbauarbeiter usw. lassen den Kreis derer schnell anwachsen, der schlechte Aussichten hat, relativ gesund die Rente zu erreichen.

Bei der Berliner Stadtreinigung wurde 2011 zwischen ver.di und dem Kommunalen Arbeitgeberverband ein Tarifvertrag abgeschlossen, der den Beschäftigten in „orange“, also den auf der Straße arbeitenden Kolleginnen und Kollegen, eine betriebliche Altersteilzeitregelung anbietet. Wer in den letzten zehn Jahren vor der Rente in diese Altersteilzeitphase eintreten will, verzichtet 10 Jahre lang auf 20 Prozent seines Einkommens (ohne Zulagen) und kann dafür die letzten fünf Jahre in die Passivphase wechseln, also in den „Ruhestand“ vor dem offiziellen Renteneintritt. Die Beiträge zur Rentenversicherung beziehen sich dabei allerdings nur auf 90^ % des bisherigen Bruttoeinkommens. Und: Freigewordene Arbeitsplätze werden eins zu eins durch Neueinstellungen wiederbesetzt.

Finanziert wird dieses Modell zu einem Drittel aus Gebühren, einem Drittel aus Unternehmensrückstellungen und einem Drittel von den Beschäftigten – auch von denen, die nicht diese Möglichkeit in Anspruch nehmen können, zum Beispiel KollegInnen in der Verwaltung. Die finanziellen Einbußen der Beschäftigten liegen zwischen 8 und 14 Euro monatlich netto.

Dieser Tarifvertrag führte natürlich zu intensiven Diskussionen im Betrieb, letztlich gab es aber eine überwältigende Mehrheit der Beschäftigten, die diesem Weg zustimmten. Dieses Programm kann und will keine generelle Antwort auf die Renten- und Alterssicherungspolitik in der Bundesrepublik sein. Es unterstützt aber mit seinen Vor- und Nachteilen den gewerkschaftlichen Entwicklungsprozess zu einer solidarischen und darüber hinaus einer notwendigen radikaleren Antwort auf Sozialabbau und Rentenklau.

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