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Der Aufstand der asturischen Bergarbeiter von 1934 | Drucken |  E-Mail
Mika Etchebéhère   
28.10.2012

In den aktuellen Klassenkämpfen im spanischen Staat spielen die Bergarbeiter im nordspanischen Asturien eine hervorragende Rolle. Im Widerstand gegen die Folgen der Austeritätspolitik der EU sind sie derzeit die entschlossenste Kraft. Sie können sich bei ihren Aktionen auf eine alte Tradition stützen, den asturischen Bergarbeiterstreik, der sich zum Aufstand von 1934 entwickelte.

Bei den spanischen Parlamentswahlen im November 1933 verbuchten die Parteien der klerikalen und monarchistischen Reaktion einen triumphalen Sieg. im Herbst 1934 sorgte das Angebot an Mitglieder der klerikalfaschistischen CEDA (Spanische Konföderation der Autonomen Rechten), in die Madrider Zentralregierung einzutreten, für große Empörung in der ArbeiterInnenbewegung. Die Arbeiterallianzen (Strukturen der Arbeitereinheitsfront) und die sozialdemokratische Gewerkschaft UGT (Union General de Trabajadores - Allgemeine Arbeiterunion) riefen am 4. Oktober für ganz Spanien den Generalstreik aus.

Generalstreik
Der Aufruf wurde in weiten Teilen des Landes befolgt, und Katalonien erklärte sich für unabhängig. Während der Generalstreik in kürzester Zeit überall in einer Niederlage endete, weitete er sich im Bergbaurevier Asturien aus. Der Generalstreik ging hier in den bewaffneten Aufstand über, obwohl die stärkste Kraft innerhalb der dortigen Arbeiterallianz, die Federación Socialista Asturiana, die Regionalpartei der sozialdemokratischen PSOE war.

Als entscheidende Faktor wirkte in diesen dramatischen Tagen die sozialdemokratische Bergarbeitergewerkschaft. In mehreren Bergarbeiterstädten und -dörfern versammelten sich GewerkschafterInnen und führten entschlossen den Streik durch. Die Kumpels erstürmten Polizeikasernen und besetzten sie. Die Aufständischen verteilten Maschinengewehre und andere erbeutete Waffen an die ArbeiterInnen.
Am folgenden Tag machten sich mehrere Kolonnen der Bergleute auf den Weg nach Oviedo, der asturischen Provinzhauptstadt. Mit Ausnahme von zwei Kasernen, um die die Kämpfe mit den Regierungstruppen andauerten, war die Stadt ab dem 6. Oktober 1934 unter der Kontrolle der ArbeiterInnen.
Kommune
In Oviedo und in anderen Orten übernahmen sie die Macht und errichteten eine revolutionäre Ordnung. Die historische, kampflose Niederlage der deutschen ArbeiterInnenbewegung vom Frühjahr 1933 war allen gegenwärtig. In Spanien sollte sich diese Entwicklung nicht wiederholen.

Die Bergleute besetzten weitere Städte, vor allem das große industrielle Zentrum von La Felguera. Unter der Losung „Unios Hermanos Proletarios!“ („Einigkeit, Proletarische Brüder!“) erlangten sie die Kontrolle über den größten Teil Asturiens. Fabriken und Ländereien wurden enteignet und gemeinschaftlich geführt. Zur Verwaltung wurden Komitees gewählt. Die Bergarbeiter riefen die „República Socialista Asturiana“ aus - die „sozialistische Republik Asturien“. Die Häfen von Gijón und Avilés blieben jedoch offen.
Die Madrider Regierung reagierte auf den Aufstand mit der Vorbereitung des staatlichen Terrors. Truppen sollten die von den Bergleuten kontrollierten Städte und Landstriche zurückerobern. Allerdings zögerte die Konterrevolution aus Furcht vor Meutereien, reguläre spanische Truppen einzusetzen. Sie entschied sich zum ersten Mal, Fremdenlegionäre und maurische Kolonialtruppen gegen einheimische ArbeiterInnen zu entsenden.

Am 7. Oktober 1934 erreichte eine Delegation von Anarchisten aus den Hafenstädten Gijón und Avilés die Hauptstadt Oviedo. Sie baten um Waffen, um sich gegen die Ankunft von Regierungstruppen in den Häfen wehren zu können. Der von der sozialdemokratischen Gewerkschaft UGT kontrollierte Ausschuss verweigerte ihnen jedoch eine ausreichende Unterstützung. Die Delegation mußte mit leeren Händen zurückkehren, und so traf die bewaffnete Staatsmacht auf wenig Widerstand, als sie Gijon und Avilés am 8. Oktober eroberte.
Staatsterror
Der asturische Aufstand kündigte die bevorstehenden Ereignisse der spanische Revolution an. General Franco sollte der Erhebung in Asturien ein blutiges Ende bereiten.
Es dauerte etwa vierzehn Tage bis Regierungstruppen unter Francos Führung die „Kommune von Oviedo“ und die KämpferInnen der „Roten Armee Asturiens“ niedergeschlagen hatten.
Der grausamen Unterdrückung der isolierten asturischen Kommune fielen etwa 3.000 Menschen zum Opfer, mindestens 30.000 wurden inhaftiert und viele verloren ihre Arbeit. Alle gewerkschaftlichen „Volkshäuser“ wurden geschlossen. Gefangene Bergarbeiter wurden gefoltert, vergewaltigt, verstümmelt und exekutiert.

Seit dem 19. Jahrhundert hatten die Herrschenden im spanischen Staat keine derartig brutale Unterdrückung durchgeführt. Dies warf einen Schatten auf die Greuel voraus, die zwei Jahre später im Spanischen Bürgerkrieg verübt werden sollten.
Trotz ihrer Niederlage wurde die asturische Kommune zum Symbol der Notwendigkeit und der Möglichkeit des bewaffneten Widerstands gegen den Faschismus. Es gab damals Felix Morrow zufolge das Sprichwort, dass der Aufstand „erfolgreich gewesen wäre, hätte es drei Asturien gegeben“.
Erneut wuchs in der spanischen ArbeiterInnenbewegung die Stimmung für die Einheit massiv an. Die maßgebenden gewerkschaftlichen und politischen Apparate der Linken sahen sich jedoch der Klassenzusammenarbeit verpflichtet. Sie schwächten somit entscheidend den Kampf gegen die rechte Konterrevolution im bevorstehenden Bürgerkrieg von 1936 bis 1939.

 

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