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Klaus Engert   
14.04.2012

Die große Depression 1929 ff. in den USA brachte die dortigen Ökonomen auf eine ganze Reihe von mehr oder weniger guten Ideen, wie sie zu überwinden sei. Eine war Roosevelts „New Deal“, eine andere ist weniger bekannt.

Im Jahr 1932 schrieb ein gewisser Bernard London einen Artikel mit dem Titel: “Ending the Depression Through Planned Obsolescence”, zu Deutsch: „Die Depression mit geplanter Obsoleszenz beenden.“ In diesem Artikel beschuldigte er die Verbraucher, die Krise dadurch hervorgerufen zu haben, dass sie „ihre alten Autos, alten Radios und ihre alten Kleider viel länger benutzten, als es die Statistiker vorhergesagt hatten.“ Sein Vorschlag war schlicht, die Haltbarkeit von Produkten gesetzlich zu begrenzen....

Dieser Vorschlag fand damals kein wesentliches Echo. In den fünfziger Jahren gab dann ein amerikanischer Industriedesigner, Brooks Stevens, dem Begriff eine neue Definition. Eigentlich bedeutet Obsoleszenz das Veralten eines Produktes – ob nun künstlich oder natürlich. London wollte sozusagen eine eingebaute Haltbarkeitsgrenze. Stevens dagegen meinte mit geplanter Obsoleszenz Folgendes: „Im Käufer den Wunsch zu wecken, etwas zu besitzen, was ein bisschen neuer und ein bisschen besser ist, und das früher als notwendig.“
Die Methode, das zu erreichen, ist seit langem bekannt und sehr wirksam, sie heißt Werbung.
Warum Obsoleszenz?
Immer wieder beschweren sich Verbraucherverbände über geringe Haltbarkeit von Produkten, eingebaute Schwachstellen, Nichtreparierbarkeit oder andere „Unzulänglichkeiten“. Sie scheinen nicht zu begreifen (oder nicht zu wollen?), dass diese Art zu produzieren inzwischen für das kapitalistische Wirtschaftssystem überlebensnotwendig ist. Und das begann schon sehr früh. K. Hasse hat in seinem Artikel zu diesem Thema in der Novembernummer der avanti einige gute Beispiele aufgeführt. Bemerkenswert ist das Glühbirnenkartell der dreißiger Jahre, als die großen Hersteller sich auf 2000 Stunden maximale Betriebsdauer einigten. Der zitierte Bernard London unterlag nämlich einem profunden Irrtum: Die von ihm geforderte Obsoleszenz musste nicht eingeführt werden, die gab es längst, wenn auch nicht staatlich verordnet, sondern unter der Hand.

Was die Verbraucherschützer nicht begreifen, ist, dass bei dem heute erreichten Stand der Produktivkräfte, also den vorhandenen Produktionskapazitäten, ohne ein gerüttelt Maß an Obsoleszenz der gesamte Verwertungskreislauf ins Stocken geraten würde.
Ein Gedankenexperiment
Nehmen wir einmal an, Kühlschränke, Staubsauger, Autos, Straßenbahnen würden (was sehr leicht möglich wäre und im Modell auch schon nachgewiesen wurde) so gebaut, dass sie zehnmal so lange halten würden wie heute, und überdies so konstruiert, dass sie problemlos repariert werden könnten. Das würde auf einen Schlag die Nachfrage um 90 % sinken lassen. Das heißt, entweder müsste die Arbeitszeit in diesen Produktionsstätten um 90 % gesenkt, oder neun von zehn Betrieben müssten geschlossen werden. Das würde allerdings bei unveränderter Wirtschaftsstruktur ein Riesenproblem erzeugen: wohin mit dem angehäuften Kapital? Obsoleszenz ist ja nicht nur dazu da, einen stabilen Absatz zu garantieren, sondern auch dazu, das zu sichern, was die Verwertungsmaschinerie unbedingt braucht, um in Gang zu bleiben: Wachstum. Denn die erwirtschafteten Gewinne sind tot, wenn sie nicht wieder in den Kreislauf eingespeist werden können, um erneute Profite zu generieren. Deshalb sind auch Forderungen nach „haltbareren“ (Konsum)gütern so brisant.
Gehirnwäsche
Natürlich kann andererseits die Haltbarkeit von Produkten nicht unter eine bestimmte Grenze verkürzt werden. Und da setzt die Strategie des Herrn Stevens an. Die Werbeindustrie macht seit seiner Zeit (und auch schon vorher) nichts anderes, als den Menschen einzureden, dass das „neue“ Modell (sei es nun Auto, Handy oder Jeans) besser sei als das alte und verknüpft das dann auch noch mit sogenannten Statusfragen. Wenn diese Strategie greift (und sie tut es ganz offensichtlich), dann hat man die Obsoleszenz sozusagen virtualisiert – man hat sie vom Produkt, der Hardware, auf die Software des Verbrauchers transferiert. Und wenn dann die Firma Apple nach einem Jahr ein neues, angeblich verbessertes Gerät herausbringt, dann stehen alle Schlange vor dem Geschäft, auch wenn sie noch nicht einmal die technischen Möglichkeiten ihres alten Gerätes annähernd nutzen.

Daran kann auch eine Verlängerung der Haltbarkeitsdauer nichts ändern. Was etwas ändern kann, ist die Tatsache, dass der Kampf gegen Obsoleszenz zunehmend zur Überlebensfrage wird: Die mit ihr verbundene grenzen- und schrankenlose Ausbeutung und Verschwendung natürlicher Ressourcen ist schließlich auch eine der Hauptursachen des drohenden ökologischen Kollapses.

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