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Erfolge der grenzüberschreitenden Résistance | Drucken |  E-Mail
Heinrich Neuhaus   
21.01.2012

Die Pariser Konzernleitung von Alstom wollte erneut Tausende von Arbeitsplätzen im Kraftwerks- und im Transportbereich des global tätigen Konzerns vernichten. Damit sollten die Vorgaben des Großaktionärs Bouygues erfüllt werden.

Er will weiter überhöhte Renditen kassieren. Statt 3-4 % wie vor 11 Jahren werden 8-10 % für 2011/12 angestrebt. Das „Top-Management” um Konzernboss Kron steigert zudem mit „Optionsplänen” seine eigenen „Bezüge” um zweistellige Millionensummen.
Den (Noch-)Beschäftigten wurde die Rechnung für dieses Vorgehen im 2. Halbjahr 2010 präsentiert. Ein dreistelliger Millionenbetrag pro Jahr sollte gestrichen werden durch:

  • beschleunigte Verlagerung in Billiglohnländer (Polen, Indien und China) und Einsatz von Leiharbeiter­Innen,
  • fortgesetzten massiven Arbeitsplatzabbau insbesondere in Europa (Schweiz, Deutschland usw.)
  • und die Fortführung des Zermürbungskrieges gegen die größten deutschen Werke Salzgitter (Schienenfahrzeuge) und Mannheim (Kraftwerke).

In Salzgitter forderte die Konzernleitung zudem von der Belegschaft den Verzicht auf bis zu 45 % des Bruttoentgelts. Dies war ein Angriff auf alle Beschäftigten im Konzern.
Billigstrategie
Alstom setzt auf eine Billigstrategie, die den einstmals guten Ruf der Konzernprodukte ruiniert. Allein im Kraftwerksbereich hat das Management in den letzten drei Jahren weit über 1 Milliarde Euro in den Sand gesetzt durch:

  • die Schließung und Verlagerung der Mannheimer Generatorfertigung,
  • „Billigeinkäufe” bei Zulieferteilen für Turbinen
  • und nicht zuletzt durch importierte Qualitätsmängel im Kesselbau.

Statt Ursachenforschung zu betreiben, setzte die Konzernleitung ihren Kurs stur fort. Das ist umso absurder, als vor allem im Transport- aber auch im Kraftwerkssektor die Nachfrage zugenommen hat. Aufgrund des Klimawandels und nach den Super-GAUs von Fukushima befindet sich zudem die Energieerzeugung weltweit in einem tiefgreifenden Umbruch. Das können selbst Laien erkennen.
Die konsequente Entwicklung von effizienteren Gasturbinen, Dampfturbinen für solarthermische Kraftwerke, Industrieturbinen für dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung oder großen Windkraftanlagen ist dringend erforderlich. Stattdessen setzt die Konzernleitung immer noch weitgehend auf die Vermarktung der alten Technologien.
Alternativen
In einem Betriebsflugblatt des RSB Mannheim wurde an Diskussionen in der Belegschaft angeknüpft: „Es gibt Alternativen zu diesem katas­trophalen Kurs [der Konzernleitung] gerade für das Mannheimer Werk:

  1. Schluss mit dem Wissens- und Technologie-Transfer in Billiglohnbereiche.
  2. Statt Personalabbau lang­fristiger Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.
  3. Unbefristete Übernahme aller Auszubildenden.
  4. Erhalt aller Kompetenzen.
  5. Aufbau neuer Beschäftigungsfelder für eine effiziente und erneuerbare Energieerzeugung.

Kapitalismus bedeutet Arbeitsplatzvernichtung. Unsicherheit, Angst, psychische Erkrankungen und Armut sind die Folgen. Warum sollten wir die zerstörerischen Kräfte dieses Wirtschaftssystems weiter hinnehmen? Warum können wir nicht mit unseren Gewerkschaften ein allgemeines Verbot von Entlassungen durchsetzen?

Alstom missachtet seine gesellschaftliche Verantwortung. Warum sollten wir nicht die Anwendung des Artikels 14 Grundgesetz und die Enteignung des Konzerns fordern? Warum könnte das Unternehmen nicht unter Kontrolle der Beschäftigten gemäß den Bedürfnissen der Gesellschaft fortgeführt werden?
[...] Um unsere Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern zu können, bedarf es... eines langen Atems. Wir werden auch in Zukunft für unsere Interessen gemeinsam und organisiert kämpfen müssen – lokal, national, international!“
Widerstand
Mit zahlreichen Arbeitsniederlungen und Demonstrationen gelang es den Kolleg­Innen und ihren Interessenvertretungen erneut, Schlimmeres zu verhindern. Zu erwähnen sind vor allem der bundesweite Aktionstag am 2. November 2010, die auch von den Belegschaften der anderen Alstom-Werke in Deutschland unterstützte Großdemonstration in Salzgitter am 25. Mai und der europaweite Aktionstag am 30. Mai 2011.
Außer in Salzgitter wurden keine Zugeständnisse bei Arbeitszeit oder Entgelt gemacht. Über Regelungen zur Fortführung von Kurzarbeit, Ausdehnung von Altersteilzeit und interne Versetzungen konnten die von Konzernseite angekündigten betriebsbedingten Kündigungen verhindert werden. Im Mannheimer Werk sind diese zum Beispiel mindestens bis Ende 2014 ausgeschlossen.

Diese erneute Atempause im lang anhaltenden Abwehrkampf der Kolleg­Innen von Alstom war nur möglich durch die gewerkschaftliche Organisierung der Belegschaften und die aktive Solidarität über Länder- und Sektorgrenzen hinweg.

Infos über den Widerstand bei Alstom sind im Netz zu finden unter http://www.resistance-online.net

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