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Die Rollen der Geschlechter | Drucken |  E-Mail
Sara Fervor   
01.04.2011

Bist Du gutmütig, freundlich, hilfsbereit, gewissenhaft und obendrein lieblich anzuschauen? Dann haben wir die passende Rolle für dich: Frau.

Diese und andere Tugenden wie Demut, sanftes Wesen, unterwürfiges Verhalten oder emotional sehr einfühlend sein beschreiben im Großen und Ganzen die Erwartungen, die an eine Frau gestellt werden, um in diese Gesellschaft zu passen. Schon vom Kindesalter an schulen dich Sätze wie „Aus dir wird bestimmt mal eine feine Dame“ – wenn du jetzt die Klappe hältst. Während die Jungs bei der Familienfeier stundenlang im Sandkasten buddeln, darfst du in deinem Kleidchen brav den Gesprächen der Erwachsenen lauschen. Früh übt sich, was eine Meisterin im Nicken und Zustimmen werden will.

Wir werden zu Frauen gemacht. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden von der Gesellschaft lediglich künstlich erzeugt. Das Einzige, was Frau und Mann voneinander trennt, ist die Fähigkeit zum Gebären. Alle anderen Unterschiede in den körperlichen Merkmalen bzw. den aus ihnen resultierenden Fähigkeiten zwischen Frauen und Männern sind nichtig im Vergleich zu den Unterschieden innerhalb der Geschlechtergruppen.
Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
Fraulich sozialisierte Menschen können also nicht „von Natur aus“ bestimmte Aufgaben besser bewältigen als andere, sondern in Erziehung, Bildung und Ausbildung werden ihnen Tätigkeiten wie auf Kinder aufpassen und Putzen besonders gut beigebracht. Meist müssen sie diese Aufgaben erfüllen und ihre Brüder wechseln eben die Winterreifen oder schneiden die Hecke. So entwickelt sich ein generationenübergreifendes Familienmodell, bei dem die Frauen zwei Drittel der Reproduktionsarbeit verrichten. Dazu gehören folglich nicht nur der Haushalt, die Kindererziehung und die Ernährung des Mannes, sondern auch die Reproduktion genau dieser Verhältnisse. Diese Arbeit ist gesellschaftlich nicht anerkannt und wird folglich nicht bezahlt, obwohl sie überlebensnotwendig ist.

Es entsteht ein Teufelskreis: Erstmal gefangen in einer Kleinfamilie geht die Frau meist in die Kinderzeit, dann wächst der Wäscheberg zu Hause und sie kann nur Teilzeit arbeiten, da ihr Mann schließlich bei 40 Stunden plus Fahrtzeit nicht mehr die Kinder abholen kann. Die Lücke im Lebenslauf lässt die Chancen auf eine Festanstellung mit ausreichendem Lohn sinken. Sie ist deswegen sowieso gleich in die schlechtere Steuerklasse gegangen und ihr Geld reicht gerade so für die höheren Beiträge der Krankenkasse. Da sie bei gleicher Arbeit nicht mal annähernd den gleichen Lohn wie ihr Mann verdient, bleibt sie auch weiterhin finanziell abhängig von ihm.

Und jetzt noch mal die Frage: Bist du gutmütig genug, um deinem Mann zuliebe zu Hause zu bleiben? Bist du freundlich genug, um ihn bei jeder kleinen Anschaffung nach Geld zu fragen? Bist du hilfsbereit genug, um ihm jeden Tag sein Zeug hinterher zu räumen? Bist du gewissenhaft genug bei der Abarbeitung deiner Aufgabenliste und obendrein lieblich anzuschauen? Dann bist du auch stark genug, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und selbst zu entscheiden, was du lernen und arbeiten möchtest und auf wen du alles aufpasst. Was Befreiung der Frau bedeutet, kannst nur du allein bestimmen, und wenn du sie erreichen willst, dann nimm dir die Zeit und schließe dich mit anderen zusammen, denn du bist nicht die einzige Frau auf dieser Welt.
Haushalt in den Händen der Gesellschaft
Schauen wir auf die Oktoberrevolution 1917. Sie wurde unter anderem durch Demonstrationen anlässlich des Internationalen Frauenkampftages ausgelöst. Bis 1920 haben diese Kämpfe erreicht, dass Frauen wählen sowie über sich und ihren Körper entscheiden können, indem sie die gerichtliche Scheidung verlangen und abtreiben dürfen. Als Lenin sagte: „Das Proletariat kann keine vollkommene Freiheit erringen, wenn es nicht die vollkommene Freiheit für die Frauen erringt“, wollten er und andere Bolschewiki die Frauen aus den Familien holen und die Reproduktionsarbeit in die Hände der Gesellschaft legen. Dadurch sollten sie ökonomische Selbstständigkeit erlangen und ihre Arbeit wurde öffentlich gesehen und anerkannt. Gemeinschaftsküchen und -wäschereien, öffentliche Speisesäle und Kinderkrippen wurden aus dem Boden gestampft.

Doch die Frauen waren den Männern nicht gleichgestellt und sie sind es auch heute nicht. Wenn sich Frauen und Männer nicht die Reproduktionsarbeit teilen, dann kann von gleicher Stellung der Geschlechter keine Rede sein. Wenn Frauen die gleichen Tätigkeiten zu Hause und auf Arbeit ausüben – nur einmal nicht entlohnt und das andere Mal schlecht entlohnt – dann bleibt die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bestehen. Sie sorgt dafür, dass die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Frauen und Männern stets weiter getragen werden. Auf diese Weise werden aus Kindern immer wieder „Frauen“ und „Männer“ gemacht.

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