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Das Ende der Übereinstimmung | Drucken |  E-Mail
Linda Martens   
01.03.2011

Selbstverständlich geht die überwiegende Mehrheit der Menschen zumindest in unserem Kulturkreis davon aus, dass es zwei Geschlechter gibt, die genau voneinander abgegrenzt werden können: Jeder Mensch soll entweder Mann oder Frau und schon aufgrund der körperlichen Merkmale eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen sein.

Bei Uneindeutigkeit des biologischen Geschlechts wird mit einem operativen Eingriff Eindeutigkeit hergestellt. Mit dem Geschlecht verbunden ist die „richtige“ sexuelle Orientierung.

Gleichzeitig existieren klare Vorstellungen von männlichem und weiblichem Verhalten: Frauen sind emotional und neigen zu Irrationalität. Sie kümmern sich um ihre Mitmenschen und sind bereit, sich für ihre Familie aufzuopfern. Männer dagegen handeln rational, sie sind stark und sie vertreten mit dem Einsatz ihrer Ellenbogen ihre Interessen. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Frauen eine besondere Eignung für soziale Berufe sowie für die Familienarbeit zugesprochen. Männer dagegen bewähren sich in den Berufen, wo analytisches Denken und Durchsetzungsvermögen gefragt sind.

Mit der Geschlechtszugehörigkeit verbunden ist eine angeblich natürliche Ungleichheit der sozialen Stellung. So gibt es schon bei der Geburt des Kindes eine Erwartungshaltung an sein zukünftiges Verhalten, seine Bedürfnisse und seine spätere Rolle in der Gesellschaft. Diese Erwartungshaltung beeinflusst die Erziehung in Elternhaus und Schule, und zwar umso nachhaltiger, je mehr die Erziehenden und die gesellschaftliche Realität selbst geprägt sind von diesen Rollenbildern.

Da die Geschlechterrollen vom Babyalter an gelernt werden, sind sie stark verinnerlicht und prägen das Verhalten und das Selbstverständnis von Mann und Frau. Nicht alle Menschen können und / oder wollen jedoch diese Zuordnung für sich vornehmen, und es besteht auch keine objektive Notwendigkeit für eine solche Eindeutigkeit. Wenn Transsexuelle sich dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig fühlen, bedeutet dies keineswegs, dass sie in jedem Fall eine operative Anpassung an das „richtige“ Geschlecht wünschen.
Sex und Gender
Bis vor kurzem waren in Deutschland Transsexuelle gezwungen, den erheblichen chirurgischen Eingriff einer Geschlechtsumwandlung über sich ergehen zu lassen, verbunden mit der dauerhaften Zerstörung ihrer Fortpflanzungsfähigkeit, um mit allen Rechten und Pflichten die Geschlechtszugehörigkeit wechseln zu können. Im Januar 2011 erklärte das Bundesverfassungsgericht diese Regelung im Transsexuellengesetz für verfassungswidrig, weil es gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit verstößt. Somit gibt es nun Frauen mit Penis und Männer mit Busen, was einen erheblichen Fortschritt darstellt im Kampf um das Aufbrechen des Geschlechterdualismus.

Transsexuelle sind nur ein Beispiel für Menschen, die eine Zuordnung zu ihrem biologischen Geschlecht oder zu einem Geschlecht überhaupt ablehnen oder sich zumindest nicht vollständig mit einem der Geschlechter identifizieren. Die große Mehrheit jedoch definiert sich selbst als Mann oder als Frau, in Übereinstimmung mit dem biologischen Geschlecht. Und alle finden eine soziale Realität vor, die erzeugt wird durch das biologische Geschlecht und die nicht frei wählbar ist.
Geschlechternorm und Selbstbestimmung
Dennoch ist die Auseinandersetzung um die zweigeschlechtliche Norm keine Frage, die nur eine Minderheit betrifft. Die gesellschaftlich eingeforderte Anpassung der eigenen Identität an vorgegebene geschlechtsspezifische Muster führt zu Unfreiheit sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Eine Abweichung von der vorgegebenen Rolle erscheint als persönlicher Mangel und wird entsprechend sanktioniert. Frauen, die laut, und noch mehr Männer, die sanft und nachgiebig sind, werden mehrheitlich abgelehnt und nicht anerkannt. Eine Mutter, die ganztags als Mathematikerin arbeitet, ist aber weder widernatürlich noch verantwortungslos. Und ein Vater, der Freude daran hat, sich um seine Kinder zu kümmern, statt einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, ist keine lächerliche Figur.

Nicht Zuschreibungen von außen, sondern die tatsächlichen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Eigenschaften eines jeden Menschen sollten maßgebend sein für das, was er/sie tut, wie er/sie es tut und wo er/sie es tut. Die Umsetzung von letzterem stößt freilich schnell an die Grenzen, die durch die existierenden ökonomischen und patriarchalen Machtverhältnisse gesetzt werden.

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