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Leo Trotzkis „Denkzettel“ | Drucken |  E-Mail
Jochen Sussa   
01.10.2010

Zu Beginn dieses Jahres ist in der Schriftenreihe Aufstand der Vernunft (AdV) der österreichischen internationalen marxistischen Strömung „Der Funke“ eine Neuauflage der „Denkzettel“, einer Anthologie von  Texten von Leo Trotzki erschienen.

Mit „Denkzettel“ liegen dankenswerterweise seit 20 Jahren erstmals wieder dem deutschsprachigen Publikum eine Auswahl von 58 Texten Trotzkis vor. Der Band wurde mit einem neuen Vorwort versehen und enthält ein neues erweitertes, ausführliches Register und veränderte Literaturhinweise.

Gibt es denn heute überhaupt ein Publikum, dem solche Texte aus der Vergangenheit noch etwas zu sagen haben? Ich denke, dass jedem der die Welt nicht so belassen will, wie sie ist, dieses Buch wichtige Gedankenanstöße geben kann – eben Denkzettel.
Die hohe schriftstellerische Qualität der Texte Trotzkis und seine Sprachgewalt, bei der man merkt, dass jedes Wort mit dem Verstand und dem Herzen geschrieben ist, macht das Lesen zu einem Vergnügen. Kein Vergleich mit der Ödnis der Memoiren heutiger bürgerlicher Politiker.

Schon der erste Text, bei dem der junge Trotzki an der Schwelle des neuen Jahrhunderts steht und ihm angesichts aller Kriege und allen Elends optimistisch zuruft: „Haß und Mord, Hungersnot und Blut.. Es scheint so, als ob das neue Jahrhundert, dieser gigantische Neuankömmling vom ersten Augenblick seines Erscheinens an nur darauf aus wäre, den Optimismus in einen völligen Pessimismus und ein bürgerliches Nirwana hineinzutreiben.

Nieder mit der Utopie! Nieder mit dem Glauben! Nieder mit der Liebe! Nieder mit der Hoffnung! donnert das zwanzigste Jahrhundert inmitten der Gewehr und Kanonensalven.

Ergib dich, du sentimentaler Träumer. Hier bin ich, dein lang erwartetes zwanzigstes Jahrhundert, deine ›Zukunft‹.
Nein erwidert der ungebeugte Optimist: Du – du bist nur die Gegenwart.“(S.41)

Hundert Jahre später, an der Schwelle eines neuen Jahrtausends, sehen wir uns immer noch vor der gleichen Situation stehen. Und dieses kleine bisschen Hoffnung führt auch uns dazu, weiter zu machen, diese Zeitung zu machen und mit unseren bescheidenen Beiträgen zu helfen, dass die Zukunft der Menschheit eine andere sei.
Themenvielfalt
Wenn man – wie die Globalisierungskritiker – sagt: „eine andere Welt ist möglich“, dann wird mensch an der Frage nicht vorbeikommen, warum der größte Menschheitsversuch sich aus Elend, Rückständigkeit und Ausbeutung zu befreien, so sehr misslungen ist. In den Texten zur Revolution, zum sowjetischen Aufbau, zur stalinistischen Bürokratisierung und zur Entartung der russischen Revolution lassen sich Antworten finden, mit denen sich die Ausein­andersetzung lohnt.
Die Textsammlung spannt sich von Beiträgen zu Literatur und Kunst, Wissenschaft und Philosophie und Moral, die zeigen wie sehr Trotzkis „Geist die verschiedensten Gebiete menschlicher Erfahrung (erkundete)“ (H. Dahmer) bis zu Analysen und Kommentaren zu allen wichtigen Ereignisse der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts: dem ersten Weltkrieg, der kolonialen Welt, dem Aufkommen und Sieg des Faschismus.

„Nachdem die deutsche Arbeiterklasse von Sozialdemokraten und Stalinisten irregeführt und von den Nazis zerschlagen worden war, zog er den Schluß, die von ihm und Lenin gegründete Dritte Internationale fungiere nicht mehr als fortschrittliche revolutionäre Organisation.“ (H. Dahmer) Hofft er vorher noch mit der Linken Opposition die Dritte Internationale reformieren zu können, so beschloss er nun eine neue, die Vierte Internationale zu gründen. Wir finden Auszüge aus dem Gründungsdokument und dem letzten Manifest, das Trotzkis für die Vierte Internationale entwarf.

In seinem Todesjahr 1940 schrieb Trotzki in seinem Testament: „In den 43 Jahren meines bewußten Lebens bin ich ein Revolutionär gewesen, davon habe ich 42 Jahre unter dem Banner des Marxismus gekämpft. (…) Ich sterbe als proletarischer Revolutionär, als Marxist, als dialektischer Materialist und – folglich – als unversöhnlicher Atheist. Mein Glaube an die kommunistische Zukunft der Menschheit hat an Glut nichts eingebüßt, – in Wahrheit ist er heute zuversichtlicher als in den Tagen meiner Jugend.“ (S. 422) Die hier vorliegende Trotzki-Anthologie (The Age of Permanent Revolution) wurde auf Anregung von C. W. Mills, einem US-amerikanischen Soziologen, der sich insbesondere mit den Machtstrukturen moderner Gesellschaften beschäftigte, von dem Amerikanischen Kommunisten und marxistischen Theoretiker George Novack zusammengestellt und erschien mit einer Einleitung von Isaac Deutscher 1964 in den USA. I. Deutscher war marxistischer Schriftsteller und Journalist und ist als Biograf von Stalin und Trotzki bekannt.

1981 kam eine (aus dem Englischen übersetzte und durch einige Texte ergänzte) deutsche Ausgabe heraus (edition suhrkamp, Nr. 896), die Helmut Dahmer eingerichtet hatte, der auch für diese Neuauflage verantwortlich ist. Der deutsche Soziologe und Publizist H. Dahmer, ist unseren Lesern auch durch seine Veröffentlichungen in dieser Zeitung bekannt.

Die in der früheren Ausgabe von George Novack verfasste kurze „Bio­graphische Notiz“ wurde in dieser Ausgabe durch die Angaben von H. Dahmer zu „Trotzkis Leben und Schriften“ ersetzt.

Die Zusammenstellung wird von Alan Woods eingeleitet, einem trotzkistischen Politiker und Journalist. A. Woods leitet die Arbeit der Internationalen Marxistischen Tendenz (IMT). Seine Einleitung gibt den verschieden Texten von Trotzki einen würdigen Rahmen und hilft die Texte historisch einzuordnen. In gut lesbarer Form läuft das Leben Leo Trotzkis vor dem Auge des Lesers ab, spannend wie ein Abenteuerroman.

Das Buch bietet einen hervorragenden Überblick über Trotzkis Denken und macht hoffentlich neugierig auf mehr.

Leo Trotzki: Denkzettel – Politische Erfahrungen im Zeitalter der permanenten Revolution
AdV-Verlag, 496 Seiten, 24 €, ISBN 978-3-9502191-4-2

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