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Im August 1960 kam in den USA ein Medikament auf den Markt, ein Ovulationshemmer, der es den Frauen ermöglicht, ihre Reproduktionsfähigkeit selbst zu kontrollieren – die Antibabypille. Diese Bezeichnung hat sich durchgesetzt, obwohl es eher eine „Profrauenpille“ ist. Der Spruch, der später bei den Demonstrationen für das Recht auf Abtreibung üblich war: „Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine“, hatte hier seine Grundlage. Als 1961 die Pille auch in der Bundesrepublik, wenig später auch in der DDR auf den Markt kam, geschah das vor dem Hintergrund einer rigiden Sexualmoral. Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe war unzüchtig, es galt der Kuppeleiparagraf; mensch machte sich strafbar, wenn er diesen unmoralischen Verkehr auch nur begünstigte. Die männliche Dominanz galt auch in der Ehe, Vergewaltigung in der Ehe konnte es nicht geben. Die Frau genügte ihrer Unterhaltspflicht durch die Arbeit im Haus. Berufstätig konnte sie nur sein, wenn sie diese Pflichten nicht verletzte. Wenn der Mann seinen Unterhaltspflichten nicht nachkommen konnte, war sie aber zur Erwerbstätigkeit verpflichtet. Auch die Eröffnung eines eigenen Kontos war behindert. Im Sorgerecht für die Kinder galt als letztes Wort das des Vaters. Die langwierigen Kämpfe um den Paragrafen 218 machen deutlich, was die Möglichkeit, die eigene Fruchtbarkeit zu regulieren, bedeutet. Noch 1989 wurde der „Memminger Prozess“ gegen einen Frauenarzt wegen Abtreibungen geführt, der sich nicht an alle einschränkenden Vorgaben gehalten hatte. Anfangs wurde die Pille aus medizinischen Gründen verschrieben, bei schwerer Akne, bei starken Menstruationsbeschwerden, zugleich wurde darauf hingewiesen, dass die Pille auch Nebenwirkungen hat, etwa das Krebsrisiko steigert. Aber dagegen lassen sich die sinkenden Zahlen der Abtreibungen setzen, die, da oft illegal, auch von „Engelmacherinnen“ betrieben wurden. Als sich die Pille während der 68er Jahre durchsetzte, schlug die neue Freiheit Purzelbäume. Nur vor diesem Hintergrund war der Spruch: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ überhaupt möglich. Mensch beachte die weibliche Form: derselben, nicht demselben. Das Patriarchat saß noch fest im Sattel. Die sich entwickelnde Frauenbewegung hat es den Frauen aber erleichtert, ihre Selbstbestimmung durchzusetzen. Laut einer Untersuchung von 2009 verhüten 40 % der Frauen mit der Pille. Deshalb ein Hoch auf Gregory Pincus, John Rock und Carl Djerassi, die für uns als Väter der Pille gelten sollen. Und: „ Make love, not war“ ist auch ein schöner Spruch! |