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Für finanzielle Grundsicherung! | Drucken |  E-Mail
Philipp Xanthos   
08.06.2010
Studiengebühren, Einschreibegebühren, Rückmeldegebühren, Verwaltungsgebühren, Kursgebühren.  Dazu Kosten für Bücher, Kopien, Exkursionen, Fahrkarten, Krankenkasse. Für all das müssen Studierende aufkommen, zusätzlich zu den „normalen“ Kosten des Lebens, also z.B. Miete und Lebensmittel. Wer nicht von reicher Verwandtschaft leben kann und auch kein oder nicht genug BaföG bekommt, muss daher zusätzlich zum Vollzeit-Studium arbeiten.

Und mit Sicherheit ist jeder Job, den mensch als StudierendeR bekommen kann, eine Eintrittskarte in die Welt der prekären Beschäftigung.
Strukturelle Abhängigkeit
Mit notwendigen und unbezahlten Praktika in Laboren, Schulen und bei Zeitungen werden unzählige Menschen an den Rand der modernen Sklaverei gedrückt. Wer ein Berufsleben im Wissenschaftsbereich anstrebt, wird für Jahre, vielleicht für Jahrzehnte in extremer Prekarität (d.h. befristete Arbeitsverträge, sehr niedriges Entgelt, mangelnde Sozialversicherung) gefangen sein.  Dies ist ein munterer Springquell der entfremdeten Bildung, der ideologischen Korruption und der absoluten Vereinzelung. Denn wessen Hauptziel es ist, möglichst schnell aus dieser Situation herauszukommen, wird sich kaum kritisch mit den Bildungs-Inhalten auseinandersetzen, wird seine Meinung dem (zukünftigen) Chef gegenüber für sich behalten und erst recht nicht dafür demonstrieren, noch länger studieren zu „dürfen“, d.h. länger in größter Abhängigkeit zu leben. Burschenschaften, Kirchen und andere autoritäre Vereine dürften allein in dieser strukturellen Notlage der Studierenden ihre materielle Existenzbedingung haben; können sie doch zumindest ein Dach über den Kopf und etwas wie „soziale Wärme“ bieten.
Keimzelle der Gesellschaft
Es gehört zu den ideologisch-moralischen Grundfesten der bürgerlichen Gesellschaft, dass junge Menschen ökonomisch abhängig von ihren Eltern sein müssen, von anderen Abhängigkeiten ganz zu schweigen. Dies gilt als naturgemäß, gottgegeben und ungeheuer romantisch. Wir haben nicht das geringste Interesse an der Aufrechterhaltung vormoderner Abhängigkeitsverhältnisse. Gleichzeitig ist es Eltern nicht zuzumuten, für die Ausbildung ihrer Kinder aufzukommen, die ja ein gesellschaftliches Erfordernis ist. Daher fordern wir, dass jedem jungen Menschen, gleich ob SchülerIn, Azubi oder StudentIn, die materiellen Voraussetzungen für ein eigenes Leben gewährt werden, d.h. vor allem die Übernahme der Mietkosten.   
Unsere finanziellen Forderungen
Wir fordern eine finanzielle Grundsicherung für alle jungen Menschen, und zwar leistungs- und eltern-unabhängig sowie unbefristet und rückzahlungsfrei. Die strukturelle Unterfinanziertheit des Bildungs- und Ausbildungssektors entspringt den Verwertungsbedingungen des Kapitals und gleichzeitig der Schwäche des Widerstands der Betroffenen. Die SchülerInnen, Auszubildenden und Studierenden tragen nicht die Verantwortung für diese gesellschaftlichen Verhältnisse und für die Liquiditätsprobleme des bürgerlichen Staates. Der Kapitalismus braucht uns, wir brauchen ihn nicht. Wir haben ein Recht auf ein Leben in Unabhängigkeit und materieller Sicherheit.

  • Schluss mit allen Bildungs-Gebühren!
  • Für eine finanzielle Grundsicherug, eltern- und leistungsunabhängig & rückzahlungsfrei!  
  • Für das Recht auf eigene Wohnung für alle jungen Menschen!

Dieser Text ist Teil der Sondervanti zum Bildungsstreik 2010. Hier kannst du die vollständige PDF-Datei herunterladen.
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