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Tom Bogen   
01.03.2010

In diesem Monat hat ein Science-Fiction-Film seinen DVD-Start, der in bester Genretradition versteckte Gesellschaftskritik übt. Dem Filmteam von District 9 ist eine moderne Fabel gelungen, die hochpolitisch ist und das Thema Vertreibung und Rassismus für das Mainstreamkino durchaus brisant und kritisch aufbereitet.

Wer im Fernsehen Science-Fiction sucht, die philosophische und gesellschaftlich relevante Themen nicht ausspart und halbwegs anspruchsvoll abhandelt, kann neben Star Trek nicht sehr viel finden. Insofern ist District 9 der sehenswerteste Sci-Fi-Film seit Jahrzehnten. Mit viel Medien-Mache und Produktionskosten von „nur“ rund 30 Millionen Dollar, spielte er in den ersten drei Tagen seine Kosten schon wieder ein. Die Menschen strömten nicht zu unrecht in die Kinos.
Gestrandete Aliens
Dort erwartete das Publikum eine rasante und anspruchsvolle Story. Über der südafrikanischen Stadt Johannesburg strandet ein riesiges Raumschiff. Doch nichts passiert. Die Regierung entschließt sich, in das Flugobjekt einzudringen und findet dort 1 Million fast verhungerte Aliens in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand. Die Bergung auf die Erde beginnt und die Probleme fangen an. In der Stadt wird ein Auffanglager errichtet, das bald zum Ghetto mutiert. Die hohen Kosten für die Versorgung sollen durch eine möglichst billige Unterbringung ausgeglichen werden. Die Aliens leben in dem als District Nine bezeichneten Gebiet am Rande des Existenzminimums und ohne jede Würde. 20 Jahre vergehen. In der Zeit wird eine international bezahlte Spezialorganisation mit dem Namen MNU zur Niederhaltung und Kontrolle der Aliens geschaffen. Im ganzen Land machen sich rassistische Vorurteile gegen die Bewohner­Innen breit, die durch ihre Armut zu Diebstahl gezwungen werden und sich ständigen Aggressionen durch die Menschen erwehren müssen. Die Gängelung und Willkür durch die Regierung erreicht ihren Höhepunkt, als die Wesen zur besseren Kontrolle in ein ländliches Gebiet umgesiedelt werden sollen. Der reichlich naive MNU-Mitarbeiter Wikus van de Merwe wird mit der lästigen Aufgabe betraut, die „Vorgaben“ von Menschenrechtsorganisationen umzusetzen, nach der die Aliens ihrer Umsiedlung schriftlich zustimmen müssen. Bei der dazu nötigen Militäroperation, die von Blechhütte zu Blechhütte mitten durch den Slum zieht, um die Erklärungen zu erzwingen, steckt sich van de Merwe mit außerirdischer DNS an, die seinen Arm mutieren lässt. Seine Bürokratensicht ändert sich rapide, als er am eigenen Leib den Rassismus zu spüren bekommt, der ihm plötzlich entgegenschlägt. Obendrein wird er nun von der MNU gejagt, die ihn und seinen Arm braucht, um die hochmodernen Alienwaffen benutzen zu können. Er erfährt, dass die MNU weniger am Wohl der Außerirdischen gelegen ist, als an den enormen Profiten, die mit ihrer Waffentechnologie zu holen sind. Seine Odyssee führt ihn zum Alien Christopher, der sein Volk endlich befreien will. Beide gehen eine Allianz ein.
Rasante Umsetzung
Den Zuschauer­Innen bietet District 9 über 112 Minuten nicht unbedingt gleiche Qualität. Das gesellschaftskritische Element der Handlung verliert zum Ende hin an Bedeutung und weicht der Hollywood-Action. Anders die Ausarbeitung des Charakters van de Merwes. Sein Handeln hat im ersten Teil des Films keine Konsis­tenz. Er wirkt kindisch und vertrottelt und nicht wie ein gefühlloser Bürokrat. Mensch fragt sich, warum so jemand mit der Leitung mehrerer Hundert hochgerüsteter Soldaten betraut wird. Mit zunehmender Entfaltung der Handlung macht die im Drehbuch vorgesehene Wandlung seinen Charakter aber glaubwürdiger. Durchgehend auf Realität getrimmt sind hingegen Kameraführung und Schnitt. Reichlich verwackelte Bilder, teils von Handkamera, nachrichtenähnliche Einschübe, Interviewsequenzen und Media-Schnipsel verleihen dem Film einen dokumentarischen Look. Das ist hervorragend gemacht. Gelungen sind auch die Computertricks.
Autor Neill Blomkamp, der auch Regie führte, hält das Publikum im ersten Drittel des Filmes mit den unappetitlich aussehenden Aliens auf Distanz. Dies lässt den Zuschauer­Innen die rassistische (oder in diesem Fall eher speziesistische) Haltung der Figuren nachempfinden. Nur in dem Maße, wie van de Merwe den Aliens näher kommt, ändert sich auch die Sicht des Publikums.
Eindeutig interpretationswürdig
Blomkamp spielt deutlich auf die Apartheid in Südafrika an, was allein schon der Ort der Handlung nahe legt. Unschwer lässt sich der Plot weiter übertragen: In einem Slum, den sie nicht verlassen dürfen zusammengepferchte Wesen; auf Hilfe von Außen angewiesen und Militäroperationen schutzlos ausgeliefert. All das könnte auch die Beschreibung des Gazastreifens sein. Diese Brisanz scheut der Film nicht, sie ist sogar gewollt. Schön auch manche Details. So sehen Fahrzeuge und Schriftzug der privaten Militärfirma MNU der hiesigen UNO verdächtig ähnlich, die sich ja in Bezug auf mancherlei Konflikte analog als Militärunternehmen im Dienste einiger imperialistischer Länder erweist. Der Film bietet schließlich für jedeN etwas. Fans von Sciencefiction-Action werden auf ihre Kosten kommen, genauso wie Freund­Innen kritischen Kinos. Am Ende gibt es genug Stoff für eine Fortsetzung und natürlich das Happy End à la Hollywood. In der Realität, auf die sich der Film bezieht, gibt es allerdings selten ein glückliches Ende. Trotzdem ist District 9 absolut sehenswert!

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