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„Totalitarismus“ und andere Gespenster | Drucken |  E-Mail
Helmut Dahmer   
01.12.2009

„Bedenkt doch, Euer Gnaden,“ entgegnete Sancho  „dass jene, die sich dort zeigen, keine Riesen, sondern Windmühlen sind, und was an ihnen wie Arme aussieht, sind nur die Flügel, die, vom Wind bewegt, den Mühlstein treiben.“ (Cervantes, Don Quijote)

Ehe man zur Feder greift, sollte man noch einmal nachlesen, den Wortlaut der Sätze prüfen, gegen die man polemisiert, und ebenso die Sachverhalte, auf die man sich bezieht. Weder vor zwei Jahren noch jetzt habe ich – wie G. L. schreibt – „versucht“, „eine völlige Symmetrie zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion unter Stalin herzustellen“1. Ich spreche vielmehr davon, dass der SS-Staat und der GPU-Staat – die zur Verteidigung zweier verschiedenartiger Gesellschaften geschaffen wurden und darum auch ganz verschiedene Funktionen erfüllten – einander zum Verwechseln ähnlich sahen. Der Hitler-Stalin-Pakt warf ein Schlaglicht auf diese fatale Verwandtschaft (was Burnham und, Jahrzehnte später, auch Todorov notiert haben), und in den darauf folgenden 22 Monaten zeigte die Praxis der beiden neuen Verbündeten, dass sie einer des anderen wert waren. Auf eben diesen Zeitraum bezieht sich auch der Zeitzeuge Gustaw Herling. Aussagen von Zeitgenossen (oder das Zitat solcher Zeugnisse) können aber weder „unglücklich“, noch „irreführend“ (G. L.) sein; sie sind zutreffend oder nicht.

Entgegen der Meinung des Genossen Lévy hat schon Trotzki den stalinistisch „degenerierten Arbeiterstaat“ einen „totalitären“ geheißen. Ich führe dazu hier nur drei Passagen (aus den Jahren 1936-1940) an:
„Das Regime [Stalins] wurde ‚totalitär‘, schon mehrere Jahre, ehe dies Wort aus Deutschland herüberkam“2. „Stalins totalitäres Regime ist zu einer wahren Brutstätte für kulturelle Sabotage und militärischen Defätismus geworden“3. „‚Der Staat bin ich‘ ist fast eine liberale Formulierung im Vergleich mit der Wirklichkeit des totalitären Regimes Stalins. […] Der totalitäre Staat geht weit über den Cäsaro-Papismus hinaus, da er die ganze Wirtschaft des Landes umfaßt. Zum Unterschied vom Sonnenkönig könnte Stalin mit gutem Rechte sagen: ‚Die Gesellschaft bin ich!‘“4.
Soviel zur Philologie. Nun aber noch etwas zur (vermeintlichen) Orthodoxie. Genosse Lévy zitiert aus dem (von Trotzki verfassten) Manifest der Notkonferenz der Internationale im Mai 1940 unter anderem den Satz, dass die Weltrevolution die Kreml-Oligarchie auslöschen wird, und fügt hinzu, dass „unser Projekt“ „die Zerschlagung Nazideutschlands durch die deutsche ArbeiterInnenklasse selbst“ war. Er verwendet aber keinen Gedanken darauf, dass Trotzkis Prognose sich nicht bewahrheitet hat und unser Projekt keine Chance hatte. Fragt man nämlich nach den Gründen für die Nichterfüllung der Prognose und für das Scheitern des Projekts, dann stößt man auf den „Totalitarismus“ – den Massenterror der beiden menschenverschlingenden Regime…
Unsere theoretischen Entwürfe und Prognosen sind situationsabhängig. Sie gelten nur unter bestimmten Bedingungen, nur auf Zeit. Erst im Fortgang der Geschichte wird ihre relative Wahrheit und Falschheit kenntlich.

1     Was das heißen soll, versteht niemand außer dem Genossen Lévy.
2     Trotzki, Leo (1936): Verratene Revolution, Kap. V. Schriften, Bd. 1.2, Hamburg 1988, S. 796 f.
3    Ders. (1938): „Totalitäre Defätisten.“ A. a. O., S. 1149.
4     Ders. ([1940]1941): Stalin. Eine Biographie. Köln 1952, S. 537.

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