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Besetzung und Großdemo in Leipzig | Drucken |  E-Mail
Korrespondent Leipzig   
01.12.2009

In der letzten Novemberwoche tagte in Leipzig die Konferenz der Hochschul-Rektoren (HRK). - Ein Gremium, das für sich selbst in Anspruch nimmt, die „Stimme der Hochschulen“ zu sein, jedoch keine demokratische Legitimität besitzt und nebenbei auch große Summen an Geld kostet, das vom Etat der Hochschulen abgezweigt wird.

Grund genug zum Protest, im Kontext der aktuellen Besetzungswelle in der BRD allemal. Bereits am ersten Tag wurde die Konferenz von protestierenden Studierenden gesprengt und musste umziehen.

Zur bundesweiten Demonstration gegen die Konferenz kamen bis zu 10.000 Studierende. Aus zahlreichen Städten kamen die Menschen mit Bussen oder Sonderzügen. Positiv war, dass viele zum ersten Mal auf einer Demonstration waren, denn die soziale Unruhe im Bildungsbereich reißt zur Zeit Betroffene aus dem alltäglichen Trott mitten hinhein in die Protestbewegung. Jedoch, zusammen vielleicht mit der Tatsache, dass Leipzig eher unerfahren mit Großdemonstrationen ist und der eher geringen Beteiligung von linken Organisationen, führte das dazu, dass die Stimmung auf der Demonstration selbst eher träge und still war, was auch der Block des RSB (Mit Transparent: „Occupation – Yes we can!“) nicht grundlegend ändern konnte. Ein schwarzer Block oder degleichen war nicht zu sehen.
Sitzblockade am Neuen Rathaus
Für einen Moment sollte es interessant werden, denn vor dem Leipziger Rathaus, in das sich die Rektoren zur Tagung zurückgezogen hatten, scherte eine Gruppe aus und die Menge zog hinterher. Das Rathaus wurde kurzerhand belagert und von der Treppe vor dem Eingang wurden Fahnen des SDS, der FAU und des RSB geschwenkt. Die Fahne der MLPD und die Sowjetunion-Flagge (!) der PSG waren hier nicht zu sehen. Eine Sitzblockade und Sprechchöre dürfte die gebildete Polizeikette in Unruhe versetzt haben. Doch die Demonstrationsleitung kam ihrer polizeilichen „Aufgabe“ nach, blies zum Rückzug und der Demonstrationszug wurde fortgesetzt. Die Forderungen der meisten waren eher bescheiden. Sie richteten sich vor allem gegen Studiengebühren und für mehr „Mitbestimmung“. Bei einer Zwischenkundgebung waren denn auch eher ermüdende hochschulpolitische Reden zu hören.
Rektoratsbesetzung in Leipzig
Am Tag vor der Demo war bereits das Leipziger Uni-Rektorat besetzt worden und am späten Abend vorher sah sich Rektor Häuser gezwungen mit etwa 100 Studierenden zu diskutieren, wobei er regelmäßig zur Einhaltung der Redekultur ermahnt werden musste. Ein farbloser alter Mann war da zu sehen, der mit unglaubwürdigen Drohungen, Apellen, Paragraphen, und noch unglaubwürdigeren Versprechungen versuchte, die Menge aus seinen stuckverzierten, ölgemälde-behangenen Räumen zu bekommen – zum Glück erfolglos. Die erste Besetzung im Frühjahr hatte noch in unbedeutenden Seminarräumen stattgefunden. Diese hatte der Rektor einfach ausgesessen. Doch diesmal war ihm der studentische Mob näher auf die Pelle gerückt. Durch die Großdemo wurde noch einmal für die Besetzung geworben, sodass sie intensiviert fortgesetzt werden konnte. An diesen Tagen war Leipzig, das relativ lange abseits des „heißen Herbstes“ gestanden hatte, zum Zentrum des Protests geworden.

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