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Sexismus durch Schönheit | Drucken |  E-Mail
Olga Dedinas   
01.10.2009

Dass hohe Schuhe, die längeres Gehen oder gar die Fortbewegung auf Waldwegen unmöglich machen, Ausdruck einer sexistischen Schönheitsvorstellung sind, ist in der Linken allgemein anerkannt. Ebenso sieht es mit langen Fingernägeln aus, die jegliche handwerkliche Tätigkeit unterbinden, insofern ist es völlig akzeptiert, sich dem nicht anzuschließen, flache Schuhe zu tragen und kurze Fingernägel zu haben. Dergleichen Beispiele ließen sich viele finden. Andere Vorstellungen von Schönheit werden völlig unreflektiert übernommen, obwohl sie ebenso sexistische Hintergründe haben.

Im Allgemeinen wird eine Person auch dann akzeptiert, wenn sie keine „Traumfigur“ hat. Versucht eine Person aber nicht, diese zu erreichen, bzw. erklärt laut, dass dies gar nicht ihr Ziel ist, wird ihr mit größter Skepsis und Ablehnung begegnet. Sein Bäuchlein schön zu finden und damit zufrieden zu sein ist ein no-go.

Die Schönheitsnormen sind interessanterweise in den verschiedenen Kulturkreisen höchst unterschiedlich. Für Europäer­Innen gilt braungebrannt sein als schön, in Indien und Südostasien hingegen wird mit allen Mitteln versucht, eine helle Haut zu erreichen. Ist heutzutage dünn sein anerkannt, so war es vor gerade mal hundert Jahren noch das Gegenteil. Und, besonders überraschend, in einigen Regionen Afrikas bemühen sich Frauen mit Cremes und andern Utensilien, den Wuchs ihrer Körperbehaarung zu fördern.

Der Spruch „man will immer das, was man nicht hat“ hat also rund um den Globus Gültigkeit. Interessanterweise scheint es also nicht darum zu gehen, wie das Resultat am Ende aussieht, denn was schön ist, ist äußerst subjektiv. Viel wichtiger ist, dass es schwierig ist, das Schönheitsideal zu erreichen, sodass der Grad der Bemühungen dahin zeigt, inwiefern eine Frau daran interessiert ist, Männern zu gefallen und umgekehrt.

Dabei gelten in verschiedenen Subkulturen verschiedene Vorstellungen von schöner Kleidung, die unterschiedlich streng eingehalten werden müssen. Der Style ist extrem verschieden, nur ungestylt wird selten anerkannt.
Kindlichkeit gilt als schön, zumindest für Frauen
Besonders in zwei Punkten reduzieren die aktuellen Schönheitsvorgaben Frauen auf ein kindliches Niveau. Was die Figur angeht, so erlaubt das westliche Schönheitsideal nur 10 % sichtbaren  Körperfettanteil, maximal 15 %.

Im Durchschnitt ist aber ein wesentlich höherer Körperfettanteil „normal“, ungefähr 20–25 %. Als normal wurde dabei betrachtet, wie sich das Körpergewicht bei ausgewogener Ernährung einpendelt. Die heutigen Vorstellungen von Schlankheit beziehen sich auf eine Figur, die eigentlich der vorpubertären Figur entspricht. Im Erwachsenenalter ist dies für die Mehrheit der Frauen nur mit absichtlicher, teils gesundheitsschädigender Mangel­ernährung zu erreichen.
Dieser Trend gilt nicht für Männer, denn bei Männern gelten breite Schultern, sichtbare Muskulatur, also die nachpubertäre Figur als schön.

Der zweite Aspekt ist noch wesentlich sensibler, denn über keine andere Schönheitsvorstellung gibt es einen so hohen Konsens. Ein weiterer Bereich des Körpers, der sich mit dem Erwachsenwerden verändert, ist die Körperbehaarung, besonders jene unter den Armen und im Intimbereich. Es gilt gesellschaftlich als absolut unzulässig, diese nicht zu entfernen, was ebenso eine Verneinung des äußerlichen Erwachsenwerdens darstellt. Dies sind aber längst nicht die einzigen Aspekte der Kindlichkeitsnorm, die die Gesellschaft dem weiblichen Geschlecht auferlegt. Auch über blondierte Haare ließe sich anmerken, dass das typische Kinderblond irgendwann im Alter von zehn bis zwölf Jahren eindunkelt, und natürlich gibt es unzählige psychologische Normen, die Frauen kindliches Verhalten zuschreiben.
Schönheitsideale und Konsum
Das omnipräsente Schönheitsbild, das uns vor allem von der Werbung vorgehalten wird, ist auch für Models nur durch computergestützte Bildnachbearbeitung zu erreichen. Unerreichbare Schönheitsideale, sowohl für Männer, als auch für Frauen, sind eine prima Sache für jemanden, der Beauty-Produkte verkaufen möchte. Denn die Unerreichbarkeit garantiert einen nie abreißenden Kund­Innenstrom. Darüber hinaus sind umwerfend attraktive, fast immer weibliche Personen ein prima Blickfang, um auf andere, zu vermarktende Produkte hinzuweisen, aber das ist ein anderes Thema.
Konklusion
Und nun? Futtern wir, bis wir dicke Bäuche haben, rasieren uns nicht mehr und betrachten dann die Emanzipation als vollzogen? Nichts könnte falscher sein! Es wäre keineswegs emanzipatorisch, das alte Schönheitsbild durch ein neues zu ersetzen, das uns besser gefällt.

Geschmäcker sind verschieden, was bei Musik längst anerkannt ist, muss auch beim persönlichen Aussehen gelten. Wir sollten uns eingestehen, dass bequem manchmal glücklicher macht als schön. Wir sollten uns auf die Suche nach dem machen, wie wir selbst uns gefallen. Es ist schwer, als einzige Person im Sichtfeld völlig anders auszusehen, als alle anderen. Anstelle Witzchen und abwertenden Bemerkungen zu machen, sollten wir uns gegenseitig ermutigen, das zu leben, was uns persönlich gefällt, damit Schönsein keine Pflichterfüllung mehr ist.

Und natürlich dürfen alle Suggestoren des Einheitsschönheitsbildes mit Aufklebern, Schriftzügen und sonstigem in Angriff genommen werden!

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