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Unkultur und Widerstand | Drucken |  E-Mail
Alexander Poloczik   
01.09.2009

Am 12. September soll im thüringischen Pößneck  das diesjährige „Fest der Völker“ stattfinden.

Seit 2005 richtet die NPD jährlich in Thüringen ein größeres Festival unter dem Motto „Fest der Völker – Für ein Europa der Vaterländer“, kurz FdV, aus. Etwas Neues sind solche Veranstaltungen aus dem faschistischen Umfeld in Thüringen seit der Etablierung des „Thüringentags der nationalen Jugend“ (seit 2002) und „Rock für Deutschland“ (2003) nicht mehr. Allerdings nimmt das FdV dennoch einen ganz besonderen Stellenwert ein. Dies rührt daher, das es voll und ganz im Zeichen der neonazistischen Ideologie des „Ethnopluralismus“ steht.  Dieser bedient sich nicht mehr der Rhetorik des klassischen Rassismus, sondern postuliert nebeneinander existierende, aber ethnisch völlig homogene Staaten der westlichen Länder, denen dann unterschwellig oder in aller Offenheit eine globale Führungsrolle zugedacht wird. Allerdings liegt die tatsächliche Wichtigkeit des Festivals weniger in der Bedienung aktueller ideologischer Trends der extremen Rechten, sondern in der daraus resultierenden europäischen Bedeutung.

So treten nicht nur viele Bands aus dem internationalen Rechtsrock-Netzwerk „Blood & Honour“ auf dem Festival auf. Auch viele politische Vertreter der internationalen Naziprominenz beteiligen sich mit Redebeiträgen. Bislang sah das Festival z. B. Auftritte von Nick Griffin, dem Vorsitzenden der British National Party und Claudiu Mihutiu, Führerfigur von Noua Dreaptă (Neue Rechte), einer militanten rumänischen Gruppe, die sich offen in die Nachfolge der ultranationalistisch-faschistischen Eisernen Garde aus den 30er Jahren, stellt. Auch bekannte deutsche Rechtsextremisten, wie der NPD-Vorsitzende Udo Voigt, sind gern gesehene Gäste.
Keinen Raum zur Entfaltung der Nazis
Nun könnte für Veranstalter und Besucher des Festivals alles so schön sein, schwebte nicht das lästige Damoklesschwert des antifaschistischen Widerstandes ebenso jährlich und zuverlässig wie eine dunkle Gewitterwolke über den so sonnig erhofften Traumhimmel des „Europas der Vaterländer“.

War nämlich ursprünglich stets Jena als Veranstaltungsort für das FdV vorgesehen, sah sich die NPD letztes Jahr gezwungen, in das kleinere und etwas entlegenere Altenburg auszuweichen, da 2007 insgesamt 3000 Antifaschisten aus breitesten Bevölkerungskreisen mit Demonstrationen und Blockaden gegen das Festival aufbegehrten. Nachdem dann in Altenburg wiederum 1500 Leute den Betrieb durch viele Sitzblockaden behinderten, die teilweise durch den Einsatz massiver Polizeigewalt aufgelöst wurden, weichen die Veranstalter diesmal noch weiter in die thüringische Provinz aus. Diesjähriger Veranstaltungsort wird nun das beschauliche Kleinstädtchen Pößneck sein.

So positiv es ist, dass sich die Nazis immer weiter ins Hinterland zurückziehen, so bedeutsam ist nun auch eine breitere Mobilisierung gegen das FdV geworden, damit es zu ähnlich zahlreichen Protesten kommen kann, wie in den letzten Jahren. Auch wenn es enorm wichtig ist, den Einfluss der Nazis aus den großen Städten zu drängen, ist es ebenso unumgänglich nicht nachzulassen, sobald sie kleinere und abgelegenere Orte als Rückzugsraum entdeckt haben und versuchen, sich dort in aller Ruhe kulturelle Standbeine aufzubauen. Nur wenn die antifaschistische Protestbewegung den Nazis keinen Raum zur Entfaltung ihrer menschenverachtenden Ideologie lässt, kann man auch Problemen wie dem alltäglichen Rassismus wirksam begegnen, die ihren Weg mittlerweile tief in die gesellschaftliche „Mitte“ gefunden haben.
Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus
Vor allem das Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Jena nimmt bis heute eine sehr wichtige Stellung in der Organisation und der Mobilisierung solcher Proteste in Thüringen ein.  Dort finden sich Menschen mit verschiedensten Hintergründen zusammen, um gemeinsam durch handlungsorientierte Ansätze, z. B. Sitzblockaden und Demonstrationen, aber auch durch Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit eine breit angelegte Gegenoffensive zu den erstarkenden rechtsextremen Tendenzen in Deutschland und speziell in Jena und Thüringen aufzubauen.

Aber trotz der unbestreitbaren Bedeutung solcher Bündnisse und speziell des Jenaer Aktionsnetzwerks, muss man auch um die Grenzen ihrer Möglichkeiten wissen. Da sich in diesen Vereinigungen Menschen unterschiedlichster politischer Coleur zusammenfinden, können sie auch keine klare politische Alternative zu Faschismus und Kapitalismus vermitteln. Genau an diesem Punkt müssen revolutionäre Sozialist­Innen ansetzen, indem sie sich immer wieder mit klaren inhaltlichen Beiträgen in die öffentliche Debatte einmischen und durch praktische, kompetente Organisationsarbeit bei den Protesten hervortreten, um ihren Argumenten das nötige Gewicht zu verleihen.

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