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Leserbrief zu „Sozialdemokratischer Horizont“ | Drucken |  E-Mail
Detlef Georgia Schulze   
01.09.2009

Leserbrief zum Artikel „Sozialdemokratischer Horizont“ (Avanti 166, Juni 2009)

Liebe GenossInnen, mit Interesse habe ich Eure Kritik am Entwurf des Linkspartei-Wahlprogramms gelesen. Der Text hat mit gut gefallen. Nur eine Stelle irritiert mich etwas: „Richtig ist die Analyse, dass die gegenwärtige Krise nicht rein konjunktureller Natur ist. Konstatiert wird die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise des Finanzkapitalismus. Gier, Geiz, Verantwortungslosigkeit des Kapitalismus werden angeprangert. Und die bad boys in Gestalt der Investment- und Hedgefonds sind schnell ausgemacht. Etwas weltfremd ist die Kritik an einer Wirtschaftsordnung, die nur für den Profit produziert. Aber anders kann der Kapitalismus nicht funktionieren und der immer romantisch verklärte rheinische Kapitalismus funktionierte in seinen Bewegungsgesetzen auch nicht anders, allerdings im Rahmen des langen Nachkriegsbooms wesentlich sozialer“.
Mir scheint, alles, was Ihr nach „Richtig ist ...“ anführt, scheint auf Eure Zustimmung zu stoßen (also auch die Rede von „Gier, Geiz, Verantwortungslosigkeit des Kapitalismus“); und erst nach „Etwas weltfremd ist ...“ beginnen Eure Einwände.
Ich möchte Euch daher auf meinen Text zur beschlossenen Fassung des Wahlprogramms aufmerksam machen: Linke Kapitalismuskritik muss treffender werden. Geht eine Kritik an Geiz, Gier und Verantwortungslosigkeit wirklich an die Wurzel oder am Ziel vorbei?

 

Antwort zum Leserbrief
Lieber Detlef Georgia, dass linke Kapitalismuskritik treffender werden muss, findet meine volle Zustimmung. Deshalb mein leicht ironischer Hinweis auf die bad boys in Gestalt der Investment- und Hedgefonds. Der Hintergrund einer moralisierenden oder die Krise personalisierenden Kapitalismuskritik ist der sozialpartnerschaftliche Traum von einem Sozialstaat mit allen Weihen. Kapitalismuskritik ist en vogue. Von Müntefering über den selbst ernannten Arbeiterführer Jürgen Rüttgers bis hin zu Heiner Geißlers eloquenten Stellungnahmen, alle schmücken sich mit verbalradikalen Attacken auf das aus den Fugen geratene System, das als solches allerdings nicht in Frage gestellt wird.
Bereits vor der letzten Bundestagswahl hat Avanti in einem Schwerpunktheft „Marx statt Münte“ (Avanti 123, Juli/August 2005) sich mit dem Gegensatz von bürgerlicher und sozialistischer Kapitalismuskritik auseinandergesetzt. Der Autor stellt darin in einem kurzen Überblick das Werk unseres verstobenen Genossen Ernest Mandel vor.
Allerdings ist Gier zum Beispiel bei Boni für Topmanager, während die Belegschaften die Folge der Krise tragen, durchaus ein kapitalismuskritisches Element. Und die Lebensmaxime „Geiz ist geil!“ sowie die Verantwortungslosigkeit der Atomlobby müssen einer kritischen Würdigung unterzogen werden, da hier Bruchstellen existieren, die antikapitalistische Ansätze befördern können. Eine umfassende und substanzielle Kapitalismuskritik ersetzen sie nicht. Wer nach einem Jahr Arbeitslosigkeit bei ARGE und Regelsatz landet, während der Ex-Porsche-Chef sich mit 50 Millionen Euro „begnügen“ muss, entwickelt seinen Antikapitalismus im Bauch. Und die entlassene Hertieverkäuferin sitzt morgen nicht im Kapitalkurs und steht übermorgen auf der Barrikade.
Unsere Kritik geht vom unversöhnlichen Gegensatz von Kapital und Lohnarbeit aus, versteht den Staat als bürgerliches Herrschaftsinstrument und sieht im Proletariat immer noch den zentralen historischen Akteur im Rahmen der Ersetzung des Kapitalismus durch eine sozialistische  (Räte-)Demokratie.
In einer Welt, in der jährlich über 10 Millionen Kinder unter 5 Jahren verhungern, während – nach Jean Ziegler – Nahrungskapazitäten für über 12 Milliarden Menschen existieren, sollten die kritische Analyse des Systems und die moralische Empörung eine Einheit bilden. Und wer seine Kritik auf Gier, Geiz ,Verantwortungslosigkeit reduziert, vergisst sehr schnell, dass auch ein „humanisierter“ Kapitalismus die ökologische Zerstörung zielstrebig weiterbetreibt.
Letztendlich ist eine Kapitalismuskritik nur glaubwürdig, wenn sie in eine antikapitalistische Praxis mündet.
Hoffentlich sind durch diese Zeilen Missverständnisse ausgeräumt worden und unser Standpunkt deutlicher geworden.
Solidarische Grüße
Walter Weiß
 

 

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