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Jena: „Der Bildungsstreik war ein voller Erfolg“ | Drucken |  E-Mail
Interview: Philipp Xanthos   
01.07.2009

Über den Bildungsstreik sprach Avanti mit einem Vertreter der Hochschulgruppe Internationale MarxistInnen in Jena.

Avanti: War der Bildungsstreik in Jena ein Erfolg? Was für Protestaktionen gab es?

HGIM: Aus unserer Sicht war der Bildungsstreik ein voller Erfolg. Am deutlichsten sticht dabei sicher die Besetzung heraus, bei der ein kleiner Trakt des Universitätsgebäudes am „Campus“ von Montag bis Sonntag komplett unter studentischer Selbstverwaltung stand. Auch einige wenige Schüler­­­Innen und Azubis haben daran mitgewirkt. Dabei wurden während der ganzen Woche gut besuchte Veranstaltungen, wie Filmvorführungen und Vorträge etc. durchgeführt. Es gab außerdem ein gutes Feedback von den Studierenden, Unimitarbeiter­­­Innen und sogar einigen Dozierenden.

Aber auch die Demonstration am Mittwoch hat unsere Erwartungen gesprengt. Wir haben ja mit bestenfalls 800 Teilnehmer­­Innen gerechnet. Am Ende waren zwischen 4 000 und 6 000 Schüler­­Innen und Student­­Innen auf der Straße. Dabei konnte man neben den klassischen Demoslogans für freie Bildung auch immer wieder antikapitalistische und revolutionäre Sprechchöre hören. Für einige Zeit lang wurde während der Demo sogar das Schulamt besetzt.

Gab es auch einen Banküberfall?

HGIM: Dinge, wie den symbolischen Banküberfall gab es am Donnerstag zwar nicht, aber dafür haben 30 Leute das Büro des Rektors für mehrere Stunden besetzt. Damit sollte ein Raum an der Uni für dauerhafte Selbstverwaltung erkämpft werden, was auch gelungen ist.

Könntest du etwas den Verlauf der Mobilisierung im Vorfeld beschreiben?

HGIM: Die Mobilisierung lief im Vorfeld etwas schleppend an. Die Treffen des Streikbündnisses fanden zwar regelmäßig und in ausreichender Häufigkeit statt, aber es mussten immer wieder einige Differenzen über verschiedene Fragen geklärt werden. Die Schüler­­Innen z. B. fühlten sich von den Student­­Innen in einigen Punkten übergangen, während diese z.T. kritisierten, dass die Teilnahmebereitschaft der Schüler­­Innen an den Vorbereitungstreffen zu gering sei. Solche kleineren Konflikte sind natürlich normal und können nur durch den offenen Dialog überwunden werden. Ich denke allerdings, dass uns das recht gut gelungen ist.
Es gab auch Meinungsverschiedenheiten in ganz praktischen Fragen. So wurde auch hier schon die Möglichkeit einer Besetzung diskutiert, was von uns z. B. stark begrüßt, von anderen allerdings eher abgelehnt wurde.

Das größte Problem war wohl, dass die Verteilung der Flyer und das Kleben der Plakate zu spät begonnen haben, was auch oft kritisiert wurde. Wir haben dann aber versucht, diesen Nachteil durch einen möglichst hohen Einsatz an Arbeit in den letzten zwei Wochen vor dem Streik wettzumachen und angesichts der großen TeilnehmerInnenzahl meine ich, dass das Früchte getragen hat.

Habt ihr etwas Inhaltliches entwickelt, z. B. Forderungen aufgestellt?

HGIM: Im Rahmen des eigentlichen Streiks hat es verhaltnismäßig wenige inhaltliche Debatten gegeben. Das Bündnis hat sich im Wesentlichen an den Aufruf und die Forderungen der bundesweiten Kampagne gehalten. Diskutiert wurden diese natürlich. Intensive Gespräche um eigene inhaltliche Akzente gab es vor allem bei der Besetzung. Für diese wurde auch ein ganz eigenes, antikapitalistisches Forderungspapier entwickelt. Später wurden während der Besetzung dazu noch extra inhaltliche Arbeitskreise gebildet, die diese Diskussionen fortgesetzt und weiterentwickelt haben.

Inwiefern hat sich eure Hochschulgruppe eingebracht?

HGIM: Unser Augenmerk lag vor allem auf zwei Punkten: Erstens wollten wir uns so gut wie möglich in die praktische Organisationsarbeit mit einbringen, zweitens war es unser Anliegen, uns nach allen Kräften für kämpferische Positionen und Inhalte mit gesamtgesellschaftlicher Perspektive stark zu machen.

Ich denke, dass wir in beiden Punkten recht zufrieden sein können, sowohl was die Besetzung, als auch was die eigentliche Streikwoche angeht. Einige Wermutstropfen gibt es natürlich immer. Wir hätten uns z. B. bei der Programmgestaltung während der Besetzung gern mit eigenen Beiträgen eingebracht. So wurden u. a. Dinge wie ein Grundlagenworkshop zu marxistischer Theorie oder ähnliches diskutiert. Allerdings waren wir alle schon zu sehr in die praktische Arbeit eingespannt, um solche Dinge sorgfältig genug vorzubereiten.

Was plant ihr für die Zukunft?

HGIM: Wir werden uns nun auch weiterhin am „frei(t)raum)“-Projekt, also der Gestaltung und Nutzung des selbstverwalteten Uniraumes, den uns die Universität am Ende zugesprochen hat, beteiligen und dort für marxistische Positionen in den inhaltlichen Debatten eintreten. Wir hoffen, dass sich aus dem politischen Bündnis, das bei dem Bildungsstreik und im speziellen der Besetzung entstanden ist, eine dauerhafte Zusammenarbeit der fortschrittlichen Kräfte in Jena entwickeln kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Infos zur Hochschulgruppe Internationale MarxistInnen in Jena unter: www.marxistInnen.de.vu

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