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Crash und Crisis: Bankenkrach, Wirtschaftskrise, Dollar-Crash | Drucken |  E-Mail
Günther Sandleben, Sept. 2008   
15.10.2008
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Spätestens seit der spektakulären Pleite der US-Bank Lehman Brothers und der Beinahe-Pleite des US-Versicherungsriesen AIG redet die Finanzwelt von der „schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression 1929/1932“. Von der US-Notenbank Fed erhielt AIG gegen die Option auf eine 80-prozentige Beteiligung den dringend benötigten Kredit von 85 Mrd. US-$. In diesem Jahr sind bereits elf Finanzinstitute in Amerika Bankrott gegangen; von den fünf großen Investmentbanken sind noch zwei übrig geblieben, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Unter dem Druck der Kreditkrise gaben selbst diese verbliebenen US-Investmentbanken ihren Sonderstatus auf und sind nun gewöhnliche Kreditbanken. Alan Greenspan, der ehemalige Präsident der US-Notenbank Fed sprach im US-Fernsehsender ABC News von einer Krise, wie sie nur alle 50 bis 100 Jahre vorkommt. „Das übertrifft ohne Zweifel alles, was ich je gesehen habe, und es ist längst noch nicht überwunden“.

Die Krise hat sich inzwischen weiter zugespitzt, so dass sich die US-Regierung gezwungen sah, ein Notpaket in Höhe von 700 Mrd. US-$ zum Ankauf fauler Hypothekenkredite zu schnüren. Diese geplante Rückkaufaktion besitzt eine neue Qualität im Krisenmanagement. Über die bisherigen punktuellen Hilfsaktionen hinaus sollen jetzt die zweifelhaften Kredite selbst, über die bereits etliche prominente Finanzinstitute gestolpert waren, durch den Staat übernommen werden. Die Staatsverschuldung, die bereits bei 9,7 Billionen Dollar liegt, wird sich weiter erhöhen. Schon ohne die Notmaßnahmen hatte die US-Regierung für 2009 ein Defizit von 438 Milliarden Dollar eingeplant. Nun wird die Billionen-Dollar-Grenze überschritten.

In der Phantasie der Finanzwelt verfügen Regierung und Notenbank über grenzenlose Macht. Sie scheinen die Fähigkeit zu besitzen, jede Krise zu bezwingen. Es ist dieser  Mythos von der Beherrschbarkeit der Krise, der dem Trio - bestehend aus Fed-Chef Ben Bernanke, dem US-Finanzminister und langjährigen Chef der Investmentbank Goldman Sachs und Timothy Geithner, Chef der New Yorker Fed-Filiale und erprobter Regierungsfachmann für die Aufsicht über den Finanzsektor - die volkstümliche Bezeichnung „Komitee zur Rettung der Welt“ eingebracht hat.

Wie weit diese Macht tatsächlich reicht und wer von den künftigen Staatsaktionen betroffen sein wird, soll dieser Artikel zeigen.

Bei aller Dramatik der Ereignisse fällt auf, dass die Finanzöffentlichkeit die Krise überwiegend als ein vom ökonomischen Gesamtprozess abgetrenntes Phänomen interpretiert, als durch „Gier und Größenwahn“ ausgelöste Schockwellen an den Finanzmärkten, nicht aber als der nur auffälligste Teil einer Ökonomie, die in sich instabil ist und deren innere Widersprüche sich in Gestalt von Krisen zuspitzen. Wenn aber die Krise im tiefsten Inneren der Wirtschaft ihre Wurzeln hat, dann lässt sie sich keinesfalls durch bloße Geld- und Kreditmanipulationen oder durch eine Ausweitung der Staatsverschuldung beheben. Die Gesamtkonjunktur selbst muss thematisiert werden, um das wirkliche Ausmaß der Finanzkrise zu erfassen und um eine Vorstellung darüber zu erhalten, welchen Handlungsspielraum Regierung und Notenbank überhaupt besitzen.


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