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Geschichtsklitterung | Drucken |  E-Mail
Johann-Friedrich Anders   
01.05.2008

Götz Aly hat im Januar einen äußerst kontroversen Artikel zu den „68ern“ geschrieben. Den folgenden Leserbrief des Kollegen Anders hat die Frankfurter Rundschau leider nicht abgedruckt. Wir bringen ihn deswegen hier im Zusammenhang mit unserem Artikel zu 1968.

Das ist schon eine staunenswerte Leistung, die der Historiker Götz Aly am 30. Januar 2008 in der FR mit „Die Väter der 68er“ vollbracht hat: die deutsche 68er Studentenbewegung als „Variante“ der NS-Studentenbewegung darzustellen.
Aly beginnt seinen Beitrag mit dem Satz: „Am heutigen Tag kreuzen sich die Erinnerungen an die 75. Wiederkehr der Machtergreifung Hitlers und die ausgedehnten Feierlichkeiten für die deutschen 68er.“ Gleich zwei sachliche Schiefheiten bereits im ersten Satz: Aly weiß sicherlich, dass „Machtergreifung“ eine die Tatsachen verfälschende Sprachregelung der Nazis ist (es war eine Machtübergabe an die Nazis durch die reaktionäre deutsche Machtelite). Und „ausgedehnte Feierlichkeiten für die deutschen 68er“? Wie bitte?! Sicher: viele Beiträge in Medien, kontroverse Talk-Shows, Vorträge, z. B. von Götz Aly; aber „ausgedehnte Feierlichkeiten“? Wo bitte?

Und ausgerechnet der damalige Bundeskanzler Kiesinger als wichtigster Kronzeuge gegen die Studentenbewegung! Offenbar ist Götz Aly von allen guten Geistern verlassen: Kiesinger, der 1933 in die NSDAP eintrat und 1940 – 1945 für die Nazi-Auslandspropaganda arbeitete; über den der Philosoph Karl Jaspers 1967 sagte, dieser „alte Nationalsozialist“ als Bundeskanzler sei „eine Beleidigung gegenüber der Minderzahl der Deutschen ..., die den Nationalsozialismus immer gehasst haben und noch hassen“; Kiesinger, der „Edel-Nazi-Kanzler“, wie Wolf Biermann 1968 in „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ sang.

Ein schwer zu übertreffendes Beispiel an Geschichtsfälschung erreicht Aly mit seinem zentralen Satz: „Bei allen Ähnlichkeiten in den politischen Ausdrucksformen und zum Teil in den hochschulreformerischen Zielen liegt der wesentliche Unterschied zwischen den 33ern und den 68ern auf der Hand: Die Revolte der einen führte rasch zur Macht, zu furchterregenden Karrieren und Konsequenzen; die der anderen endete ebenso rasch in der Niederlage, zumindest in der Zersplitterung.“
Was wird hier – insbesondere bei der 68er Bewegung - alles als unwesentlich ausgeblendet? Der westdeutsche und der internationale historische Kontext, in der die deutsche Studentenbewegung parallel zu weltweit ähnlichen Bewegungen entstand; die Ziele und Vorgehensweisen; deren Wertung: alles unwesentlich?

Ist es auch Wahnsinn, so Geschichte zu schreiben, so hat es doch Methode. Wie bringt man solch eine Geschichtsfälschung zustande? Das Rezept: Man vermeide so weit wie möglich falsche Tatsachenbehauptungen. Und man nehme zwei Ereignisse / Personen o. ä. und vergleiche sie in irgendeinem Punkt. Bekanntlich lässt sich alles irgendwie miteinander vergleichen. Selbst den Mond könnte man mit der Studentenbewegung vergleichen und Ähnlichkeiten feststellen: beide haben z. B. eine verborgene Seite.  Auf Götz Aly selbst angewandt, ergäbe seine Methode etwa folgendes Resultat:
„Bei allen Ähnlichkeiten“ zwischen Adolf Hitler und Götz Aly – beide befassten sich intensiv mit der Ermordung der Juden (der eine als Täter, der andere als Historiker) – „liegt der wesentliche Unterschied zwischen den 33ern und den 68ern auf der Hand“: Der 33er-„Vater“ Hitler stieß auf massive Kritik und beging Selbstmord, während der 68er-„Sohn“ Aly lebt und das Bundesverdienstkreuz erhielt.

Wie man sieht: keinerlei unzutreffenden Tatsachenbehauptungen. Und gleichwohl: keine ernstzunehmende Geschichtsdarstellung. Genauso wie Alys Darstellung der Studentenbewegung von 1968.

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