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Zum Gedenken an Hans Berger und Heinz Leidersdorf | Drucken |  E-Mail
B. B.   
01.04.2008

Vor 65 Jahren, am 18.2.1943, wurden unsere Genossen Hans Berger und Heinz Leidersdorf in Auschwitz ermordet. Beide hatten langjährige Zuchthausstrafen hinter sich, bevor sie 1942/43 ins Vernichtungslager deportiert wurden.

Hans Berger („Fred“, „Fredy“, „Röder“) war ab 1931 im „Jungjüdischen Wanderbund Brith Haoli“, später „Brith Habonim“ aktiv. Der junge Laborant betätigte sich als Sportler in dem Verein „Bar Cochba“ und Ende 1932 in dem Arbeitersportverein „Fichte“. 1932 kam er als Sechzehnjähriger über eine Gruppe des Kommunistischen Jugendverbandes (KJVD) zur Linken Opposition (LO), die die Einheitsfront von KPD, SPD und ADGB gegen den Faschismus propagierte. Zu diesen oppositionellen Jugendlichen gehörten u. a. Oskar Großmann, die Brüder „Baum“, Gustav Stern, Walter Haas, Alfred Bakalejnyk und Hilde Berger, die Schwester von Hans. 
Mit 17 Jahren Leitungsmitglied
Nach der Niederschlagung der ArbeiterInnenbewegung durch den Nationalsozialismus musste die illegale Reichsleitung der LO in Berlin reorganisiert werden. Als dann ihr Motor, der erst einundzwanzigjährige Oskar Großmann, der alle Verbindungen in der Hand gehalten hatte, im Februar 1934 mit anderen Genossen verhaftet wurde (und nach seiner Auslieferung an die Sowjetunion spurlos verschwand), kam der erst siebzehn Jahre alte Hans Berger zunächst vorübergehend, später dauerhaft in die neue Leitung, die „Exekutive“ um Walter Nettelbeck. Als deren Mitglied besuchte Hans Berger Anfang September 1934 die Hamburger LO-Gruppe. Auf zwei Treffen in der Heide zwischen Bergedorf und Geesthacht erläuterte Hans Berger nacheinander zwei Gruppen der Hamburger TrotzkistInnen die Taktik des Eintritts als bolschewistische Fraktion in die Sozialistische Partei Frankreichs SFIO. Hans Berger konnte die GenossInnen von der Richtigkeit der Taktik des Entrismus überzeugen. Im November 1934 wurde er wegen Weitergabe eines Flugblattes zum ersten Mal verhaftet und saß bis Juni 1935 hinter Gittern.
Als Reichskurier unterwegs
Nach seiner Entlassung übernahm Hans Berger die wichtige Rolle des Reichskuriers. Er brachte die über die Dresdener Gruppe der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD), so hieß nun die LO, aus der Tschechoslowakei eingeschmuggelten Zeitungen zu den verschiedenen örtlichen Gruppen. Bei einem Treffen am Samstag, den 2. November 1935, wurde Hans Berger vor der Hamburger Kunsthalle bei der Übergabe eines Koffers mit 186 Zeitschriften verhaftet. Mit ihm wurden vier weitere GenossInnen verhaftet, darunter die Hamburger IKD-Leitungsmitglieder Charly Munter und Heinz Leidersdorf. Ein Spitzel, den die Gestapo auf die Hamburger Gruppe angesetzt hatte, hatte vom Treffen erfahren.
Vom Zuchthaus ins Vernichtungslager
Hans Berger galt als Wiederholungstäter und wurde in der Haft schwer gefoltert. In seinen Aussagen versuchte er, die Zusammenhänge der IKD zu vertuschen. Erst im März 1937 wurde gegen ihn Anklage erhoben. Am 28. April verhängte der Volksgerichtshof acht Jahre Zuchthaus gegen ihn. In der Urteilsbegründung hieß es: „Was die Strafzumessung im übrigen anbelangt, so war allgemein zu berücksichtigen, daß die Trotzkigruppe in Deutschland zwar verhältnismäßig wenig Anhänger zählt, daß ihre Bestrebungen aber besonders gefährlich sind, zumal Trotzki in Bezug auf das Vortreiben der kommunistischen Weltrevolution noch radikaler eingestellt ist als die Komintern“. Vom 21.5.1937 bis 29.12.1942 saß Hans Berger im Zuchthaus Brandenburg. Dort gelang es ihm, den jungen Kommunisten Hans Loriades für seine Ideen zu gewinnen. Im Herbst 1942 beschloss das Reichsjustizministerium, Häftlinge an Polizei und SS „zur Vernichtung durch Arbeit“ zu überstellen. Bis zum 30. April 1943 wurden ca. 14.700 Gefangene an die SS übergeben. Hans Berger wurde am 29.12.1942 nach Auschwitz deportiert und dort am 18.2.1943 von den Nazis ermordet.
Heinz Leidersdorf
Der Hamburger Lehrer Heinz Leidersdorf kam 1928 zur KPD, wo er in Eppendorf Unterkassierer und in der „Roten Studentengruppe“ Vertrauensmann der KPD war. 1931 wurde er wegen Kritik an der Parteiführung aus der KPD ausgeschlossen und trat der Linken Opposition bei. In ihrer Hamburger Gruppe gehörte er nach dem Exil von Georg Jungclas der örtlichen Leitung an und wurde mit seinen Genossen Kohn und Defert am 25. Juli 1933 wg. Verdachts der staatsfeindlichen Betätigung verhaftet, aber Anfang September mangels Beweise aus der Schutzhaft wieder entlassen. In Auftrag der Hamburger TrotzkistInnen fuhr Heinz Leidersdorf um die Jahreswende 1934/35 nach Kopenhagen zu der Exil-IKD um Jungclas und Erich Kohn, wo parallel zur Dietikoner Konferenz ein Treffen mit Hamburger und Berliner GenossInnen (Entrismusgegner?) stattfand. Im Juli-August 1935 fuhr Heinz Leidersdorf erneut nach Kopenhagen. Danach erschienen in „Unser Wort“ die von Jungclas und Kohn verfassten Stimmungsbilder über die Lage in Deutschland. Die Hamburger Gruppe der IKD war sehr aktiv. Im Nachhinein stellte die Gestapo von Mitte Mai bis Anfang November 1935 über 30 Treffen fest. Mehrere illegale Zusammenkünfte der örtlichen Leitung fanden bei der Mutter von Heinz Leidersdorf in Hamburg-Rahlstedt statt. Nach der Festnahme am 2. November 1935 wurde Heinz Leidersdorf im Februar 1937 vom Volksgerichtshof zu 9 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er saß sie bis Ende 1936 im KZ Fuhlsbüttel, danach im Zuchthaus Hamburg und im Zuchthaus Oslebshausen ab.  Heinz Leidersdorf wurde am 14. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und wie Hans Berger am 18.2.1943, wenige Tage vor seinem 37. Geburtstag, von den Nazis ermordet. Ob es sich um die Ermordung deutsch-jüdischer KommunistInnen oder um die gezielte Ermordung von Trotzkisten handelte, bleibt offen. Vor dem Haus seiner Mutter in Hamburg-Rahlstedt, Grubesallee 21, befindet sich ein Stolperstein zum Gedenken an Mutter und Sohn.

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