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Bernd Brosius:
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122 Seiten, 12 €
ISBN 978-3-89900-122-8
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Deutsches Elend | Drucken |  E-Mail
Korrespondent München   
01.02.2008

oder wie ver.di in Jena versucht, einen engagierten Antifaschisten loszuwerden. In Gewerkschaftskreisen ist man längst nicht mehr glücklich mit dem Dauerdemonstranten und ver.di-Hauptberufler Lucifero. Denn der aus Italien stammende Organisator zahlloser Demos gegen Rechts fühle sich sofort als Ausländer stigmatisiert und von den Behörden kriminalisiert, sobald er auf die Spielregeln des Rechtsstaats verwiesen werde (aus: Ost­thüringer Zeitung).

Kurz vor Weihnachten wurde bekannt, dass ver.di Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen den ehemaligen Bezirksvorsitzenden und jetzigen Sekretär im Fachbereich 12, Angelo Lucifero, fristlos entlassen will. Zuvor wurden die Schlösser seines Büros ausgetauscht und Lucifero am Betreten des Hauses gehindert.
Der Kündigungsgrund: „Angelo Lucifero hat in unzulässiger Weise persönliche und politische Arbeit auf Kosten und mit Mitteln der Gewerkschaft ver.di betrieben“.

Was damit gemeint ist, kann vielleicht verstanden werden, wenn man ein wenig Angelos Geschichte seit 1991, besonders aber die Ereignisse im März 2007 betrachtet.
Im Visier der Nazis
Neben beispiellosen Hetzkampagnen in den einschlägigen Naziforen im Internet gegen den Antifaschisten, die allein schon ausreichen würden, viele aufrechte NazigegnerInnen zum Schweigen oder gar zur Ortsveränderung zu bewegen, gab es in den vergangenen 18 Jahren auch immer wieder Anschläge auf Luciferos Leben. So wurden bereits 1991 die Bremsschläuche seines Autos angeschnitten und drei Jahre später seine Pneus mit Nägeln bestückt, was zu einem Unfall führte, als einer der Reifen auf der Autobahn platzte. Er wurde 18 Jahre lang mit Drohanrufen bedacht, seine Wohnung und sein Auto waren Ziele des braunen Mobs, er wurde überfallen und misshandelt. Auch seine Lebensgefährtin wurde aufs mieseste bedroht: Irgendein Rechter/Teutscher steckte ihr ein Lebensversicherungsformular an den Scheibenwischer.
Nachdem die Staatsgewalt sich ausserstande sah, Angelo Lucifero einigermaßen zu schützen, tat dieser was sehr Naheliegendes. Er versuchte sich selber zu schützen, allerdings „nur“ mit einer Schreckschusspistole.
Zu allem Überfluss hat Angelo diese – ähm – Waffe aus gegebenen Anlass auch benutzt.

Am 15. März 2007 wurde er während einer Demo in Erfurt von einer Gruppe Nazis angegriffen. In dieser Situation und nach jahrelanger Bedrohung und Gewalt tat er das Normalste der Welt. Er schoss mit seiner Schreckschusspistole auf die Angreifer.

Spätesten ab diesem Zeitpunkt, war sein Arbeitsplatz im FB 12 bei ver.di Thüringen in Frage gestellt. Denn statt sich vorbehaltlos hinter ihn zu stellen, hetzten einige Gewerkschafter in ganz Deutschland gegen Angelo Lucifero. Vom Landesbezirksleiter Thomas Voß bis zum unbekannten Adabei stellten sie die Dinge auf den Kopf und heuchelten Fassungslosigkeit ob dieser „Gewalttat“. In ihren Statements erschien Angelo z. T. sogar als verwirrter Angreifer und die pöpelnden Nazis als dessen Opfer.
Verurteilung
Dieser Auffassung war auch das Erfurter Amtsgericht, als es ohne Anhörung des Beschuldigten und ohne Hauptverhandlung, nur den Anschuldigungen der Nazis folgend, sein Urteil sprach. Am 9. August 2007 erließ es gegen Angelo Lucifer einen Strafbefehl über ein Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung sowie 120 Tagessätze Geldbuße. In Folge dessen kündigte ihm ver.di. Aber von Gewerkschafter gegen Rechts (GGR) über die Gewerkschaftslinke queer durch alle Gewerkschaften und Gremien regt sich Widerstand gegen die Kündigung, Solibündnisse werden gegründet und der Vorstand von ver.di wird mit Protest überschüttet.

Doch noch jubelt die rechte Presse: „Endlich ist Deutschlands wirrstem Gastarbeiter das Handwerk gelegt!“ Schon seid Monaten verlangten diverse Naziorganisationen immer wieder Angelos Entlassung. Auch die NPD trat offiziell an den DGB und an ver.di mit dieser Forderung heran.

Nach einer Studie der Hans-Böckler- und der Otto-Brenner-Stiftung sind im Osten ca 22 % der Gewerkschaftsmitglieder von faschistischer Gesinnung. „Dieses Potential sollten wir nicht brachliegen lassen!“ so der NPD Kreisvorsitzende Trinkaus und bestätigte seinen Antrag auf ver.di-Mitgliedschaft. Auch die NPD Erfurt rief zum Eintritt auf „Es ist an der Zeit, an einem Umbau der Gewerkschaft ver.di mitzuwirken!“

Die Entlassung Angelo Luciferos spielt genau diesen Kräften in die Hände!

 

Angelo Lucifero – Solidarität vor Gericht
Früh aufstehen war angesagt! Vor 7.00 Uhr morgens hatten sich schon gut 20 Unterstützende vor dem modernen gläsernen Gerichtsgebäude versammelt. Den wenigen Rechten wurde jeder Auftritt vermiest, denn die Zahl der UnterstützerInnen wuchs. Die erste Einlasskontrolle hatte sich offenbar verzählt, sodass, nachdem die 30 Plätze fürs Volk, in dessen Namen Recht gesprochen wird, und die 10 Plätze für Journalisten belegt waren, noch ein gutes Dutzend vor der zweiten Kontrolle stand. Die rechten Zeugen saßen auf einer Stuhlreihe, eskortier von ihrem Aufpasser Trinkaus, ein weiterer Zeuge bei den Wartenden, mit denen er auch redete. Der Verantwortliche für die Ordnung im Gericht musste sich allerlei anhören, offensichtlich war ihm das Interesse von außerhalb recht unangenehm.
Im Gerichtssaal stellte sich schnell heraus, dass Lucifero aufgrund seiner Hörschädigung nicht in der Lage war und ist, der mündlichen Verhandlung zu folgen, sodass die Verhandlung unterbrochen wurde. Auf dem Vorplatz versammelten sich die Unterstützenden, diskutierten, und es gelang, eine Spontandemo zu organisieren mit gut 100 Menschen und vielen Transparenten, die vom Gerichtsgebäude durch die Stadt zum Anger zog. Die Teilnehmenden waren großenteils aus der Antifaszene, aber auch von der Gewerkschaftslinken Hamburg, die auf die negative Rolle von ver.di verwies. Wichtig ist jetzt, dass während der Unterbrechung der Verhandlung die Solidarität nicht geschmälert wird, und dass Angelo Lucifero als Antifaschist und Gewerkschafter vor Ort weiter arbeiten kann.
Vera Svoboda 

 

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