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„Umweltschutz ist Heimatschutz“ | Drucken |  E-Mail
Artur Blechschmidt   
01.11.2007
Auch wenn bei Medienberichten über rechtsextreme Aktivitäten gerne das Bild des kniehoch bestiefelten Glatzenträgers mit Bomberjacke genutzt wird, haben sich Teile der Naziszene in den letzten Jahren sowohl vom Erscheinungsbild, als auch bei ihren Aktionsformen und Inhalten stark gewandelt.

So bewegen sich Nazis ebenso selbstverständlich in Teilen der Skinhead-Szene, wie zunehmend auch in der Hardcore- und Rocker-Szene. Die politische Gesinnung lässt nicht mehr nur die Stiloptionen Skinhead oder Seitenscheitel offen. Auf Demos sind bereits seit einigen Jahren Nazis im Autonomenstil (die sich teilweise auch selbst als „autonome Nationalisten“ bezeichnen) mit jeder Menge Piercings und Tatoos zu sehen. Diese subkulturelle Öffnung erweitert den Rekrutierungsradius erheblich, da Musik und subkulturelles Zusammengehörigkeitsgefühl einen wichtigen Baustein bei der Bindung von Jugendlichen an die rechte Szene und deren Politik bilden.
Nationaler Antikapitalismus
Neben dem Wandel des Erscheinungsbildes, haben sich Inhalte und Formen von Naziaktionen in den letzten Jahren gewandelt. Es gibt fast keine Demo mehr, zu der nicht ein antikapitalistisches Transparent im Pop-Antifa-Stil mitgenommen wird. Die Parolen ähneln denen linker Demos verdächtigt und sind meist nur geringfügig abgewandelt. Ebenso selbstverständlich ist es mittlerweile für „nationale Aktivisten“ (wie sie sich gerne selbst betiteln) an Demos für Umweltschutz teilzunehmen (dies endet jedoch meist mit dem Rauswurf durch andere TeilnehmerInnen, worüber sich die Nazis dann auf ihrer Internetseite beklagen). Weiterhin finden Transparentaktionen an Autobahnbrücken gegen den Castor-Transport statt. Denn „Umweltschutz ist auch Heimatschutz“, wie die Nazis betonen.

Die Forderungen und Parolen der pseudo-linken Nazis bleiben meist diffus und der theoretische Output dieser aktionsorientierten Nazi-Gruppen ist verschwindend gering. Die Verbindungen zur NPD sind dabei regional recht unterschiedlich. Ähnlich wie in der Linken, gibt es in der Nazi-Szene die Diskussion um Sinn und Wirkung parlamentarischer Arbeit. Nichtsdestotrotz wurden in der Vergangenheit führende Kader der freien Kameradschaften in hohe NPD-Posten erhoben, um die Verbundenheit von Partei und „Freien“ zu stärken. Ebenso bot die NPD (z.B. in Sachsen) Naziaktivisten nach Verbot diverser Organisationen einen Unterschlupf im Parteiapparat.

In letzter Zeit arbeiteten die Nazis vermehrt mit Parolen wie „Freiheit!“, „Werdet aktiv!“, „Das war Mord!“ (bezogen auf den Selbstmord der Nazi-Märtyrer-Figur Rudolf Hess), „Menschenrecht bricht Staatsrecht!“ (bezogen auf die Inhaftierung diverser Nazis wegen Volksverhetzung) usw. All das wird mit jugendgerechten Aktionen unterfüttert. Neben Wurfschnipselaktionen in Einkaufscentern und Bahnhöfen, dem Abfilmen von nächtlichen Graffiti-Aktionen, organisieren sie spontane Demos ohne großen Vorlauf mit durchaus 200 TeilnehmerInnen. Besonders spektakulär war die Tour eines LKW im Sommer 2007 durch diverse Städte in Deutschland, auf dessen Ladefläche in riesiger Schrift der angebliche Mord an Rudolf Hess angeprangert wurde.

Diese Aktionen werden dann in Aktionsberichten und jugendlich-dynamisch-rockigen Videos im Internet dokumentiert. Die Kameraden gratulieren sich in Kommentaren gegenseitig zu gelungenen Aktionen.
Was diese Art von Nazis gefährlich macht, ist neben dem aktionsorientierten und „coolen“ Image, vor allem ihre (augenscheinliche) inhaltliche Unverfänglichkeit und Schwammigkeit. Die Forderungen nach Freiheit für ihre inhaftierten Kameraden und nach Meinungsfreiheit für nationale Aktivisten, lässt sie auf den ersten Blick weniger abschreckend wirken, als das Klischee des brutalen Nazi-Schlägers. Sie bieten mit ihren Parolen Anknüpfungspunkte für ein, bei vielen Menschen vorhandenes, diffuses Unrechtsbewußtsein. Ebenso ist die Parole „Werde aktiv!“ an sich unverfänglich. Klar muss jedoch sein, dass Nazis diejenigen sind, die die Meinungsfreiheit als erste abschaffen und die ersten sind, die politische Gegner­Innen verschwinden lassen. Aktiv werden, wofür denn konkret? All die „unschönen“ Dinge der Nazi-Ideologie wie Rassismus, Umweltzerstörung durch Kriege und dem verschwinden jeglicher Freiheit fallen hierbei unter den Tisch.
Ein Modetrend?
Offen bleibt, wie lange die freie Nazi-Szene diese inhaltliche Flachheit und das Kokettieren mit linken Stilmitteln und Parolen durchhält. Neben den Spannungen zwischen NPD-Nazis und freien Kameradschaften (bspw. wegen des Auftretens in Black-Block-Outfit auf Demos), brachen in der Vergangenheit schon diverse Kameradschaften zusammen, weil die einzige Führungspersönlichkeit in Haft kam. Das Führerprinzip bleibt also, trotz linkem Anstrich.
Aufgabe muss es deshalb sein, sich den Nazis bei jeder Gelegenheit in den Weg zu stellen, sowie die unverfänglichen Parolen der „nationalen Aktivisten“ zu entlarven.
Nazis und Tierrecht
Mittlerweile haben auch Nazis das Thema Tierrecht für sich entdeckt. So lässt sich auf ihrer Seite der „AG Tierrecht“ Folgendes lesen:
„Seit der Gründung der AG Tierrecht, gab es viele Diskussionen um das Thema nationaler Sozialismus und Tierrecht. Viele positive aber auch einige negative Reaktionen hat es in dem Bezug auf dieses Thema gegeben. Gerade die Aussagen mancher Kameraden haben uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass dies ein wichtiger Teil der Zukunft unserer Heimat, unseres Volkes und des nationalen Sozialismus ist.“


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